Eine Woche der sportlichen Entscheidungen

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

Die zurückliegende, spätsommerliche Woche lag im Zeichen des Sports. Das Sportthema der Woche war jedoch ein sportpolitisches. Sportspaß, in Mitgliedern gemessen Hamburgs zweitgrößter Sportverein, will aus dem Hamburger Sportbund austreten. Die Gründe dafür sind vor allem finanzielle. Sportspaß argumentiert, der Verein habe kaum etwas von der Mitgliedschaft und müsse ständig draufzahlen. Laut Abendblatt zahlte Sportspaß 2015 rund 224.000 Euro an Beiträgen an den HSB und weitere 217.000 an einen weiteren Verband, den Verein für Turnen und Freizeit, aus dem man ebenfalls austreten will. Im Gegenzug erhielt Sportspaß etwa 116.000 Euro Zuschüsse. Bedeutet: Sportspaß zahlte 325.000 Euro in die Solidargemeinschaft ein. Sportspaß-Geschäftsführer Jürgen Hering: „Das war nie anders, und inzwischen können wir das gegenüber unseren Mitgliedern nicht mehr verantworten, Geld in einen Apparat zu geben, der nichts für uns tut.“

Der HSB hält dagegen, dass die Vereine in Hamburg eine Vielzahl von gesellschaftspolitischen Aufgaben übernehmen, wie Kinder- und Jugendarbeit, Sport für Menschen mit Behinderungen und für Flüchtlinge. Hinzu komme der aufwändige Wettkampfsport bis in den Spitzensport hinein. In keinem dieser Bereiche engagiere sich Sportspaß intensiv. “Es ist vollkommen in Ordnung, wenn sich ein Verein entscheidet, dort nicht aktiv zu sein. Dann ist es aber auch legitim, wenn dieser Verein Nettozahler in der Solidargemeinschaft Sport wird und Vereinen hilft, die dieses Engagement zum Teil hoch aus eigenen Mitteln subventionieren“, so HSB-Geschäftsführer Ralph Lehner. Sollte es beim Austritt bleiben, müsste der HSB wohl Leistungen zu lasten klassischer Vereine kürzen. Eine Alternative wäre, dass die Stadt und damit der Steuerzahler die Zuschüsse ausgleicht. Zunächst will die Stadt jedoch vermitteln. Der Sport in Hamburg steht weiter vor gewaltigen Umbrüchen.

Eine sehr sichtbare Änderung wird bald auf der Trainerbank des HSV stattfinden. Die Frage in dieser Woche lautete: Wie lange bleibt Bruno Labbadia noch Coach? Die Antwort: Bis Sonntag früh. Markus Gisdol übernimmt. Sein Vetrag läuft zunächst bis Saisonende.Der Fehlstart in die laufende Saison ist nach den Ergebnissen dieser Woche komplett. Am Dienstag gab es eine 0:1-Niederlage in Freiburg. Am Samstag setzte es das gleiche Ergebnis in Hamburg gegen die Bayern. Letzteres ist eigentlich respektabel und beinah hätte es sogar zu einem Unentschieden gereicht. Allein: Ein beinah hilft nicht, sich in der Tabelle zu verbessern.

Der FC St. Pauli trennte sich am Donnerstag 2:2 von 1860 München und spielt morgen noch bei Union Berlin. Die Basketballer der Hamburg Towers starteten heute in die neue Saison. Beim Team Ehingen Urspring gab es zum Auftakt einen klaren 74:60-Auswärtssieg. Kommende Woche steigt dann das erste Heimspiel – Gegner wird Hanau sein.

So, jetzt aber weg vom Sport: Große Diskussionen gab es diese Woche auch um das Gefängnis „Santa Fu“ in Hamburg-Fuhlsbüttel. Vor kurzem hatten Beamte der JVA die Personalsituation beklagt und äußerten daraus resultierende Sicherheitsbedenken. Justizsenator Till Steffen (Grüne) versprach am Donnerstag nun mehr Personal. „Wir haben jetzt 22 vakante Stellen, aber bereits Anfang Oktober kommen zehn neue Kolleginnen und Kollegen nach Fuhlsbüttel“, so Steffen. Allerdings: Drei Beamte verlassen gleichzeitig auch die Anstalt.

Zu tun hatte die Polizei diese Woche auch am Horner Kreisel. Der Grund war ein ungewöhnliches Trinkspiel: „Ihr hupt, wir saufen.“ Dabei wurden Autofahrer mit Plakaten zum Hupen aufgefordert. Der Rest ist selbsterklärend…

So und nun Deckel drauf auf diesen Wochenrückblick. Mit dem A7-Deckel. Der wird vom Volkspark bis zur Behringstraße verlängert. So will es zumindest der Senat. Die Bürgerschaft muss noch zustimmen. Kalkulierte Kosten für das Bauvorhaben von 2,2 Kilometern Länge: Rund 200 Millionen Euro. 2025 soll alles fertig sein. Zusammen mit dem A7-Deckeln in Schnelsen und Stellingen entstünden dann 130 Hektar Fläche zum Bebauen. Entstehen sollen darauf Grünflächen und etwa 3200 Wohnungen.

Und nun: Einen schönen Start in die neue Woche- und erholt euch gut vom Reeperbahnfestival.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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