Unerwartet & Unbemerkt Folge 3: Freie Daten und gestrandete Wale

Bild: Andreas Grieß
Stadtgefühl

In unserer Kolumne “Unerwartet & Unbemerkt” betrachten wir die Themen des Monats, die uns unerwartet als großes Thema trafen. Und wir schauen, wo Themen, die auch groß werden könnten, vergleichsweise wenig Beachtung erfahren. Dieses Mal geht es um große Tiere und große Pläne.

Unerwartet

In den ersten Monaten des Jahres wurde viel über gestrandete Wale an Deutschlands Küsten berichtet. Das Spaziergänger am Ostermontag auch am Elbufer einen finden würden, das kam dann doch unerwartet – zumindest für die entsprechenden Fußgänger. Zugegeben, da lag kein meterlanger Pottwal, sondern ein gerade einmal weniger als einen Meter langes Schweinswal-Baby. Entgegen der Kunstinstallation am Rhein in Duisburg vor einigen Wochen war dieser aber echt. Der Schweinswal wurde tot und mit sichtbaren Verletzungen entdeckt. Diese deuten darauf hin, dass das Jungtier womöglich in eine Schiffsschraube geraten ist.

Das Ganze klingt unerwartet und sorgte dadurch auch für entsprechendes Medienecho. Doch ganz so besonders, wie es zunächst klingt, ist der Sachverhalt nicht. Die Tiere schwammen früher häufig die Elbe hinauf. Erst der zunehmende Schiffsverkehr und die gesunkene Wasserqualität – und damit der Mangel an Nahrung – vertrieben die Tiere.

Da die Jagd mittlerweile verboten ist und die Wasserqualität wieder zugenommen habe, vermuten Naturschützer, dass die Schweinswale wieder häufiger bis nach Hamburg kommen könnten. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mal Tiere gesichtet. Die bittere Ironie: Der verbesserte Naturschutz könnte es also sein, der Tiere wie das am Ostermontag gefundene in die Falle lockt, wenn es zum Zusammentreffen mit Schiffen kommt. Das wiederum hätte auch keiner so richtig erwartet.

Unbemerkt

Kommen wir zu etwas ganz anderem: Hamburg und freies WLAN – Das ist in gewisser Hinsicht eine unendliche Geschichte. In unregelmäßigen Abständen kommt immer mal wieder einer daher und kündigt an, Hamburg in die digitale Zukunft zu führen. Mal mit mehr, mal mit weniger flächendeckendem und kostenlosen, öffentlichem WLAN. Mal sind es Politiker, mal Telekommunikationsanbieter, zuletzt gar die Hochbahn. Doch nicht nur die deutsche Gesetzeslage, auch die praktische Umsetzung bremst die Pläne dann jedes Mal aus.

Seit rund einem Jahr sprechen zum Beispiel die Unternehmen willy.tel und die Telekom mit der Stadt. Und nun sollen beinah unbemerkt endlich erste Ergebnisse in Form eines Pilotprojektes starten, wie die Welt unter Berufung auf die Antwort auf eine Senatsanfrage des FDP-Abgeordneten Michael Kruse berichtet. Im Bereich des Alstertors sollen vier sogenannte „Access Points“ installiert werden. „Der Standort für den Testlauf ist strategisch gut gelegen, da unsere Glasfaserkabel und Stromnetz Hamburg-Anschlüsse dort bereits vorhanden sind“, zitiert die Zeitung willy.tel-Geschäftsführer Bernd Thielk. Die nötigen Bauarbeiten laufen bereits, bald könnte es also losgehen.

Und auch die Hochbahn will ihren Probelauf im April beginnen. Die Buslinie 5 soll dabei mit WLAN-Routern ausgerüstet werden, welche ihrerseits das Mobilfunknetz nutzen. Die Kapazität wird demnach bei der hochfrequentierten Buslinie begrenzt sein. Höher dürfte sie bei den ans Glasfasernetz angeschlossenen Systemen in den U-Bahn-Stationen Borgweg und Mönckebergstraße sein. An diesen beiden Stationen und der besagten Buslinie will die Hochbahn nun Erfahrungen sammeln: Wie viele Fahrgäste nutzen das Angebot? Wie stark nutzen sie es? Wie muss das Anmeldeverfahren gestaltet sein, um möglichst intuitiv zu sein? In der zweiten Jahreshälfte will das Unternehmen dann Bilanz ziehen und das weitere Vorgehen konkretisieren.

Wer weiß: Vielleicht schauen wir uns also schon kommenden Monat im Bus von Niendorf die Live-Snapchats vom gestrandeten Wal am Elbstrand an? Vermutlich nicht – aber in dieser Stadt passiert bekanntlich vieles – unerwartet oder unbemerkt.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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