„Tatort: Zorn Gottes“ – Wotan und seine Neue verhindern einen Anschlag

Bild: © NDR/Marion von der Mehden
Kunst und Kultur

Was hat man mit Wotan Wilke Möhrings Charakter Thorsten Falke im Tatort schon alles gemacht: Gestartet als waschechter Hamburger Polizeikommissar wurde ihm direkt in der ersten Folge sein Ermittlungspartner genommen (und mittlerweile endlich konsequenter Weise auch aus der Handlung rausgelassen), um die neue Kollegin an seiner Seite einzuführen. Um genug Platz für Nick Tschiller alias Til Schweiger in Hamburg zu schaffen, wechselte er dann zu LKA und BKA um überall im Norden, bloß fast nie in Hamburg aufzutauchen. In der letzten Folge verabschiedete sich dann seine Kollegin Lorenz, so dass Falke wieder alleine darsteht. Quasi alles wieder auf Anfang.

Und genau so sieht es aus. Als Einzelstreiter, der sich weigert, einen neuen Partner auszuwählen, testet Falke die Sicherheit am Flughafen Hannover. Die dort ansäßige Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) scheint weniger Platz zu benötigen (taucht aber nicht im Film auf). Parallel zur Handlung um Falke sieht der Zuschauer den Beginn des eigentlichen Plots: Eine Schleusergruppe erwischt am Flughafen zunächst den falschen „Kunden“, der daraufhin ermordet wird. Ohne zu viel zu verraten: Seine Leiche fällt kurz darauf vom Himmel. Die tatsächlich zu schleusende Person ist ein gesuchter Syrien-Heimkehrer, der von den Schleusern sicherheitshalber und eher unsinniger Weise entführt wird. Es entwickelt sich ein Handlungsdreieick aus Schleusern, Terroristen und Polizei; dazwischen die Familien der jeweiligen Fraktionen.

Das sorgt für einige seltsame Szenen. So haben sich die Autoren (Drehbuch: Florian Oeller) dafür entschieden, die lange vernachlässigte Story um Falkes Sohn wieder rauszukramen. Die wirkt jedoch, gerade auch weil sie zuvor kaum behandelt wurde, eher deplatziert. Darüber hinaus bemühen sich die Verantwortlichen die Grenzen zwischen Gut und Böse schwammig zu halten. Das funktioniert mal mehr, mal weniger überzeugend. Den Moralapostel in dieser Folge spielt jedoch ausnahmsweise mal nicht Falke selbst, sondern einer der Schleuser. Sein Dialog mit dem gesuchten Terroristen über Ursprung, Sinn und Unsinn von Terror und Krieg ist die wohl stärkste Szene im Film. Die Schauspieler Cem-Ali Gültekin und Christoph Letkowski zeigen dabei eine sehr intensive Leistung.

Insgesamt bietet der Film spannende und intensive 90 Minuten Unterhaltung zu einem sehr aktuellen Thema, auch wenn die für die Handlung notwendigen Sicherheitslücken am Flughafen in Hannover schon einer Rufschädigung nahe kommen. Auch die in der Folge als neue Partnerin angedeutete und von Produzentenseite als selbige bereits bestätigte Franziska Weisz (als Julia Grosz) weiß zu gefallen. Schade lediglich, dass sich hier bereits andeutet, dass der Fehler der vorherigen Partnerin wiederholt wird. Startet das Team im aktuellen Tatort „Zorn Gottes“ noch als herrlich kontrastreiches Duo – sie wortkarg und humorlos, er als unernster Sprücheklopfer – „taut“ sie bereits gegen Ende des Filmes auf und offenbart sich.

Hier wäre es sicher interessanter, wenn der Kontrast möglichst lange erhalten bleibt und die Hintergründe nicht sofort aufgelöst würden. Dann könnte Falke sich weiter beschweren, dass die stille Grosz ihm eine „Kassette ans Ohr“ labert und der Zuschauer sich fragen, warum die Neue ihre Waffe nicht lädt. Mit dem horizontalen Erzählen tut sich das Team rund um den Falke Tatort aber weiterhin schwer. Es wird immer wieder angedeutet (Stichwort Falkes Sohn), dann aber doch wieder nicht konsequent verfolgt. Das Einschalten lohnt sich dennoch, genauso wie das hoffen, dass aus diesem Tatort-Team noch ein konstant gutes Hamburger oder wenigstens norddeutsches Team wird.

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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