Olympia in Hamburg: „Besser, schöner und optimaler können Spiele nicht organisiert werden“

Bilder: Elisabeth Hyra / (c): gmp | bloomimages
Olympia in Hamburg

Noch genau 50 Tage – dann haben die Hamburgerinnen und Hamburger die Wahl: Für oder gegen Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg. Nun heißt es „Endspurt“ – und das vor allem mit einer großen Prise an Emotionen und Begeisterung. Donnerstag legte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz die finanziellen Fakten auf den Tisch. Schon Freitagabend stand für das Olympiateam der nächste Termin an. Mit dabei bei der Olympiaveranstaltung im Cruise Center Altona waren unter anderem Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Innen- und Sportsenator Michael Neumann und erneut Olaf Scholz.

Auch wenn im Zentrum der Veranstaltung nicht das Geld, sondern das fertige Konzept, mit dem sich Hamburg im Februar 2017 beim IOC um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben möchte, stand, kamen die Beteiligten nicht ganz am Kosten-Thema vorbei. Am Mittag war bekannt geworden, dass noch keine Einigung mit dem Bund besteht, der für den überwiegenden Teil der auf die öffentliche Hand zukommenden Kosten aufkommen soll. Die Welt berichtet gar, in Berlin wolle man die von Hamburg geforderten rund sechs Milliarden Euro nicht zahlen wollen. Scholz sagte am Freitag im Cruise Center im Bezug auf die Kosten, die auf seine „liebenswerte Stadt“ zukommen werden: „Natürlich sind die Finanzmittel Hamburgs nicht unendlich groß. Aber ich bin mir sicher, Hamburg kann und wird das schaffen.“

„Ein Konzept, das es so noch nie gegeben hat“

Doch zurück zum Thema des Abends: Nachhaltige, kompakte Spiele im Herzen der Hansestadt – so könnte man den Masterplan in wenigen Worten zusammenfassen. Der neue Stadtteil „OlympiaCity“ soll zum Aushängeschild Hamburgs werden. DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Es ist ein Kompakt-Konzept, das es in solcher Form noch nie gegeben hat. Besser, schöner und optimaler können Spiele nicht organisiert werden.“ Innen- und Sportsenator Michael Neumann betonte in seiner Rede vor allem den sportlichen Stellenwert der Spiele: „Wir möchten Spiele für den Sport organisieren und nicht für super tolle TV-Bilder.“

So stellen sich die Planer nach Olympia den neuen Stadtteil auf dem Kleinen Grasbrook vor. Bild (c): KCAP | Arup | Vogt | Kunst+Herbert | gmp | Drees&Sommer | WES | ARGUS | bloomimages | on3studio | Matthias Friedel

So stellen sich die Planer nach Olympia den neuen Stadtteil auf dem Kleinen Grasbrook vor. Bild (c): KCAP | Arup | Vogt | Kunst+Herbert | gmp | Drees&Sommer | WES | ARGUS | bloomimages | on3studio | Matthias Friedel

Emotionen und Begeisterung versprühte – wie eigentlich immer – vor allem Oberbaudirektor Jörn Walter bei seiner Vorstellung des Olympia-Konzepts: „An diesem großartigen Standort ist nun ein funktional sehr gelungenes Konzept entstanden, sowohl für die Olympischen und Paralympischen Spiele als auch für einen späteren Stadtteil OlympiaCity.“

Der genannte Stadtteil OlympiaCity – das ist vor allem der Kleine Grasbrook. Nachhaltigkeit wird gerade hier großgeschrieben: Denn aus Olympiastadion, Olympiaschwimmhalle, Olympiahalle, Olympiapark und Olympischen Dorf sollen langfristig ein neuer Stadtteil für bis zu 18.000 Bewohnerinnen und Bewohner mit ca. 8.000 Wohnungen und ca. 7.000 Arbeitsplätzen sowie einem großen öffentlichen Park direkt an der Elbe entstehen.

„Einen weißen Elefanten möchten wir nicht bauen“

Der neue Stadtteil werde so zu einem „Trittstein“ zwischen der Innenstadt und den Elbinseln werden. Der Kleine Grasbrook könnte mit seiner herausragenden zentralen Lage ein Ort für alle Hamburgerinnen und Hamburger werden. „Die Olympischen und Paralypischen Spiele in London sind unser Orientierungspunkt. Doch wir können noch einen drauflegen“, erklärte Innen- und Sportsenator Neumann am Abend mit großer Begeisterung.

Feuer und Flamme Stadion

Im Miniaturstadion ist Hamburg bereits „Feuer und Flamme“

Ein großer Pluspunkt Hamburgs: Die Metropole könne mit seinem Bewerbungskonzept überwiegend auf schon vorhandene Sportstätten und insbesondere Trainingsstätten zurückgreifen. Traditionsstandorte wie beispielsweise die Tennisanlage am Rothenbaum, das Volkspark- und das Millerntorstadion, die Sporthalle in Alsterdorf oder der Derby-Park in Klein Flottbek sind voll und ganz ausgestattet und könnten sich bei einem Olympiazuschlag über Investitionen und Modernisierungen freuen. „Wir können auf 23 Sportstätten zurückgreifen und müssen nur vier neue errichten. Einen weißen Elefanten möchten wir aber nicht bauen,“ so Neumann.

Wie sieht es mit der sportlichen Nachhaltigkeit aus?

Auch, wenn das Olympiastadion nach 2024 größtenteils in einen neuen Wohnraum (mit rund 400 Wohnungen) umgewandelt werden soll, werden von den 60.000 Sitzplätzen rund 20.000 im unteren Rang erhalten bleiben. So können hier immer noch größere Sportveranstaltungen stattfinden. Die Sportanlage bliebe also als solche in jedem Fall für die Leichtathletik erhalten. „Nördlich von Braunschweig gibt es kein ordentliches Leichtathletikstadion“, so Neumann am Abend. Das wolle man ändern.

So soll das Olympiastadion nach den Olympischen Spielen aussehen. Bild (c): gmp | bloomimages

So soll das Olympiastadion nach den Olympischen Spielen aussehen. Bild (c): gmp | bloomimages

Auch die Olympiaschwimmhalle soll nach den Olympischen Spielen als Sportstätte zur Verfügung stehen und in ein Sport- und Freizeitbad umgebaut werden, in dem sich weiterhin 2.000 Sitzplätze für Zuschauer von Schwimmwettbewerben am 50-Meter-Becken befinden werden.

Olympische Spiele hätten, so ist sich Neumann sicher, gerade für den Hamburger Sport eine große und positive Wirkung: „Der Sport wird nur bei einer Bewerbung Hamburgs den Schluck aus der Pulle bekommen. Dem sollten sich alle bewusst sein. Nur dann können Sportstätten ausgebaut werden und auf ein internationales Niveau gesetzt werden.“

Wer es Freitagabend nicht zur Infoveranstaltung im, mit rund 800 Menschen gut besuchten, Cruise Center Altona geschafft hat, sich aber trotzdem gerne mit dem fertigen Masterplan befassen möchte: Alle wichtigen Fragen rund um das fertige Konzept sind ausführlich in einer informativen und 88-seitigen Broschüre nachzulesen. Erhältlich ist sie gedruckt unter anderem in allen Kundenzentren der Bezirks und in den Hamburger Bücherhallen.
Über

Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

2 Kommentare

  1. „Einen weißen Elefanten möchten wir nicht bauen“
    Warum gibt man denn 11 Milliarden aus, baut eine Sporthalle, die danach nicht mehr nachgenutzt wird, sondern für die selben Gesamtkosten die das Kreuzfahrtterminal in Steinwerder gekostet hat wieder abgerissen/umgebaut wird.

    Warum baut man jahrelang für 700 Millionen ein Olympiastadion für ein paar Tage, das danach abgerissen („Rückgebaut“) wird, mit der absurden Idee dort Luxuswohnungen zu errichten und gleichzeitig Sportveranstaltungen durchführen zu wollen (wer sich dort als erstes über wen beschweren, die Bewohner über den Sport oder umgekehrt?). Wer zahlt den Unterhalt des Stadions, da dort keine vernünftigen Sportveranstaltungen (nach Rückbau zu klein, wegen Wohnungen keine vernünftige Nutzung möglich) möglich sind, und was ist in den Jahren, die das Stadion rückgebaut und umnutzbar ist?

  2. Pingback: Wochenrückblick: Berlin grätscht dazwischen

Schreibe einen Kommentar


Captcha: Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.