Schwere Verletzung von Michael Wenzl überschattet Towers Sieg

Bilder: Andreas Grieß
Hamburg Towers, Sport

Am Sonntagnachmittag stand für die Towers in der Inselpark-Halle das letzte Heimspiel der Hauptrunde gegen den Tabellendritten aus Gotha an. Nach einer vor allem im ersten Viertel herausragenden Mannschaftsleistung siegten die Hamburger mit 76:68 und sicherten sich gleichzeitig den sicheren Einzug in die Playoffs. So richtig freuen konnten sich die Spieler über den Sieg jedoch nicht. Überschattet wurde das Ergebnis vom Ausfall von Center Michael Wenzl. Es ist bereits die zweite schwerwiegende Verletzung innerhalb von nur wenigen Tagen. Bereits am Freitag in der Partie gegen die Dragons Röhndorf musste Center Stefan Schmidt verletzt vom Parkett. Diagnose: Kreuzbandriss.

Dass dieser Nachmittag so bitter enden sollte, konnte beim Anpfiff noch keiner der 3.100 Zuschauer in der Halle ahnen. Stattdessen: Große Euphorie. Und das zu Recht. Die Towers zeigten ein beeindruckendes erstes Viertel. Von Anfang an fanden sie gut in die Partie und machten unter anderem durch einen Dreier von Bazou Koné die ersten Punkte. Nach knapp zwei Minuten lagen sie mit 8:2 in Führung. Einen besonders guten Start in das Spiel erwischte Steffen Kiese, der bereits nach nur wenigen Spielsekunden einen Dreier und einen Korbleger erzielte. „Ich habe die Aufgabe gehabt, von der Bank einen Push zu geben. Das ist mir gut gelungen“, so Kiese nach der Partie. Bis zum Ende des ersten Viertels bauten die Türme ihre Führung immer weiter aus und führten am Ende mit 25:12.

Steffen Kiese erzielte neun Punkte für dei Hamburger. Vor allem im ersten Viertel zeigte er eine starke Leistung

Steffen Kiese erzielte neun Punkte für die Hamburger. Vor allem im ersten Viertel zeigte er eine starke Leistung

Schwächephase der Towers

Und auch im zweiten Viertel sollten die Hamburger zunächst munter nach vorne spielen. Zwischenzeitlich lagen die Towers sogar mit 17 Zählern vorne (32:15). Ab der fünften Minute des zweiten Viertels gelang den Towers-Spielern jedoch nicht mehr jede Aktion vor dem Korb, so kam Gotha knapp vier Minuten vor der Halbzeit bis auf fünf Punkte ran (34:29). Nach drei punktlosen Minuten erlöste Michael Wenzl die Halle mit einem Korbleger zum 36:29. Bis zur Pause konnte Gotha den Rückstand bei einem 37:31 halten.

Towers geben Führung her

Nach der Halbzeitpause fanden die Towers wieder langsam zu ihrer Offensiv-Stärke des ersten Viertels zurück. Nach zwei Minuten lagen sie durch einen 2er-Tip von Michael Wenzl und einem Dreier von Bazou Koné, der mit 19 erzielten Punkten der Topscorer auf Seiten der Towers war, mit zehn Punkten vorne (44:34). Innerhalb von zwei Minuten drehten die Gäste aus Gotha aber auf und kamen so bis auf einen Punkt an die Towers ran (46:45). Grund war vor allem, dass die Towers zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Punkt erzielen konnten. Wenn es schon vorne nicht laufen wollte, konzentrierten sich die Türme auf ihre Defense – doch auch das wollte nicht immer so gelingen. Durch zwei Freiwürfe glichen die Gäste knapp zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels zum 48:48 aus. Die Souveränität des ersten Viertels und die zwischenzeitliche 17-Punkte-Führung waren wie weggeblasen.

Schrecksekunde in der Inselpark-Halle: Michael Wenzl wird verletzt abtransportiert

In die letzten zehn Minuten gingen die Türme mit einer zwei-Punkte-Führung (52:50). Nach zwei Minuten ließ Vincent Kittmann die Halle mit einem Dunk zur 56:52-Führung aufjubeln. Die Freude hielt aber nicht besonders lange an. Kurze Zeit später war Gotha wieder bis auf einen Zähler rangekommen (57:56). Zwei gute ausgespielte Angriffe brachten jedoch wieder ein sechs-Punkte-Puffer (62:56). Vier Minuten vor Ende, dann die Schrecksekunde: Michael Wenzl geht ohne Fremdeinwirkung zu Boden, musste nach einer kurzen Behandlung auf dem Feld auf einer Trage, von Michael-Wenzl-Sprechchören der Zuschauer begleitet, abtransportiert werden. Doch die Towers ließen sich von der Verletzung nicht aus der Ruhe bringen. Knapp zwei Minuten vor Ende lagen sie nach einem Dreier von Rob Ferguson und einem Korbleger von Jonathon Williams mit zehn Punkten vorne (71:61). Gotha wollte sich jedoch nicht geschlagen geben, kam eine Minute vor dem Ende bis auf fünf Punkte ran (71:66). Die letzten Sekunden wurden zur Nervenpartie. Den Sieg ließen sich die Towers dennoch nicht mehr nehmen. Den Schlusspunkt setzte Vincent Kittmann mit einem Dreier zum 76:68-Endstand.

Doppel-Ausfall: In den kommenden Spielen müssen die Towers auf ihre beiden verletzten Center Michael Wenzl (l.) und Stefan Schmidt (r.) verzichten

Doppel-Ausfall: In den kommenden Spielen müssen die Towers auf ihre beiden verletzten Center Michael Wenzl (l.) und Stefan Schmidt (r.) verzichten

„Das war ein absolutes Katastrophenwochenende!“

Über den Sieg konnte sich nach der Partie aber keiner so richtig freuen. Towers-Coach Attarbashi: „Es ist wirklich schwer, sich zu freuen. Wir haben an einem Wochenende unsere beiden Center verloren. Ich bin zwar kein Arzt, aber das Knie sieht überhaupt nicht gut aus. Ich bin mir sehr sicher, dass Michael in dieser Saison nicht mehr für uns spielen werden kann.“ Gerade in Hinblick auf die bevorstehenden Playoff-Spiele ist das Verletzungspech ein herber Dämpfer für das Team. Wie die nächsten Spiele ohne einen gestandenen Center ablaufen werden, weiß auch der Trainer nicht genau: „Ich habe mir über solche Szenarien nie Gedanken gemacht. Aber wir werden schon einen Weg finden.“

Auch bei den Spielern wollte sich nach dem Sieg kein Lächeln ins Gesicht verirren. Vincent Kittmann kam niedergeschlagen aus der Kabine: „Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gedrückt. In der Kabine ist es gerade sehr still gewesen. Wir müssen jetzt die nächsten zwei Spiele nutzen, um uns einzuspielen.“ Steffen Kiese fand nach der Partie treffende Worte: „Die Verletzungen überschatten alles. Das war ein absolutes Katastrophenwochenende! Da hätte ich lieber auf die beiden Siege verzichtet.“

Fakt ist: Die Towers müssen schnellstmöglich einen Weg finden, die beiden Ausfälle zu kompensieren. Vor den Playoffs stehen noch zwei Auswärtsspiele an. Die Playoffs werden für die Hamburger nach aktuell fünftenTabellenplatz am 7. April mit einem Auswärtsspiel starten. Drei Tage später (am 10. April) treten die Türme dann vor heimischer Kulisse an. Gut möglich, dass der Gegner auch dann wieder Gotha heißt, denn die Thüringer kämpfen noch um Platz drei oder vier.

 

Über

Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

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