HSV Hamburg steigert im zweiten Heimspiel mit weltmeisterlicher Unterstützung Leistung und Zuschauerzahl

Bilder: Andreas Grieß
HSV Hamburg

Zweites Heimspiel zweiter Heimsieg für Hamburgs Drittliga-Handballer. Vor allem dank starker Schlussminuten in der ersten Halbzeit, gelingt dem Handball Sport Verein Hamburg am Ende ein deutlicher Sieg im Derby gegen Beckdorf. Dabei half kurzfristig auch ein Ex-Weltmeister mit.

Der Auftakt vor drei Wochen gegen Magdeburg war vielversprechend für den HSV Hamburg. Vor allem die erstligareife Atmosphäre mit 2.500 Zuschauern war für ein Drittligaspiel beeindruckend. Und auch sportlich präsentierte sich Hamburg stark. Im Anschluss gab es auswärts jedoch die erste Klatsche. Und jetzt? Nach der vielbeachteten Heimspielpremiere galt es für Hamburgs Handballer am Freitagabend im zweiten Saisonheimspiel so etwas wie Routine zu entwickeln und die Heimstärke wie auch die Atmosphäre zu einem Alleinstellungsmerkmal zu machen, das Hamburg langfristig wieder in die Oberklasse führt. Zunächst hieß die Realität jedoch nicht Kiel oder Rhein-Neckar-Löwen, sondern SV Beckdorf – und damit: Derby.

Das Team aus der Nähe von Buxtehude macht angefeuert von rund 50 mitgereisten Fans das erste Tor des Abends und zieht in der Folge schnell auf 1:4 davon. Der HSV ist gefordert. Nach etwa sechs Minuten gleichen die Jungs von Trainer Jens Häusler aus, geraten kurz darauf jedoch mehrfach erneut mit einem Tor in Rückstand. Erst nach knapp elf Minuten geht der HSV durch einen Siebenmeter von Ole Stabick erstmals in Führung – 7:6.

„Toto“ nach einem Training an Bord

Gut 16 Minuten brauchen die Hamburger, um sich langsam einzugrooven – und mit ihnen das Publikum: Ein Angriff der Gäste wird abgefangen, Hamburgs Nummer vier rennt alleine auf das Tor zu – und versenkt zur ersten drei-Tore-Führung des HSV. Doch wer ist eigentlich die Nummer vier, die offiziell im Kader gar nicht vergeben ist? Das Trikot trägt kein Geringerer als Thorsten „Toto“ Jansen. Der Weltmeister von 2007 ist eigentlich A-Jugend-Trainer beim HSV.

"Toto" Jansen rennt nach etwa 16 Minutenalleine auf das Tor der Gäste zu

„Toto“ Jansen rennt nach etwa 16 Minuten alleine auf das Tor der Gäste zu

Wie Coach Jens Häusler nach dem Spiel verrät, hatte er Jansen Donnerstagvormittag angerufen, Abends sei er beim Training gewesen – und mit einer Trainingseinheit stand er tags drauf auf dem Feld und half der Mannschaft. Jansen selbst sagt nach dem Spiel, dass er nach mehreren Monaten Pause zwischendurch im Spiel zwar Verlangen nach einem Sauerstoffzelt gehabt habe, grundsätzlich aber zufrieden sei.

Sein Einsatz soll jedoch eine Ausnahme bleiben. Der Oldie ersetzte den anderen Oldie im Team, Stefan Schröder, der aufgrund einer Verletzung noch pausieren muss. Jens Häusler zu dem Wechsel Oldie gegen Oldie scherzhaft nach der Begegnung: „Einen Weltmeister müssen wir im Team haben.“

Vor der Pause dreht Hamburg auf

Und so wirkte Jansen auch mit, als Beckdorf wieder bis an ein Tor heran kommt und deren Fans singen: „Hurra, das ganze Dorf ist da.“ Doch kurz vor der Halbzeit dreht der HSV auf und stellt viereinhalb Minuten vor der Pause den drei-Tore-Vorsprung wieder her, zieht dann im Minutentakt weiter davon, auf vier, fünf und dann gar auf sechs Tore. Zur Halbzeit steht es 18:12. Die Gäste hadern mit dem Schiri.

Nach der Pause treffen wie in der ersten Halbzeit zuerst die Gäste, müssen im Gegenzug aber direkt das Tor durch den HSV hinnehmen. Und Hamburg drückt weiter, baut den Vorsprung aus. Nach knapp 10 gespielten Minuten in der zweiten Halbzeit liegen die Hamburger mit acht Toren in Front. Nun wird es ruppiger, die Schiedsrichter schicken auf beide Seiten einen Spieler vom Feld, so das fünf gegen fünf gespielt wird. Doch beide Seiten zeigen wenig Interesse an Hektik und spielen im Ballbesitz die Uhr runter, so dass es mit gleichhohem Vorsprung wieder in voller Mannzahl weiter geht, ehe die Gäste schon kurze Zeit später erneut einen der ihren unter „in Hamburg sagt man tschüß“-Gesang auf die Bank schicken müssen.

Zur Schlussviertelstunde liegen die Gäste mit 26:20 zurück. Geht da noch etwas für Beckdorf oder bringt Hamburg den zweiten Heimsieg ins Ziel? Auszeit und Gelegenheit für den Hallensprecher die Zuschauerzahl durchzugeben: 2.604 – und damit noch einmal mehr als bei der Premiere. Es scheint, als habe der neue HSV schon nach einem Spiel die Zuschauer überzeugt und weiteres Interesse geweckt.

Ossenkopp setzt den Schlusspunkt

Und die Zuschauer sehen, wie dem Nachbarn die Mittel fehlen, um noch etwas am Spiel zu drehen. Ein Siebenmeter für Beckdorf kommt nicht einmal auf das Tor, im Gegenzug zeigen sich die Hamburger treffsicher. Im Tor erhält in den Schlussminuten Jonah Born Spielpraxis. Bis dahin stand Dominik Plaue im Kasten und zeigte erneut eine starke Leistung mit 15 Paraden. Und auch wenn Beckdorf zum Ende noch einige sehenswerte Spielzüge zeigt, bleibt der HSV effizienter.

Lukas Ossenkopp, Schütze des letzten Tors und mit sieben Treffern einer der beiden treffsichersten hamburger

Lukas Ossenkopp, Schütze des letzten Tors und mit sieben Treffern einer der beiden treffsichersten Hamburger

Kurz vor der Schlusssirene setzt Lukas Ossenkopp den Schlusspunkt zum deutlichen 35:25-Sieg. Mit dem finalen Treffer werden Ossenkopp und Jan Torben Ehlers mit jeweils sieben Treffern erfolgreichste Schützen auf Seiten der Gastgeber.

Nach dem Spiel, das für viele der regional verankerten Spieler auch eine Art Klassentreffen darstellt, zeigt sich Trainer Jens Häusler zufrieden. Angesichts der bald anstehenden drei Auswärtsspiele in Folge ist der Blick jedoch bereits nach vorne gerichtet: „Wir dürfen bei all der Euphorie, die wir auch Zuhause entfachen, nicht vergessen, dass wir auch auswärts punkten müssen.“ In der Alsterdorfer Sporthalle tritt der HSV schon kommende Woche Sonntag um 15 Uhr, wieder an, wenn Fredenbeck zu Gast ist. Danach geht es.erst am 6. November gegen Braunschweig und eine Woche später gegen Flensburg wieder zuhause ran.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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