Hamburg Towers stehen vor Großumbau

Bild: Andreas Grieß
Hamburg Towers, Sport

Die Basketballer der Hamburg Towers planen für die neue Spielzeit. Und nach dem, was der Zweitliga-Verein bisher kommuniziert hat, steht dem Team um Coach Hamed Attarbashi offenbar ein umfangreicher Umbau bevor. Aktuell sind fünf Abgänge sicher oder zumindest sehr wahrscheinlich. Drei Neuzugänge stellten die Towers vor. Hinzu kommen bislang zwei Vertragsverlängerungen.

Damit ist in der Kaderplanung schon deutlich mehr passiert als im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt, als kurz vor dem Juni-Ende nur zwei Vertragsverlängerungen feststanden und noch kein einziger Neuzugang präsentiert wurde. Insgesamt wurden es 2015 fünf Neuzugänge zum Saisonstart, mit sieben Akteuren arbeitete man weiter. Vieles spricht dafür, dass 2016 der Umbau größer ausfallen wird. Immerhin könnten bis zu vier Starting-Five-Kandidaten das Team verlassen. Werfen wir einen Blick auf die Zu- und Abgänge, die bereits feststehen und schauen wir, wo es noch offene Baustellen gibt:

Guard-Positionen

Mit Bazoumana Koné verlässt aller Voraussicht nach der prägende Spieler der letzten beiden Spielzeiten die Towers. Der Point Guard hat vor allem in der vergangenen Saison so viele starke Spiele gezeigt, dass er zweifelsohne in die erste Liga wechseln wird. Mit seinem Kollegen auf der Position, Anthony Canty, konnten die Towers hingegen frühzeitig verlängern. Als erste Personalie verkündete der Verein diese Vertragsverlängerung. „Für uns hatte die Personalie höchste Priorität und dementsprechend sind wir umso glücklicher, dass Tony auch in der kommenden Saison für uns spielt“, sagte Marvin Willoughby, Sportlicher Leiter der Towers.

Nur wenige Tage später vermeldeten die Towers dann die Verpflichtung von Mario Blessing. Er kommt aus Nürnberg in den Inselpark und soll Koné bestmöglich ersetzen. Die Towers gehen also wieder mit zwei deutschen Aufbauspielern in die Spielzeit. Coach Hamed Attarbashi sagt: „Mit Mario und Tony sind wir auf der Point Guard Position auch in der kommenden Saison sehr gut besetzt. Mario ist ein ambitionierter Spieler, der sich mit Tony gut ergänzen wird.“

Ob der ebenfalls als Point Guard einsetzbare Publikumsliebling Steffen Kiese weitermacht, ist noch nicht klar. Die Nachwuchsspieler Renè Kindzeka und Lennard Larysz könnten weiter ans Team herangeführt werden. Zu Shooting Guard Janis Stielow gibt es noch keinen News, ein Verbleib ist aber realistisch. Sein Positionskollege Xavier Roberson wird die Towers definitiv verlassen. An seiner Stelle soll künftig der US-Amerikaner DeAndre Lansdowne für Körbe aus der Distanz sorgen. Er spielte zuletzt bei den den Hertener Löwen in der ProB und erzielte dort durchschnittlich 22 Punkte pro Spiel. Der Neuzugang kann auf beiden Guard-Positionen spielen und gab in der Pressemitteilung zu seiner Vorstellung schonmal bekannt, die Towers-Fans für die „besten Fans der ProA“ zu halten.

Forward-Positionen

Viel Veränderung gibt es auch auf den Forward-Positionen. Dem Vernehmen nach bereits nach einem Jahr wieder weg ist Jonathon Williams, der in seiner ersten ProA-Saison überzeugte und viele Towers-Punkte erzielte. Hier haben sich Spieler und Verein nicht auf das Gehalt einigen können. Offiziell von Seiten der Towers bereits als Abgang verkündet wurde Vincent Kittmann. Nach zwei Jahren im Team beendet er seine Karriere.

Und auch das Hamburger Eigengewächs, der U18-Nationalspieler Louis Olinde, wird die Towers verlassen. Nach längerem Abwägen entschied sich der Jungstar, der in der vergangenen Saison seine ersten ProA-Punkte erzielte, zum Erstliga-Topteam aus Bamberg zu wechseln. Marvin Willoughby dazu: „Als Hamburg Towers sehen wir es mit einem lachendem und einem weinendem Auge. Die beste deutsche Mannschaft der letzten Jahre hat alles dafür getan, Louis zu verpflichten. Es ist eine Anerkennung für unsere gemeinsame Arbeit, obwohl wir glauben, dass er auch in Hamburg den Sprung zum Leistungsträger in der ProA hätte schaffen können.“

Neu präsentierte das Team hingegen Cornelius Adler. Der Forward spielte zuletzt bei den Löwen Braunschweig in der 1. Basketball Bundesliga, hatte aber öfter Verletzungsprobleme. Bleibt er fit, ist er sicher mehr als nur ein passender Ersatz für Jonathon Williams oder Vincent Kittmann. Mindestens ein weiterer Forward wird aber nötig sein, der gemeinsam mit Kapitän Robert Ferguson (Vertrag verlängert) in dessen nunmehr dritte Saison in Wilhelmsburg gehen wird.

Center-Position

Von den beiden verletzten Center-Spielern Michael Wenzl und Stefan Schmidt wird wohl nur einer weiter Towers-Trikot auflaufen. Voraussichtlich ist das Stefan Schmidt, wie zuletzt zu lesen war. Offiziell gibt es hier aber noch keine Neuigkeiten. Ziemlich sicher dürfte sein, dass die Towers nach einem einsatzbereiten, frischen Center suchen. Der vielseitige Helge Baues dürfte, eine Einigung vorausgesetzt, in den Planungen ebenfalls weiter eine Rolle spielen.

Entscheidend wird bei den Towers einmal mehr die finanzielle Situation sein. Dass man Jonathon Williams nicht halten kann, deutet darauf, dass hier weiter der Schuh drückt, will man den Aufstieg ernsthaft in Angriff nehmen. Im vergangenen Jahr mussten die Towers bereits Travis Warech innerhalb der Saison ziehen lassen. Hochkarätige Neuzugänge dürften also nicht zu erwarten sein. Der Wechsel von Louis Olinde zeigt, dass auch junge Talente nicht zwingend gehalten werden können. Stattdessen positionieren sich die Towers zur Zeit als Verein, der Spielern, die zuvor verletzt waren oder den Sprung auf die nächstgrößere Bühne suchen, eine Chance gibt. Will man Talente länger halten, ist der Angriff auf die erste Liga nötig. Die Hamburg Towers stehen vor einem klassischen Henne-Ei-Problem – und einem kräftigem Umbau.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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