Hamburg diskutiert: Olympia, Vielfaltampel und Flüchtlings-Unterkünfte

Bild: Andreas Grieß
Bürgerschaftswahl 2015

Schwimmen, Radfahren, Laufen. Nicht nur gute Beschäftigungen an einem schönen Sommerwochenende, sondern auch die Bestandteile eines Triathlons. Am Wochenende machte die ITU World Series wie in den vergangenen Jahren wieder Halt in Hamburg. Am Sonntag gab es dabei die Mixed-Staffel-WM, bei der Deutschland aufgrund einer Zeitstrafe unglücklich Vierter wurde. Neben den Profis und den Staffeln gab es auch Jedermann-Wettkämpfe in Sprint und Olympischer Distanz. Auch unsere Janina war beim Triathlon dabei.

In diesem Jahr stand der Triathlon, wie derzeit fast jede Sportgroßveranstaltung, im Zeichen der Olympia-Bewerbung Hamburgs. Von der gab es diese Woche an mehreren Stellen Neuigkeiten. So stellte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) erste Punkte des ökologischen Konzepts vor. Darin: Die Idee einer Klimataxe und vor allem die einer autofreien Innenstadt während der Spiele. Mit dem Mobilitätskonzept ist diese Idee offenbar noch nicht abgestimmt. Und erwartbar gab es Protest dagegen.

Überraschend wenig Protest gab es hingegen gegen die Planung der Bundesregierung, statt der ursprünglich angekündigten 30 Millionen Euro nur 10 Millionen Euro für die Bewerbung Hamburgs beizusteuern. Vielleicht liegt dies aber auch daran, dass dieser Sachverhalt ob der Klimataxe etwas in den Hintergrund geriet oder bisweilen bewusst gedreht wurde in “Bund spart Geld” oder “Stadt ist sich sicher: Geld wird reichen.” Fakt ist aber: Auf den übrigen Kosten bleibt nun vermutlich die Stadt Hamburg zu großen Teilen sitzen. Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein weiterer Schachzug aus der Schublade von Herrn Schäuble, in der auch der zeitweilige Grexit lag. Denn: Wie man hört, sind sich der Bund und der DOSB nicht ganz einig, wie groß der Einfluss der Politik sein soll.

Uneinigkeit besteht in der Politik auch weiter beim Thema Flüchtlinge. Hamburgs Nachbarbundesländer lehnten einen Vorschlag von Sozialsenator Detlef Scheele ab, Asylbewerber, die in Hamburg ankommen, auch in Niedersachen oder Schleswig-Holstein unterzubringen. Auch wenn Hamburg, wie vorgeschlagen, die Kosten weiter übernommen hätte. Die Aufteilung von Asylsuchenden wird in Deutschland nach dem sogenannten “Königsteiner Schlüssel” berechnet. Ihm liegen Bevölkerungszahl und Steuereinnahmen zugrunde – nicht aber die Fläche.

Auch den HSV erreichte in dieser Woche das Flüchtlings-Thema. Nachdem Berichte, wonach der Verein den Ausbau einer Unterkunft nahe des Stadions behindere, die Runde machten, sahen sich die Verantwortlichen nicht zuletzt als Reaktion auf Anfeindungen in den Sozialen Medien zu einer Stellungnahme gezwungen. Darin betont der Verein es gehe nicht “um die Frage, ob weitere Flächen zur Verfügung gestellt werden, sondern wo”. Auch lässt sich Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer zitieren. Die Darstellungen in der Presse würden “die Haltung, die Werte und die soziale Verantwortung” des Clubs grob verletzten. Man sei sich der Flüchtlingsproblematik bewusst und kooperiere “jetzt, in der Vergangenheit und auch in Zukunft in vollem Umfang mit der Stadt Hamburg.” Die Darstellungen seien Beiersdorfer zufolge daher nicht nur für den Verein schädlich “sondern wirken vor allem einem guten konstruktiven Umgang in der gesamten Gesellschaft mit den Geflüchteten, die in unser Land kommen, entgegen.“

Auch in einer anderen Sache meldete sich der HSV in dieser Woche zu Wort: Der 25-jährige Albin Ekdal wechselt von Cagliari Calcio in Italien an die Elbe. Der Schwede soll das Mittelfeld des HSV verstärken. Abwehrspieler Jonathan Tah wird nicht mit ihm zusamen spielen. Er verlässt Hamburg in Richtung Leverkusen.

Unweit des Hauptbahnhofs an einer doch eher entlegenen Ecke, an der nur selten eine Fußgängerampel benötigt wird, steht seit kurzem Hamburgs erste “Vielfaltampel“. Auf der einen Seite sind zwei Männer-Paare zu sehen, auf der anderen zwei Frauen-Paare (hier Bilder der Figuren). Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) weihte diese Anfang der Woche ein. Bei der Opposition sorgte dies später für Spott. André Trepoll, der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft, meinte im Hinblick auf seiner Meinung nach vernachlässigte Themen der Regierung: “Aber Sie wissen ja, womit sich Frau Fegebank beschäftigt.“ Er “warte nur darauf, dass die Zebrastreifen bald in Regenbogenfarbe auf die Straße gebracht werden.“

Ob mit oder ohne bunten Zebrastreifen: Wir wünschen eine gute neue Woche!

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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