HSV Barmbek-Uhlenhorst vor Pokal-Kracher: „Freiburg wird sich schon anstrengen müssen, um uns zu schlagen“

Bilder: Elisabeth Hyra und Andreas Grieß
Sport

Am Sonntag (14:30 Uhr) steht für die Spieler des HSV Barmbek-Uhlenhorst der DFB-Pokal-Kracher gegen den SC Freiburg an. Dann heißt es, fünfte gegen zweite Liga. Da darf man schon von einem Duell zwischen „David und Goliath“ sprechen. Angst haben die Fußballer aus Barmbek aber keine. Sie wollen das Spiel „einfach nur genießen“. Mit einem 3:0 und einem 7:1 schossen sich die Fußballer rund um Kapitän Jon Hoeft schon mal ordentlich warm. Und außerdem war „BU“, wie der Verein von seinen Fans liebevoll genannt wird, ja einst selbst Zweitligist.

Abschied von der „Anfield“

Beim HSV Barmbek-Uhlenhorst reiht sich momentan ein einschneidendes Ereignis an das nächste. Vor knapp einer Woche mussten die Kicker ihr jahrzehntelanges Zuhause an der Steilshooper Straße 120 aufgeben. Der Wilhelm-Rupprecht-Platz wird in den kommenden Monaten Wohngebäuden weichen. Ihre sogenannte „Anfield“ – wie Fans und Spieler ihre Sportanlage nannten – wurde natürlich gebührend verabschiedet.

Noch ein letztes Mal durfte der Ball am vergangenen Freitag auf dem grünen Rasen rollen. Da fand das Eröffnungsspiel der neuen Oberligasaison zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und Altona 93 statt. Mehr als 2.700 Zuschauer kamen zum Spiel. Für ein Spiel in der fünften Liga – mehr als beachtlich!

Spieler und Fans nach dem Spiel gegen Altona 93

Spieler und Fans nach dem Spiel gegen Altona 93

„Alle Amateurvereine haben Probleme ihre Plätze zu halten. So kann und darf das nicht weitergehen.“ – Uwe Seeler

Natürlich durfte da auch die Prominenz nicht fehlen. Eigens eingefahren wurde neben Lotto King Karl (der ein jahrelanger, eingefleischter BU-Fan ist) sogar die Hamburger Fußball-Legende Uwe Seeler. Vor dem Anpfiff fand der Ehrenspielmacher des „großen HSV“ deutliche Worte für den Abschied der „Anfield“: „Alle Amateurvereine haben Probleme ihre Plätze zu halten. So kann und darf das nicht weitergehen.“

Der HSV Barmbek-Uhlenhorst gewann die Partie gegen Altona souverän mit 3:0. Am Dienstag folgte der nächste haushohe Sieg: In der zweiten Runde des Oddset-Pokals deklassierte BU die Spieler des FC Haak Bir mit 7:1. Zwei Spiele, zwei Siege. Ein gelungener Saison-Auftakt. Das macht den Abschied von der „Anfield“ vielleicht etwas leichter.

Prominente Gäste: Uwe Seeler (2.v.r.) und Lotto King Karl (r.)

Prominente Gäste: Uwe Seeler (2.v.r.) und Lotto King Karl (r.)

„Unsere Fans werden es zu einem Heimspiel machen.“ – Frank Pieper

Dennoch ist der Traditionsverein bis das neue Stadion in der Nähe des alten Platzes fertig ist zunächst einmal heimatlos – und das auch noch zu einem denkbar unpassenden Zeitpunkt, kurz vor dem Spiel gegen den Erstliga-Absteiger aus Freiburg. Ein „Heimspiel“, das sich unter diesen gegebenen Umständen wohl nicht so recht als solches anfühlen wird. BU-Trainer Frank Pieper ist dennoch optimistisch: „Unsere Fans werden es zu einem Heimspiel machen. Davon bin ich überzeugt.“

Heimspiel auf fremden Rasen

Gespielt wird in Norderstedt, im knapp 5.000 Zuschauer fassenden Edmund-Plambeck Stadion. Um sich mit dem grünen Untergrund dort zumindest etwas vertraut zu machen, trainierte BU hier bereits kurz am Mittwoch. „Die Fans werden knapp einen Meter vom Spiel entfernt sein. Das ist ein Pluspunkt für uns. Das wird uns zusätzlich motivieren“, so Trainer Frank Pieper, der die Mannschaft seit 2011 trainiert.

Mit der Unterstützung der Fans wird das Spiel in Norderstedt für BU zu einem Heimspiel

Mit der Unterstützung der Fans wird das Spiel in Norderstedt für BU zu einem Heimspiel

„Wir stellen uns auf alle Situationen ein. Wollen aber möglichst lange ein 0:0 halten. Wir werden alles in die Waagschale legen“, erklärt Frank Pieper. Ihm sei bewusst, dass Freiburg spielerisch eine andere Klasse darstellt. Doch das wollen die Spieler versuchen, mit Willen zu kompensieren. „Die Fans dürfen keinen Hurra-Fußball von uns erwarten. Wir werden nicht großartig vorne raus spielen und hinten alles offen lassen. Freiburg ist der Profiverein. Sie sind der klare Favorit und müssen was zeigen“, erklärt der Trainer.

Langjährige Fans erwarten „keine 0:7-Niederlage“

BU-Kapitän Jon Hoeft freut sich schon auf das DFB-Pokal-Spiel: „Das ist eine riesen Chance für uns. Bei so einem Spiel darf man aber keine Sekunde schlafen. Die ersten Minuten werden ganz wichtig sein.“ Keiner der BU-Spieler hat jemals solch ein Spitzenspiel bestritten. „Die Fernsehteams, der ganze Rummel und das Gewusel neben dem Platz. Das wird für uns alle eine völlig neue Erfahrung sein“, sagt der 27-jährige Mittelfeldspieler.

Das Ende einer Ära: Vergessen werden Fans und Spieler ihren Wilhelm-Rupprecht-Platz wohl nie

Das Ende einer Ära: Vergessen werden Fans und Spieler ihren Wilhelm-Rupprecht-Platz wohl nie

„Freiburg muss sich schon anstrengen“ – Ingo Heindorf (Ex-Spieler und Vereinsmitglied seit 1960)

Ingo Heindorf, ehemaliger Spieler und seit 1960 BU-Mitglied spuckt da schon größere Töne: „Das wird keine 0:7-Niederlage. Freiburg muss sich schon anstrengen um uns zu schlagen!“ Wenn Freiburg denke, man fahre einfach kurz nach Hamburg und ballere Barmbek weg, würden sie sich noch wundern. Und Uwe Seeler scherzte bei der Verabschiedung der „Anfield“: „Freiburg? Wer ist eigentlich Freiburg?“ Den Gegner kleinreden – auch das könnte ja ein Mittel zum Erfolg sein.

Dass sie es überhaupt in die erste Runde des DFB-Pokals geschafft haben, haben sie sich selbst zu verdanken. Durch den 2:0-Sieg im Finale des Oddset-Pokals gegen den SC Condor Ende Mai qualifizierten sich die Barmbeker automatisch für die erste Pokal-Runde. Insgesamt wird die letzte Saison wohl kaum zu überbieten sein: Pokal-Sieger, Tabellenplatz drei und der Einzug in den DFB-Pokal, in dem sie sich mit den ganz großen Vereinen messen dürfen – BU schwamm in der vergangenen Saison auf der Erfolgswelle. Auf die Frage, ob die letzte Saison zu toppen sei, antwortet Trainer Frank Pieper lachend: „Rein theoretisch ja.“ Er wäre aber auch schon zufrieden, wenn sein Team die Leistung der letzten Monate aufrecht erhalten könne.

„St. Pauli hat uns kaputt gemacht“

HSV Barmbek-Uhlenhorst, das ist ein Verein mit Tradition. Da dürfen die großen Zeiten natürlich nicht fehlen. Lang ist´s her. Doch die älteren Generationen können sich noch sehr gut an die früheren Glanzzeiten ihres BU erinnern. Anfang der 70er Jahre spielte der Verein sogar eine Zeit lang in der zweiten Bundesliga, erinnert sich Egbert Seitz. Der heute 80-Jährige kickte von 1959 bis Ende der 60er Jahre selbst für BU und wurde 1963 sogar Hamburger-Amateurliga-Meister. Mit funkelnden Augen erzählt er: „Statt einer Prämie bekam jeder einen goldenen Siegelring.“ Nur nachts zum Schlafen nehme er ihn ab, verrät er schmunzelnd.

Licht und Schatten gab es auch in der Vereinsgeschichte  des HSV Barmbek-Uhlenhorst

Licht und Schatten gab es auch in der Vereinsgeschichte des HSV Barmbek-Uhlenhorst

„Die zweite Liga hat uns eigentlich nur Unglück gebracht“ – Egbert Seitz (Spieler in den 60ern)

Ende der 70er spielte BU sogar um den Aufstieg in die erste Liga mit. Daraus wurde jedoch nichts. Schuld daran, so Egbert Seitz, sei der FC St. Pauli gewesen: „Wir konnten hinter dem HSV die zweite Macht im Hamburger Fußball werden. Vor St. Pauli. Aber die haben uns die guten Spieler weggekauft. St. Pauli hat uns kaputt gemacht. Die zweite Liga hat uns eigentlich nur Unglück gebracht. Der Untergang war vorprogrammiert.“ Der „Untergang“ – das waren die darauf folgenden Jahre, in denen BU stetig von Liga zu Liga immer weiter abstieg.

Das letzte Mal nahm der HSV Barmbek-Uhlenhorst übrigens in der Saison 1975/76 am DFB-Pokal teil. Damals schafften es die Kicker in die zweite Runde. Genau 40 Jahre später könnte dies dem HSV BU wieder gelingen. Dafür müssten sie nur Freiburg besiegen. Wie heißt es doch so schön: Der Pokal hat schließlich seine ganz eigenen Gesetze!

Über

Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

2 Kommentare

  1. Ein guter Artikel, es wäre super, wenn die Elbmelancholie noch mehr über regionales Non-Commercial-Football aus Hamburg schreiben wird 😉

  2. Pingback: Eine Hamburger Feuerwehrwoche - Speersort 1 - ZEIT ONLINE

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