Dinge, die Hamburg teilen

Bild: Anna-Lena Ehelers
Wochenrückblicke

Eine Woche der Streiks liegt hinter uns. Seit Freitag streiken die Erzieherinnen- und Erzieher. Die ganze Woche setzten die GDL-Bahnführer ihren Arbeitskampf fort. Dieser Streik teilt Hamburg in zwei Lager. Klar, zum einen in diejenigen, die Verständnis für den erneuten Streik zeigen und andererseits diejenigen, die es nicht tun. Aber er teilt Hamburg auch in die stark Betroffenen und die wenig Betroffenen. Wie wenige andere Städte ist Hamburg in S-Bahn und U-Bahn Stadtteile aufgeteilt. Während der Westen der Stadt demnach seit Montag zum Teil vom Nahverkehr abgeschnitten war (freilich fuhren weiter Busse und einige Bahnen), bemerkten die Bürger entlang der U-Bahn-Linien kaum etwas vom Streik.

Ähnlich verhält es sich für viele Hamburger mit dem Flughafen. Während die Anwohner täglich die ein- und abgehenden Flugzeuge hören, hören andere Einwohner so gut wie nie eine der Maschinen und sind froh, den Airport im Bedarfsfall nicht weit entfernt zu wissen. Um in Sachen Fluglärm mehr Transparenz zu schaffen, startete der Flughafen nun ein neues Fluglärm-Portal. Die Diskussionen sind dadurch aber alles andere als vorbei, wie die Kommentare bei uns zeigen.

Auch der Hafengeburtstag teilt Hamburg in zwei Lager. Diejenigen, die sich schon lange vorher auf das Event mit rund einer Million Besuchern freuen, die Verwandte und Freunde nach Hamburg laden und diejenigen, die sich in andere Gegenden der Stadt verziehen, während die Schiffe die vielen Touristen anlocken. Kommerz oder Tradition? Maritimer Flair oder Massenevent? Das soll jeder für sich entscheiden. Unweit des Hafens, am Spielbudenplatz, gab es derweil auch Essensstände. Oder genauer: Foodtrucks. Hier wurde nämlich das Food Truck Festival veranstaltet. Rund 40 der Wagen machten sich dafür zum Teil von außerhalb auf den Weg nach Hamburg-

Am Dienstag wurde es einmal mehr stürmisch in Hamburg. Anders als bei den vergangenen Sturmtiefs fegte das Unwetter dieses Mal, nachdem der Tag sonnig begann, in nur wenigen Minuten über die Stadt. Es wurde schlagartig dunkel, dann kamen starker Wind, Sturzregen und massiver Hagel. Wenige Minuten später war es schon wieder deutlich ruhiger. Die Bilanz war dennoch unglücklich: Feuerwehr- und Polizei-Einsätze, Behinderungen im Nahverkehr, Sachschäden und leider auch ein Toter.

Im Fußball, eine weitere Sache, die Hamburg in unterschiedliche Lager teilt, gibt es dafür zur Abwechslung positive Neuigkeiten: Der HSV kämpft zwar weiter gegen den Abstieg. Als Retter könnte sich jedoch Gojko Kacar herausstellen. Nachdem er in der vergangenen Woche bereits den Siegtreffer erzielte, war es am Freitagabend im Volkspark erneut der Serbe, der den HSV die Punkte rettete – oder vielmehr den einen Punkt, denn die Begegnung gegen Mitabstiegskonkurrent Freiburg endete letztlich 1:1. Auch wenn das Spiel der Rothosen teilweise ideenlos wirke, zeigte der Treffer, dass noch Leben in der Mannschaft ist: Trainer Bruno Labbadia bejubelte den Ausgleich in der Schlussphase der Begegnung mit einem Jubellauf auf den Platz, den selbst Jürgen Klopp im Fall eines DFB-Pokal-Erfolgs wohl nur schwer toppen wird.

Und auch der FC St. Pauli hatte Grund zur Freude: Überraschend gewann das Team mit 2:0 gegen den Aufstiegskandidat (und möglichen HSV-Relegationsgegner) Kaiserslautern. Der Auswärtserfolg des Teams von Ewald Lienen war jedoch auch bitter nötig: Alle Konkurrenten um den Klassenerhalt haben ebenfalls Punkte geholt.

Auch um Sport, jedoch ebenso sehr um Politik, geht es bei der Hamburger Olympia-Bewerbung. Gegen Ende des Jahres soll es einen Bürgerentscheid über die Bewerbung geben. Die Bürgerschaft legt dafür gerade die gesetzliche Grundlage. Der Plan sieht vor, dass künftig Senat, aber auch die Bürgerschaft mit klarer Mehrheit eine Volksabstimmung vorschlagen dürfen. Die Verfassungsänderung würde also auch für andere Fälle als Olympia greifen können. Eine ganz große Koalition aus SPD, Grünen, sowie den Oppositionsparteien CDU und AfD hat die Unterstützung angekündigt. Die Linke und die FDP sind gegen den Entwurf, wollen lieber ein reines „Lex Olympia“.

Auch der Verein „Mehr Demokratie“ steht dem Vorhaben kritisch gegenüber und behauptet, auf diese Art würden „unliebsame Volksinitiativen“ erstickt. Bisherige Bürgerbegehen wie der Rückkauf der Energienetze wären so verhindert worden. Die SPD betont jedoch die deutlichen Mehrheiten, die nötig seien, um ein Referendum zu erzwingen. Der NDR zitiert SPD-Verfassungsexperte Olaf Steinbiß: „Die hohen Hürden zeigen deutlich, dass hier verantwortungsvoll von dem neuen Instrument Gebrauch gemacht werden wird.“

Wir wünschen in jedem Fall allen eine gute neue Woche, inklusive Feiertag und bei vielen wohl auch Brückentag!

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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