Unerwartet & Unbemerkt: Von verschwundenen Medien und Fahrrädern

Bild: Andreas Grieß
Allgemein

Wie immer blickt Elbmelancholie auf den zurückliegenden Monat zurück und stellt zwei Themen vor, die uns unerwartet oder unbemerkt trafen. Dieses Mal: Die Polizei sucht nach Fahrradbesitzern und Hamburgs Medienvielfallt nimmt ab.

Unerwartet

Für einige unerwartet schlossen im zurückliegenden Monat zwei hyperlokale Online-Medien in Hamburg. Als HH Mittendrin 2012 startete, erlangte es vor allem in der Medienbranche rasch Aufmerksamkeit, da die überwiegend jungen Journalisten mit Nachdruck an Themen dran blieben, vor Ort waren und oftmals auch live via Smartphone berichteten. Zu manchen Demonstrationen in der Schanze oder während des Gefahrengebiets St. Pauli gingen bisweilen sogar die Server in die Knie.

Doch Geld verdiente das Online-Magazin nie ausreichend. Und so erschienen im Laufe des Jahres schon immer weniger Beiträge bei HH Mittendrin, da die Verantwortlichen an anderer Stelle ihr Geld verdienen mussten. Zum Monatsbeginn folgte dann das endgültige, offizielle Aus. Chefredakteurin Isabella David schrieb: „Da wir es in den vergangenen Jahren nicht geschafft haben, HH-Mittendrin finanziell auf einen grünen Zweig zu bringen, mussten wir schweren Herzens die Entscheidung treffen, dass es von nun an nicht mehr weiter gehen wird.“ Eine Entscheidung, die von vielen bedauert wurde. Auch bei Zeit Online schrieb Steffen Richter in einer Art Nachruf, dass die Mittendrin-Autoren „immer nah an den Menschen und der lokalen Politik waren.“

Doch nicht nur Mittendrin stellte im Juni seine Arbeit ein, auch WilhemsburgOnline.de wird nicht weiter betrieben. Die Ursachen sind hier dieselben wie bei den Kollegen. Wie der Name bereits sagt, widmete sich dieses Magazin dem Geschehen im Stadtteil Wilhelmsburg. Bereits zum Mai stellte das Abendblatt sein St. Pauli-Blog ein. Und die Online-Zeitung für Altona, Altona.info, sucht weiter einen Käufer. Gilt Hamburg im Großen nach wie vor als Medienstadt, so ist die Medienvielfallt im Kleinen, eher unbemerkt, vor allem in den letzten Wochen kleiner geworden.

Unbemerkt

Unbemerkt wird Woche für Woche, Tag für Tag, Hamburgern ihr Fahrrad geklaut. Längst gilt die Devise: Das Schloss sollte mindestens halb so viel Geld kosten, wie das Fahrrad. Doch auch das hilft nicht immer. Und ist das Rad einmal weg, kommt es selten zurück. Gelegentlich gelingt es der Polizei aber doch, Diebesgut aufzulesen. Dann steht sie vor einem neue Problem: Wem gehören die Räder eigentlich? Aufgrund der miserablen Erfolgsquote melden nur wenige ihr Rad als gestohlen.

Die Polizei Hamburg hat deshalb nun ein neues Portal online gestellt, auf dem sie Fotos aufgegriffener Räder veröffentlicht, von denen sie die Besitzer nicht kennt. Gleichzeitig rufen die Ordnungshüter dazu auf, die Rahmennummer des eigenen Rads zu notieren und bei der Diebstahlsmeldung anzugeben, um so ein Rad einwandfrei zuordnen zu können: „Nur über individuelle Merkmale lässt sich ein Fahrrad zuordnen. Viele Räder werden an das Fundbüro ausgehändigt oder müssen den mutmaßlichen Tätern zurückgegeben werden, wenn wir keine Straftat nachweisen können“, schreibt die Polizei auf Facebook.

Dort weißt sie übrigens auch darauf hin, dass zum Start des Fahrräder-suchen-ihr-Zuhause-Portals auch Bilder von Rädern enthalten sind, die sich nicht im Besitz der Polizei befinden. Sie wurden von einem Fahrraddieb aufgenommen, der die Räder bei eBay-Kleinanzeigen anbot und erst klaute, wenn ein Käufer Interesse zeigte. Auch hier sucht die Polizei die eigentlichen Besitzer und schreibt: „Sollte euch eines davon gestohlen worden sein: Wir wüssten schon einen Tatverdächtigen und könnten ihn gezielt zum Verbleib des Fahrrads befragen.“

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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