Zeit für den #Haxit

Bild: Andreas Grieß
Debatte

Alle Reden über den #Brexit, also den möglichen Austritts Großbritanniens aus der EU. Am Wochenende stimmen die Briten über ihre Zukunft und gewisser Weise auch die Zukunft der EU ab. Wieso nur die? Wir Hamburger lieben Volksabstimmungen. Wir stimmen über alles ab – über Netzrückkäufe (Ja), Olympia-Bewerbungen (Nein), Seilbahnen (Nein) und beinah sogar auch über Volksbegehren selbst. Zeit, dass wir über den #Haxit abstimmen, den Austritt Hamburgs. Woraus? Aus allem.

#Haxit – Hamburg raus aus der Bundesrepublik

In 2015 gehörte Hamburg zu den Geberländern im Länderfinanzausgleich. Über 110 Millionen Euro drückt Hamburg ab. Gut, Hamburg bekommt auch Zuschüsse, zum Beispiel für die neue S-Bahn-Linie. Und auch andere Infrastruktur-Maßnahmen werden vom Bund mitgefördert. Aber das ist ja auch etwas ganz anderes. Von den 110 Millionen können wir den alten Elbtunnel locker selbst renovieren. Also natürlich nur, falls die Bauarbeiten nicht noch teurer werden. Und bei den Olympia-Kosten hätte uns der Bund ja eventuell auch sitzen gelassen!

Ein Austritt aus der Bundesrepublik würde uns auch ermöglichen, eine Ausländer-Maut einzuführen. Also, falls das nach EU-Recht geht, doch die CSU behauptet ja, das sei kein Problem. Dann müssten künftig einfach alle ausländischen Touristen, also Deutsche, den Nahverkehr und für die Elbbrücken bezahlen. Wir Hamburger freilich nicht. Und überlegt nur, was wir an Zolleinnahmen machen könnten mit unserem Hafen. Wo sollen die Schiffe denn sonst hin? Zum Weser-Port? Ich bitte euch!

#Haxit – Hamburg raus aus der Bundesliga

Auch dieser Schritt wäre fällig. Überlegt euch nur die vielen Vorteile: Keine deprimierenden 1:7-Niederlagen des HSV mehr gegen Bayern München. Stattdessen stünde der Verein endlich mal wieder oben. Und der FC St. Pauli könnte die ganze Saison lang seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Den HSV ärgern. Und endlich wieder Derbys.

Und die anderen Vereine, fragt ihr? Denen geht es doch eh nur ums allwöchentliche Kicken ohne Anspruch auf sportlichen Erfolg. Oder wie erklärt ihr es sonst, dass der Landespokalsieger Hamburgs dieses Jahr aus Schleswig-Holstein kommt und satt die ersten fünf Vereine der Oberliga Hamburg nicht an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga teilnehmen wollten bzw. konnten? Unter sich spielen können wir auch in der Hamburg-Liga nach dem #Haxit. Dass der erste nicht international spielt, macht ja auch keinen Unterschied zum Status quo. Und wenn Altona unbedingt aufsteigen will, obwohl es viele bessere Vereine gibt hier, sprechen wir noch einmal mit den Dänen, okay?

Erwähnte ich schon die erwartungsgemäß großartigen Punktspiele der Hamburger Nationalmannschaft in der EM-Quali gegen San Marino?

#Haxit – Hamburg raus aus dem Euro

Bleiben wir konsequent. Hamburg braucht eine eigene Währung. Wir führen als weltweit erster Staat der Welt Franzbrötchen als Währung ein. Die Vorteile liegen auf der Hand. Ein gutes original Franz ist fälschungssicher (habt ihr mal eines in Berlin probiert?). Hamburger werden von ihrem Lohn definitiv satt und wir haben eine sichergestellte Inflation, von der Mario Draghi mit seinen Negativzinsen nur träumen kann.

Weil in Hamburg künftig das Geld, das nicht benötigt wird, um satt zu machen, schnell schlecht wird, müssen wir sofort investieren. Das wird die Wirtschaft ankurbeln und eine Startup-Szene entstehen lassen, wie sie weltweit einmalig ist. Ganz klar: Nach dem #Haxit stehen uns goldene… entschudligt…. franzige Zeiten bevor.

Klingt alles nach Schwachsinn? Also jetzt mal ehrlich: Seit wann müssen politische Forderungen Substanz haben? Mit Ideen wie einer Mauer zu Mexiko kann man US-Präsidentschaftskandidat werden, mit rechten Parolen in deutsche Landtage einziehen und in Hamburg sollen ja auch schon Leute Innensenator geworden sein, die demnächst nackt im Privat-TV zu sehen sind. Keine Frage, der #Haxit ist das nächste große Ding!

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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