Endlich wieder Politik

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

Nachdem es in den letzten Wochen und Wochenrückblicken etwas politikarm wurde – Anfang Mai hatten wir gar spekuliert, ob sich die Politiker ins Freibad verzogen hatten – eroberten diese Woche direkt mehrere Themen aus der Bürgerschaft den Diskurs. Allen voran natürlich das Thema Sportförderung. Zwei Ereignisse sorgten dafür: Zum einen das endgültige Aus trotz Rettungsversuchen für die Hamburg Freezers. Zum anderen das vorläufige Scheitern der Gespräche zwischen Senat und HSB zum Sportfördervertrag.

“Der Hauptausschuss des Hamburger Sportbundes zeigt sich mit der Verhandlungsführung des Senats sehr unzufrieden, da dem Sport trotz seines hohen Engagements in vielen gesellschaftspolitischen Bereichen erneut kein ausreichendes Angebot unterbreitet wurde“, hieß es seitens des HSB nach der dritten Verhandlungsrunde. Daher habe man entschieden, die Verhandlungen zu unterbrechen. Der Verband will deutlich mehr Geld von der Stadt, unter anderem, weil die Aufgaben der Vereine gestiegen seien.

In der Bürgerschaft zeigten sich Sportsenator Andy Grote und die Vertreter der Regierungsfraktionen dennoch zuversichtlich, dass man eine Einigung finden werde. Sie betonten, dass die Stadt Gelder für die Flüchtlingsarbeit der Vereine bereitstelle und auch für die Sportstättensanierung. Aber: Der Sport sei eben nicht alles. Die Oppositionsparteien hingegen kritisierten Grote und die Seinen stark. Mehr zur Debatte haben wir hier zusammengefasst.

In der gleichen Sitzung diskutierten die Fraktionen zuvor bereits über die Fahrradstadt Hamburg. (Wird nun eigentlich alles mit Stadt Hamburg substantiviert? Sportstadt, Fahrradstadt, Hafenstadt, Schlechtwetterstadt?). Einige behaupten, die Regierungsfraktionen hätten das Thema nur vorgeschoben, um weniger über den Sport in Hamburg reden zu müssen. Doch auch über Radwege können die Abgeordneten herzlich streiten. Wo sollen wir denn nun fahren: Auf Radwegen? Auf der Straße? Auf Radstreifen? Für jeden Ort gibt es seine Argumente. Politiker lieben das.

Und: Hamburgs Politiker mögen es offenbar auch, am Wahlrecht rumzubasteln. Wobei dieses aktuell zugegeben auch etwas kompliziert ist. Die CDU will es nun wieder vereinfachen und hofft, so wieder mehr Wähler zur Stimmabgabe zu bekommen. Stimmt gar nicht, es gehe der CDU darum, mehr Kontrolle darüber zu bekommen, wer in die Bürgerschaft einzieht, antworten die Kritiker. Worum es geht, haben wir euch diese Woche ebenfalls zusammen gefasst.

Royalen Besuch bekam einmal mehr der Hamburger Hafen. Die Queen Mary 2 ist in Hamburg. Doch dieses Mal ist sie nicht nur zu Besuch. Im Dock Elbe 17 der Werft Blohm + Voss unterziehen mehr als 3000 Arbeiter dem Schiff eine Generalüberholung. Die Modernisierung des Schiffs kostet die Rederei laut NDR rund 50 Millionen Euro.

Kommen wir nochmal zum Sport, nun aber zum sportlichen: Eintracht Norderstedt hat den Hamburger Fußball-Pokal (Oddset Pokal) gewonnen. Im Finale im Stadion Hoheluft setzte sich das Team mit 4:1 nach Verlängerung gegen Altona 93 durch. Der Regionalligist darf in der kommenden Spielzeit deshalb nun erstmals im DFB-Pokal antreten. Letztes Jahr trug bereits der letztjährige Titelträger, der HSV Barmbek-Uhlenhorst, sein Pokalspiel gegen Freiburg in Norderstedt aus. Nun dürfen die Schleswig-Holsteiner, die im Hamburger Verband organisiert sind, selbst ran.

Leistungssport führe zu Doping, hatte Mehmet Yıldız von der Linken übrigens in der Bürgerschaft gesagt. Tatsächlich dopen aber auch viele Freizeitsportler, was zu einer immer höheren Nachfrage führt. Diese Woche hat der Zoll in Hamburg drei illegale Dopingmittel-Labore ausgehoben. In ihnen sollte offenbar Anabolika im großen Stil produziert werden. Ermittler aus Hamburg und München hatten die Verdächtigen bereits seit einiger Zeit im Auge, weil diese Laborausrüstung aus Österreich eingeführt haben. Neben der fanden die Beamten in den durchsuchten Wohnungen nun auch mehr als ein Kilogramm reinen Wirkstoffs zur Herstellung verschiedener Präparate.

Völlig clean und dennoch vielleicht leistungsfördernd wünschen wir euch jedenfalls an dieser Stelle einen guten Start in die neue Woche!

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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