Sport im Park: Freeletics, Bootcamps und Co.

Bilder u. Video: Inga Zimmermann
Sport, Stadtgefühl

Läuft man durch Hamburgs Grünflächen, sieht man sie immer wieder, sie scheinen geradezu überall zu sein: Sportler. Es sind weniger die Jogger und Walker, die auffallen. An diese hat sich unser Auge bereits gewöhnt. Vielmehr sind es diejenigen, die ein „Workout“ draußen absolvieren. Ein Workout? Nun ja, hier kommt es auf die Trainingsart an. In der Regel sind es Ganzkörperfitness- und krafttrainings, meist allein mit dem eigenen Körpergewicht. Zusätzliches Equipment wird selten benötigt. Wichtig sind alleine Sportbekleidung, eine Trinkflasche und vielleicht ein Handtuch oder eine Sportmatte. Vielleicht habt ihr letzten Sonntag diese große Truppe vor dem Planetarium im Stadtpark gesehen?

3. Großes Freeleticstreffen Hamburg

3. Großes Freeleticstreffen Hamburg

Doch wer ist es konkret, der im Stadtpark, in Planten un Blomen oder auf dem Sportplatz (oder auch Kinderspielplatz…) nebenan schwitzt? Wer macht 50 Burpees, 50 Kniebeugen und 50 Situps und wiederholt dies immer mit jeweils zehn Ausführungen weniger?

Die „App-Sportler“

Viele nutzen ihr Smartphone, um sich über eine App einen Workoutplan vorgeben zu lassen. Hier gibt es unter anderen

  • Freeletics, bietet individuelle Trainingspläne mit einzelnen Workouts; Trainingsschwerpunkt wie Zahl der Trainingstage pro Woche sind wählbar, Video-Tutorials, der Kostenpunkt liegt hier bei 34,99€ für drei Monate (Ernährungscoach extra) ;
  • Madbarz, Workouts sowie individuelle Trainingspläne ähnlich wie Freeletics, bietet gute grafische Darstellungen der trainierten Muskelpartien wie auch ein grafisch gestaltetes Tracking des Fortschrittes, kostenlos;
  • Johnson&Johnson´s-7-Minuten-Workout, offensichtlich: In sieben Minuten fertig? Her damit!, bietet zusätzliches Musikfeature, Video-Tutorials (auch für das Warm-up), kostenlos;
  • Runtastic in all seinen Varianten vom Sixpack-, Kniebeugen- oder Lauftraining, die Workout-Variante des Laufapp-Klassikers, kein individueller Trainingsplan, oft kostenlos erhältlich in Angeboten wie von der „App des Tages“,
  • AnyUp, Workouts sowie individuelle Trainingspläne ähnlich wie Freeletics, Video-Tutorials, bietet öffentliche Trainings inklusive Trainer, „Workout des Tages“, kostenlos.

Verabredet wird sich dann über die sozialen Netzwerke, allen voran natürlich Facebook – oder es wird alleine auf einer Wiese oder auch zuhause trainiert. Zusätzliche Angebote wie Ernährungspläne helfen, den Trainingseffekt und die Fitness zu steigern – jedoch nur gegen ein zusätzliches Entgelt.

Bereits seit ein 2012 gibt es die Fitness-App Freeletics. Diese beinhaltet nach einem Fitnesstest individuell auf den Nutzer zugeschnittene Workouts, welche nach Göttern benannt sind. Ziel ist es, seine eigene Bestzeit kontinuierlich zu steigern – unter Beachtung einer korrekten Ausführung, die von Videotutorials in der App oder Trainingsmitstreitern vorgegeben und korrigiert werden. Im Vordergrund des Trainings stehen Wiederholungen, Intervalle sowie auch kleinere Laufeinheiten – je nach gewähltem individuellen Trainingsschwerpunkt.

In Hamburg treffen sich die Freeathleten auf fast allen nur erdenklichen Grünflächen, gerne an Orten, in deren Nähe die Möglichkeit für Klimmzüge besteht, wie Reckstangen, Fußballtoren oder ähnlichem. Es gibt mittlerweile zahlreiche Facebookgruppen, in denen sich verabredet wird. Oft wirken die Orte gar identitätsstiftend: Auf dem Kunstrasen in Dulsberg trainieren die Kuraletics, in Planen un Blomen die Ghettoletics. Bei den größeren Gruppen gibt es den Vorteil, dass sich eigentlich jeden Abend dort jemand findet, neben dem man sein eigenes Trainingsprogramm durchzieht.

Die Freeletics-Gemeinschaft ist in Hamburg bereits so groß geworden, dass es in unregelmäßigen Abständen gesamte Hamburger Gruppenworkouts gibt, bisweilen mit zugereisten Sportlern aus den Nachbarstädten. So auch letzten Sonntag, alternativ wurde jedoch ein gemeinsames Warm-up und Workout ausgewählt, abweichend von den individuellen Trainingsplänen der 125 Freeatleten.

Video

Alternativen wie Bootcamps

Alternativen zu solchen Apps bieten einzelne „Vorbild“sportler wie etwa die Australierin Kayla Isines, welche ihre Trainingspläne (knapp 70€) sowie eigene Ausrüstungsmaterialien verkauft. Ähnlich kommerziell sind die Angebote, die man aus der Werbung kennt: Gymondo oder Imakeyousexy mit Detlef D. Soost als Werbefigur. Diese Trainings lassen sich sicherlich auch, zumindest in Teilen oder in Begleitung eines Tablets, draußen durchführen. Hier sind mir selber gemeinsame Gruppenworkouts jedoch unbekannt.

Auf diesem boomenden Fitnessmarkt haben sich mittlerweile auch viele Angebote eingefunden, die diejenigen ansprechen möchte, die zwar auch draußen und in Gemeinschaft trainieren möchten, jedoch noch einen zusätzlichen Anreiz und/oder Trainer benötigen: die Bootcamps. Hier gibt es in Hamburg zahlreiche Angebote, unter anderem diese hier:

  • das TRX Bootcamp, hier wird mithilfe von Seilen bzw. Schlingen wie bei der US Navy trainiert. Das Angebot empfiehlt zwei Trainings unter Anleitung pro Woche, die Kosten liegen für acht Wochen in einer Kleingruppe bei stattlichen 159€;
  • das Original Bootcamp, knapp 8 Wochen Training á 2 Einheiten die Woche für 175€,
  • das Body Bootcamp, 12 Trainings kosten 155€.;
  • Onlysports, ab 27€ pro Monat oder die 5erKarte für 41€.
  • Auch der Hamburger Verein Sportspaß bietet für seine Mitglieder neben den Lauftrainings auch Outdoorsport an, jedoch nur sehr begrenzt. Ein Vorteil: es kostet noch nicht einmal 9€ im Monat.

Wo ist der Vorteil?

Dieses Outdoorsporteln steht eindeutig in Konkurrenz zu den existierenden Fitnessstudios, die mit Wellness und besonderen Trainingsmethoden, sowie neuartigen Geräten werben. Oder drücken wir es mal kritisch aus: mit Luxuswohlfühltempeln. Der Trend scheint sich mittlerweile aber wieder hin zum einfachen, funktionellen Training mit dem eigenen Körpergewicht zu entwickelt – auch weg vom herkömmlichen Sportverein.

Sportkleidung, Wasser, eine Matte

Sportkleidung, Wasser, eine Matte – Los geht´s!

Woher soll Fitness auch kommen, wenn nicht von regelmäßigem, mindestens mäßig anstrengendem Training. Sport an der frischen Luft fühlt sich gut an, wenn man eh den ganzen Tag drinnen hockt. Nette, mitleidende Gesellschaft motiviert zusätzlich. Und noch ein Faktor: die Kostenersparnis gegenüber dem Fitnessstudio.

Kein Wunder also, dass der Markt boomt. Viele der Apps sind kostengünstig, kostenlos oder bieten zumindest auch kostenlose, abgespecktere Versionen an. Bootcamps bieten ein Naturerlebnis, aber auch die Sicherheit eines Trainers. Nicht allzu selten wird die Gefahr von Verletzungen bei den App-Varianten des Outdoorsports in Fernsehbeiträgen oder anderen Medien in letzter Zeit kritisiert. Von vielen werden die Alternativen zu den Fitnessstudios oder einem Sportverein dennoch dankbar angenommen. Ob da der Trend von Vorher-Nachher-Fotos in der Werbung vieler Angebote eine Rolle spielt, sei dahin gestellt.

Übrigens entstammt eine der Apps einer Hamburger Schmiede – hierzu und zu den Tiderunners, Zoombierunnern, Lauftreffs und Co. schreiben wir demnächst etwas.

Über

“Wenn Deutschland, dann Hamburg.” Am liebsten zumindest. Auch wenn es gerade nicht Deutschland ist, Hamburg ist das Zuhause im Herzen. Hier bei Elbmelancholie kann Inga über ihre Erlebnisse in der Hansestadt Hamburg und Gedanken zu den hiesigen Geschehnissen berichten. Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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