„Brandmal“: Ein scheinbar typischer Krimi

Bild: ARD Degeto/Tivoli Film/Georges Pauly
Allgemein, Kunst und Kultur

Mit „Brandmal“ strahlt Das Erste am Samstag den dritten Teil einer Romanverfilmung nach Craig Russel aus. Wieder dabei: Peter Lohmeyer als Kriminalkommissar Jan Fabel und seine Kollegen, unter anderen Lisa Maria Potthoff als Maria Klee. Schauplatz der Handlung ist Hamburg. Alle Bausteine eines Krimis sind dabei vorhanden: Ein Serientäter, ein Motiv mit politischem Hintergrund in Anlehnung an die RAF. Und außerdem ein Kriminalkommissar Jan Fabel, der seinen Job gut machen will, aber als Vater einer Teenie-Tochter versagt.

Ein Serienmörder tritt auf. Er bringt die Mitglieder einer aufgelösten Terror-Gruppe um. Unter den Opfern sind ein berühmter Liedermacher und ein renommierter Wissenschaftler. Die Ermittler wissen, dass weitere Morde passieren werden. Der Täter kennt außerdem die private Nummer des Kriminalkommissars Fabel.

Die Macher dieses Krimis vergleichen die düsteren Bilder von Hamburg mit dem Ort „Gotham City“ aus der gleichnamigen Serie, dem Heimatort von Batman. Das dunkle, furchteinflößende Hamburg wird zum Beispiel durch einen Kameraflug über die Mundsburg-Towers bei Nacht dargstellt. Das ist jedoch alles andere als gruselig. Das hamburgische Gewässer darf natürlich auch nicht fehlen. Dem wird in Form einer Verfolgungsjagd auf den Dächern von Hausbooten Genüge getan. Für die Hamburg-Bilder allein lohnt sich das Einschalten aber nicht.

Nach kurzer Zeit scheint alles klar

Typisch Krimi ist auch, dass dem Zuschauer nach 30 Minuten vermittelt wird: Motiv da, ein Verrückter da, der Täter steht fest. Aber was soll dann noch die verbleibenen 60 Minuten passieren? Natürlich kommt alles anders. So gibt es Rückblenden zu einer Gruppe junger Terroristen, die heute einer nach dem anderen umgebracht werden. Nur warum und von wem? So viel sei verraten: das Motiv heißt Rache.

Auch an Symbolik mangelt es nicht: der Täter sprüht rote Farbe auf die Gesichter seiner Opfer, zieht ihnen die Haut vom Kopf ab und hinterlässt blonde Strähnen an den Tatorten. Kriminalkommissar Jan Fabel versucht, den Täter zu fassen und sein auseinanderfallendes Team zusammenzuhalten, doch ihm fehlt die Autorität.

Eine stärkere Mimik würde der Figur gut tun, so sieht der Zuschauer immer nur ein in Sorgenfalten gelegtes, ernstes Gesicht. Fabel holt sich Hilfe beim Ermittler vom Bundesnachrichtendienst, der damals der Terror-Gruppe auf die Schliche kommen wollte. Doch dieser kooperiert nur zum Schein.

„Brandmal“ ist ein politischer Krimi, der die Geschichte unseres Landes mit der aktuellen Lage verknüpft. Doch die Spannung lässt bis zum Ende auf sich warten. Allerdings: das Durchhalten lohnt sich.

„Brandmal“
Regie: Nicolai Rohde
19.09., 20.15 Uhr, ARD

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Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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