Hamburgs Internetnutzer sind zu sorglos

Netzleben

Vor wenigen Tagen hat der Verein „Deutschland sicher im Netz“ die neuste Ausgabe seines Sicherheitsindex veröffentlicht, für den das Bundesinnenministerium die Schirmherrschaft übernommen hat. Allgemein hat sich die „digitale Sicherheitslage in Deutschland“ für Verbraucher demnach verbessert. Allerdings: Innerhalb Deutschlands stellt Hamburg wie im Vorjahr das Schlusslicht da.

„Die relevanten Sicherheitsvorfälle bei Verbrauchern waren in den vergangenen Monaten rückläufig, das Wissensniveau der Nutzer hat sich etwas verbessert“, schreiben Hartmut Thomsen und Michael Littger, der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Vereins, im Vorwort der Studie. Gleichwohl gäbe es keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Der Grund: Immer neue Lebensfelder wie die Gesundheits- und Vitaldienste, sowie Hausvernetzung würden in den digitalen Alltag Einzug halten.

Der Index untersucht verschiedene Faktoren der Bedrohungslage auf der einen Seite, dazu zählen sicherheitsrelevante Vorfälle ebenso wie das Gefährdungsgefühl der Verbraucher, sowie Faktoren des Schutzniveaus auf der anderen Seite. Hierzu zählen das Sicherheitsverhalten und die Sicherheitskompetenz der Nutzer. Insgesamt 2.010 Internetnutzer hat TNS Infratest dem Report zufolge für eine repräsentative Umfrage befragt. Als Ergebnis gibt es einen Wert zwischen 0 und 100 Punkten, wobei 50 den sogenannten Schwellenwert darstellt, unterhalb dessen die Bedrohungslage das Schutzniveau übertrifft.

Deutschlandweit stellen die Untersuchenden für 2015 einen Wert von 63,0 Punkten fest. Im Vorjahr lag er bei 60,2 Punkten. Bei den Bundesländern schneidet Hamburg mit einem Wert von 60,7 Punkten wie Eingangs erwähnt am schlechtesten ab. Das Saarland kommt auf den gleichen Wert, Spitzenreiter sind Thüringen, Sachsen und Brandenburg mit 65,7 Punkten.

Doch warum ist das Internet in Hamburg beziehungsweise für Hamburger gefährlicher? Die Gründe liegen sowohl auf der Bedrohungsseite, als auch auf der Schutzseite. Bei der „Bedrohungslage“ wurden Hamburg 36,0 Punkte attestiert, das damit im oberen Bereich liegt. Hierunter fallen Vorkommnisse wie Virenbefall oder das Ausspähen von Zugangsdaten. Beim „Gefährdungsbefinden“ kommt Hamburg sogar auf den zweihöchsten Wert in Deutschland (30,7 Prozent). Dem gegenüber stehen mit 79,8 Punkten der drittniedrigste Wert bei der Sicherheitskompetenz hinter Schleswig-Holstein und Bremen und vor allem der niedrigste Wert beim Sicherheitsverhalten. Antiviren-Programme, Logout-Funktionen oder unterschiedliche Passwörter zu nutzen – solche Dinge sind in Hamburg unterdurchschnittlich verbreitet.

Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich Hamburg deutlich verbessern. Auch da war unsere Stadt, beziehungsweise unser Bundesland, deutschlandweites Schlusslicht im Index. Mit insgesamt 51,3 Punkten lag man damals sehr nah am Schwellenwert und deutlich weiter vom Bundesschnitt entfernt (2014: 60,2 Punkte). Vor allem viele Sicherheitsvorfälle waren damals laut Report der Grund. Besonders dass Hamburg im Sicherheitsverhalten noch immer so schlecht abschneidet, zeigt jedoch, wie wichtig es ist, die Möglichkeiten und Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen im Netz, sowie allgemeine Netzkompetenz stärker zu vermitteln. Immerhin will Hamburg eine Medienmetropole sein.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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