Playoffs: Hamburg Towers geben Sieg in der letzten Minute aus der Hand

Bilder: Andreas Grieß
Hamburg Towers, Sport

Die Playoffs-Serie gegen Gotha geht in die fünfte und entscheidende Runde. Nach zwei Siegen und einer Niederlage, verpassten die Hamburg Towers am Freitagabend vor heimischer Kullise den dritten und entscheidenden Sieg zum Einzug ins Halbfinale. Ganz bitter: Bis 26 Sekunden vor Schluss sahen die Hamburger wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende hatten nur die Gäste etwas zu feiern. Nach der 66:70 Niederlage der Towers steht es in der Serie nun 2:2. Bereits am Sonntag kommt es in Gotha nun zum großen Showdown.

Während des Spiels hätte kaum einer der 2.600 Zuschauer an so einen Ausgang der Begegnung gedacht. Die Gäste aus Gotha erwischten zwar einen optimalen Start und gingen bereits nach einer Minuten mit 5:0 in Führung. Doch die Towers ließen sich nicht beirren und glichen bereits eine Minute später zum 5:5 aus. In der vierten Spielminute gelang dann die Führung für die Hausherren: Nach einem Assist von Anthony Canty gelang Rob Ferguson ein Korbleger zum 7:5.

In nur kürzester Zeit konnten die Towers ihre Führung weiter ausbauen. Nach einem Dreier von Jonathon Williams lagen die Hamburger bereits mit sieben Punkten vorne (12:5). Ein Grund dafür: Die Abschlussschwäche der Gäste. Den Basketballern rund um Völler-Sprössling Marco Völler gelang vorne nur sehr wenig. Dies machte sich auch auf der Ergebnis-Tafel sichtbar. Denn dort standen auch nach acht Spielminuten nur die fünf Pünktchen, die die Gäste in der ersten Spielminuten erzielt hatten (14:5). Erst siebeneinhalb Minuten nach ihrem letzten Treffer gelangen den Rockets Gotha wieder Punkte (14:8). Mit einem Buzzer-Beater gelang den Gästen dann wie aus dem Nichts sogar der Ausgleich zum 14:14.

„Mister Buzzer-Beater“ schlug wieder zu

Die Towers versuchten im zweiten Viertel wieder ihren Flow zu finden. Nach gut zwei Minuten bauten sie ihren Vorsprung wieder auf fünf Punkte aus (19:14). Gotha kam nach zwei Dunks in Folge zwar bis auf einen Punkt an die Towers ran, diese fackelten jedoch nicht lange und vergrößerten ihren Vorsprung dank Bazou Koné und Xavier Roberson wieder bis auf sechs Zähler (24:18). Knapp drei Minuten vor der Halbzeitpause lagen die Türme immer noch mit sechs Punkten vorne (29:23). Einer machte dann seinem Ruf zum Ende des zweiten Viertels wieder einmal alle Ehre: „Mister Buzzer-Beater“ Steffen Kiese mit einem Dreier in letzter Sekunde zum 37:29-Pausenstand.

Einmal Dreier zum mitnehmen, bitte: Buzzerbeater Steffen Kiese schlug wieder zu.

Einmal Dreier zum mitnehmen, bitte: Buzzerbeater Steffen Kiese schlug wieder zu.

Nach der Halbzeit kam Gotha mit einem 7:1-Lauf bis auf 36:38 an die Towers ran. Gothas Marco Völler, Sohn von Rudi Völler, hätte mit einem Dreier die Gäste in Führung bringen können, verfehlte jedoch knapp. Besser machte es Bazou Koné, der mit 18 erzielten Punkten vor Jonathon Williams (15) treffsicherster Towers-Spieler war. Der 22-Jährige verwandelte einen Dreier im Gegenzug zum 41:36 und brachte die Türme wieder in Fahrt. Knapp zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels brachten Anthony Canty und Helge Baues die Inselpark-Halle zum Jubeln: Erst verwandelte Canty einen wundervoll herausgespielten Dreier, gleich darauf traf Baues mit einem Sprungwurf zum 54:43 – die erste zweistellige Führung („double-digit“) der Towers in diesem Spiel. Den Endpunkt des Spielabschnittes machte Gothas Nummer 6 Christopher Razis mit einem Buzzer-Beater für Drei.

Der Schock in der letzten Minute

Coach Hamed Attarbashi blieb an der Seitenlinie selten ruhig

Coach Hamed Attarbashi blieb an der Seitenlinie selten ruhig

Mit einer 56:50-Führung ging es für die Towers in die letzten zehn Spielminuten. Diese war jedoch bereits nach einer Minute wieder weg, den Gotha glich mit zwei Dreiern in Folge zum 56:56 aus. Nachdem Gotha dann zum ersten Mal seit der dritten Spielminute sogar wieder in Führung ging, nahm Towers-Coach Hamed Attarbashi schnell ein Time-Out. Die 2.600 Zuschauer in der Inselpark-Halle in Wilhelmsburg spürten, dass die Türme ihre Unterstützung brauchten. Durch zwei Freiwürfe von Bazou Koné gingen die Towers nach einer Minute wieder mit 59:58 in Führung. Auffällig: Die Gäste versuchten jetzt vermehrt mit Dreiern zu Punkten. Sollte das etwa für Gotha an diesem Abend das Mittel zum Erfolg werden?

Knapp vier Minuten vor dem Schlusspfiff stand es 61:61. Die Spannung in der Halle war greifbar. Kaum einen hielt es noch auf den Plätzen. Jonathon Williams brachte seine Towers mit einem Korbleger wieder mit 63:61 in Führung. Drei Minuten vor Schluss lagen die Towers sogar mit fünf Punkten vorne (66:61). Doch Gotha kam mit einem Dreier wieder bis auf einen Punkt ran (66:65). 26 Sekunden vor Schluss dann der Schock für die Hamburger: Gothas Marco Völler verwandelte einen mehr als kuriosen Korbleger zur knappen 67:66-Führung für Gotha.

Towers-Coach Attarbashi nahm einen weiteren Timeout. Doch alles half nichts, da Hamburg den Ball verlor ohne zum Abschluss zu kommen und zum foulen gezwungen wurde. Spätestens als die Gäste ihre Freiwürfe verwandelten, war allen in der Inselpark-Halle klar, dass dieses Spiel für die Towers gelaufen war.

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„Wir haben von 160 Minuten der Playoffs-Spiele 155 Minuten geführt“

Vor allem Towers-Coach Hamed Attarbashi war die Niederlage nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben: „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir waren in allen vier Playoffs-Spielen die bessere Mannschaft. Die Niederlage heute tut besonders weh. In den 160 Minuten der Playoffs-Spiele haben wir mindestens 155 Minuten geführt. Am Ende fehlte heute die Konzentration. Marco Völler darf so kurz vor Schluss nicht an den Ball kommen. Das war ein Fehler.“ Trotz allem versucht der Trainer zuversichtlich nach vorne zu schauen: „Wir gehen momentan echt am Stock, aber wir wollen am Sonntag alles geben. Spiel fünf ist für uns Towers schon eine Sensation. Jetzt wollen wir die Sensation auch schaffen.“

War das sein letztes Heimspiel in Hamburg? Bazou Koné war erneut Topscorer.

War das sein letztes Heimspiel in Hamburg? Bazou Koné war erneut Topscorer.

Auch Towers-Kapitän Rob Ferguson zeigte sich nach der Niederlage zuversichtlich: „Natürlich sind wir gerade ziemlich geknickt. Aber so sind die Playoffs nun einmal, da kann immer alles passieren. Wir müssen am Sonntag einfach unser bestes Spiel zeigen. Wir sind motiviert und wollen nicht, dass die Saison am Sonntag zu Ende geht.“

Dass das Spiel am Sonntag (17 Uhr) für Gotha kein Selbstläufer sein wird, dessen ist sich Gothas Coach Chris Ensminger bewusst: „Wir standen nach den ersten zwei Spielen mit dem Rücken zur Wand. Daher sind wir sehr froh, dass wir es bis ins fünfte Spiel geschafft haben. Doch im letzten Spiel kann alles passieren.“ – Also auch ein Towers-Sieg.

Über

Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

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