Hamburgs Olympiabewerbung nimmt Gestalt an: Architekten stellten gestern erste Ideen vor

Bilder: Elisabeth Hyra
Olympia in Hamburg, Sport

Mit so einem großen Andrang hatten selbst die Veranstalter nicht gerechnet: Mehr als 650 Menschen drängten sich Dienstagabend in die Magnus Halle an der Amsinckstraße. Sitzplätze gab es nur für knapp 600 Besucher. Der Rest musste stehen. Grund für den Ansturm: Erstmals wurden die ersten architektonischen Entwürfe, Konzepte und Ideen für die „Olympic City“ der Öffentlichkeit präsentiert. Die Behörde für Stadtentwicklung und der Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter stellten die ersten Ideen vor.

Ausgearbeitet wurden die Pläne in den letzten Wochen und Monaten vom Rotterdamer Planungsbüro KCAP und dem Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp). Vor allem das Rotterdamer Büro hat bereits Erfahrungen in diesem Gebiet. Sie waren schon bei der Planung des Olympischen Parks in London und an der Gestaltung der Hafencity eingebunden.

Konzept: „Spiele im Herzen der Stadt“

Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, lobte zu Beginn der Veranstaltung die „moderne Olympiabewerbung“ Hamburgs und das Konzept von „Spielen im Herzen der Stadt“. Wichtig sei aber vor allem die langfristige Perspektive. Hamburg solle schließlich etwas von den Olympischen Spielen haben, meinte auch Staatsrat Christoph Holstein. Einen positiven Nebeneffekt habe die Olympia-Bewerbung Hamburgs seiner Meinung aber schon: „Der Bekanntheitsgrad Hamburgs ist auf jeden Fall schon gestiegen. Wir sind auf einer Ebene mit Paris, Rom und Boston.“

Seit Ende April wurde an dem Masterplan für die Elbinsel gearbeitet. Die Planungen für das Olympia-Gelände auf dem 130 Hektar messenden Kleinen Grasbrook in Hamburg nehmen also langsam aber sicher immer mehr Gestalt an. Nun wurden vier unterschiedliche Varianten ausführlich vorgestellt. Das Grundkonzept steht: Die wichtigsten Anlagen der Olympischen Spiele – also Olympiastadion, Olympiahalle, Schwimmhalle, Olympischen Dorf und Medienzentrum – sollen auf dem Kleinen Grasbrook und dem Überseezentrum gebaut werden.

Vier mögliche Varanten für die Bebauung des Kleinen Grasbrooks

Kees Christiaanse vom Rotterdamer Planungsbüro KCAP stellte vier mögliche Varanten für die Bebauung des Kleinen Grasbrooks vor

Spektakuläres Olympiastadion

Spektakulär sind vor allem die Pläne für das Olympia-Stadion. Die Architekten möchten die Ost-Tribüne leicht absenken. Von der Süd- und West-Tribüne könnte somit ein einmaliger Blick auf die Hamburger Innenstadt ermöglicht werden. Dies wäre für ein Olympiastadion bisher einzigartig. „Olympia soll auf Hamburg zugeschnitten sein. Deshalb soll man nicht nur vom Stadion aus, einen Blick auf die Hamburger-Skyline haben. Auch die Stadt soll einen dauerhaften Blick auf das Olympische Erbe haben“, so Nikolaus Goetze vom Hamburger Architektenbüro gmp. Ein Entwurf zeigt das Stadion mit einem Aussichtsturm, auf einem anderen ist ein Heliumdach skizziert.

Das Projekt "Olympic City" wurde gestern in der Magnus Hall präsentiert

Das Projekt „Olympic City“ wurde gestern in der Magnus Hall präsentiert. Staatsrat Christoph Holstein skizzierte einen ersten Überblick

„Olympic City“ als neuer Stadtteil

Spektakulär soll auch die Nutzung des Geländes nach den Olympischen Spielen sein. Und genau darin scheint auch die größte Herausforderung für die Planung zu liegen. Die Nachhaltigkeit der „Olympic City“ – wie die Organisatoren den neuen Stadtteil bereits getauft haben – liegt den Machern der Hamburger Olympiabewerbung besonders am Herzen. Dies wurde gestern Abend bei der Vorstellung deutlich. Was soll aus dem Olympia-Gelände werden, wenn die Spiele zu Ende sind? Schließlich tönten die Olympiabefürworter in der Vergangenheit immer von „nachhaltigen“ und „grünen“ Spielen – weit weg vom „Größenwahn“ bisheriger Austragungsorte.

Aus diesem Grund haben sich die Architekten vor allem mit der Nachhaltigkeit ihrer Projekte befasst. Für alle Sportstätten gäbe es ein Plan B nach Olympia, hieß es. Keines der neugebauten Gebäude müsste abgerissen werden oder gar leer stehen, wie es bei andere ehemaligen Olympia-Ausrichtungstädten der Fall war. Ein leeres und ungenutztes Olympische Gelände kann schnell zu einer Kostenfalle für die Stadt werden. Die möchte Hamburg aber unbedingt vermeiden.

Nach Olympia könnte die Mitte des Stadions zu einen Park umfunktionalisiert werden

Nach Olympia könnte die Mitte des Stadions zu einen Park umfunktionalisiert werden. Nikolaus Goetze stellte das Konzept gestern vor

Nach den Spielen sollen in Hamburg daher alle Sportstätten entweder verkleinert oder umfunktioniert werden. Beispiel Olympiastadion: Während der Spiele würde das Stadion rund 70.000 Zuschauer fassen. Nach den Spielen sollen 50.000 Plätze wieder abgebaut, und das Stadion auf das 20.000 Plätze umfassende „Erdstadion“ reduziert werden. Dort könnte es in den folgenden Jahren als Leichtathletik-Areal dienen oder auch in einen Park umfunktioniert werden. Sie können sich schließlich auch „etwas anderes als langweilige Leichtathletik“ im Stadion vorstellen, scherzen die Planer.

Aus der Olympiahalle könnte nach den Olympischen Spielen ein neues Kreuzfahrtterminal werden. Allein die Schwimmhalle würde ihren ursprünglichen Nutzen behalten und vielleicht noch in Teilen zu einem „Aqua-Park“ umgebaut werden. Aus dem Olympischen Dorf würden Wohnungen gemacht werden. „In der Nachnutzung des Gelände würde Hamburg 4.000 bis 6.000 neue Wohnungen bekommen“, erklärt Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter. Und auch Nikolaus Goetze ist vom Olympia-Konzept überzeugt: „Wir müssen Olympia als eine Chance für Hamburg sehen!“

Aus dem Publikum kamen auch kritische Stimmen

Gegenwind und Kritik kam nicht nur aus der Richtung der Hafengewerkschaft, die um ihre Standorte am Hafen fürchtet. Auch die Kosten bereiten den Hamburgern Bauchschmerzen. Eine Auflistung der möglichen Ausgaben, wurde von den Planern gestern noch nicht vorgelegt. „Erst im Herbst werden wir einen ersten Überblick über die Kosten haben. Aber auch da wird es sich erst einmal um eine vorläufige Aufstellung handeln“, so Oberbaudirektor Walter.

Ob die Pläne von den Hamburgerinnen und Hamburgern aber wirklich als olympiatauglich akzeptiert werden, muss sich erst zeigen. Am 29. November wird es in der Hansestadt den Volksentscheid geben. Bis dahin müssen die Olympiabefürworter und –planer noch ordentlich die Werbetrommel rühren. Staatsrat Christoph Holstein versicherte gestern: „Egal, was bei dem Olympia-Referendum herauskommt. Wir werden die Entscheidung der Hamburgerinnen und Hamburger akzeptieren.“

Sollte Hamburg von seinen Hamburgerinnen und Hamburgern das Okay für die Olympiabewerbung bekommen, muss die Stadt bis zum 8. Januar 2016 die Bewerbungunterlagen beim Olympischen Komitee einreichen. Im Sommer 2017 werden die Olympischen Spiele 2024 in Lima (Peru) vergeben.

Über

Nach dem Abschluss ihres Germanistik-Studiums baut sich die gebürtige Hamburgerin nun ein Standbein als freie Journalistin auf. Da ihr Herz für den Sport und insbesondere für den Fußball schlägt, schreibt sie bei Elbmelancholie vor allem über Themen rund um den Sport. @ElliHyra

3 Kommentare

  1. Schnauze voll

    Leck mich fett! Wir sind auf Augenhöhe mit Boston!! Großartig!!! Das war mein Problem! Danke Olympia! Dafür darf ich jetzt diese „im Herzen der Stadt“-Kommerzscheiße, direkt vor der Haustür ertragen. Inkl. zu erwartendem Sicherheitsirrsinn. Na ja, ich bin ja „Gefahrengebiet“-erfahren. Alles Terroristen ausser Mutti, den „Sponsoren“ und der SPD.

    Baut bezahlbaren Wohnraum. Renoviert die Schulen und Universitäten. Baut die Kitas aus. Es gibt unglaublich viel zu tun. Olympia gehört nicht dazu!

  2. Find ich soweit alles in Ordnung. Über Details lässt sich sicherlich noch lange streiten, auch im Nachhinein. Aber ein schöner Modernisierungsschub wär’s, ob für den innerstädtischen (bezahlbaren) Wohnraum, für die eingebundene Wissenschaft, für die vielen kleinen Sportvereine, für die Jugend, für den ÖPNV und den Radverkehr. Nun kann man natürlich auch wieder geteilter Meinung sein, ob’s okay ist, wenn der Bund solche Projekte überwiegend bezahlt. Alternativ könnte die Flintenuschi auch neue Panzer bestellen. Vor allem bin ich auf das klimaneutrale Verkehrskonzept gespannt, das noch vor dem Volksentscheid fertig sein soll. Mit solchen Spielen wirbt man weltweit mehr für seine Vorbildfunktion im Rahmen des Industrieumbaus (Energiewende, intelligente Netze und Verkehrssysteme, ..) als auf zig Foren. Ein schöner Nebeneffekt wär’s. So recht dran glauben mag ich den neuen Statuten des IOC zwar noch nicht, aber lassen wir uns überraschen. Gleich zu Beginn aufzugeben, wäre töricht. Ansonsten zieht man Anfang der 2020er die Reißleine und statuiert dem Verein ein Exempel.

  3. Pingback: Wochenrückblick: Chinesen im Hamburger Hafen

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