Studieren in Hamburg

Bild: Inga Zimmermann
Kunst und Kultur, Stadtgefühl

Es lässt sicher allerhand über ein Studium in Hamburg sagen. Auf der einen Seite gibt es die Zahlen und Fakten, doch die sind nicht immer ausschlaggebend für die persönliche Entscheidung, in Hamburg zu studieren – die Zulassung natürlich immer vorausgesetzt. Ich möchte im Folgenden die für mich persönlichen Einflüsse beleuchten, die mein Studium in Hamburg ausmachen und natürlich immer in Kontrast zu meinen Erfahrungen in anderen Städten stehen. Vielleicht teilen viele diese Eindrücke mit mir oder diese bewegen zu dem Entschluss, mit einem Studium in Hamburg eine ähnliche Erfahrung zu suchen oder aber sie stehen im Widerspruch zu den eigenen Erlebnissen. Auch das ist Grund genug, sich damit auseinanderzusetzen, was unsere Lieblingsstadt den Studenten zu bieten hat und wofür sie eben im Vergleich zu anderen Städten nicht typisch ist.

Studieren in Hamburg, dies setzt in erster Linie ein Studienprogramm, zu dem man eingeschrieben ist, voraus. Das Studienangebot der zahlreichen Universitäten, Fachhochschulen und weiteren Bildungseinrichtungen unserer Hansestadt wird im Detail auf den Websites dieser beschrieben. Ebenfalls bieten verschiedene Vergleichsportale wie etwa das der Zeit oder Hochschulkompass einen guten Überblick über das, was etwa das bestimmte Bachelor- oder Masterprogramm so besonders macht – oder eben auch nicht.

Die Wahl des Studienfaches prägt maßgeblich die persönlichen Studienerfahrungen in Hamburg, das ist offensichtlich. Für mich stand diese Wahl immer an erster Stelle, erst danach kamen andere Faktoren wie die Stadt hinzu. Dies ist natürlich eine Behauptung, denn total abstreiten, dass auch die Stadt neben der Zulassung meine Wahl vielleicht eher mehr oder weniger unbewusst beeinflusste, kann ich nicht. Dennoch zog es mich deswegen in verschiedene europäische Städte zum Studieren; in anderen Städten lernte ich durch dort studierende Freunde kennen, was es heißt, dort zu studieren.

Studieren in einer Universitätsstadt oder in einem Dorf?

Jede Stadt, in der ich studierte, prägte mein Leben auf ihre eigene Weise. In Marburg in Hessen schätzte ich insbesondere die typische Atmosphäre, wie sie nur in solch kleinen Universitätsstädten wie Münster, Gießen oder eben Marburg zu finden ist: Ein riesiges Angebot an Ausgehmöglichkeiten, wie etwa studentischen Bars und Partys jeglicher Art, kurze Wege, ein reiches kulturelles Angebot. In den Semesterferien fiel einem in Abwesenheit der Mehrheit der Studenten auf, dass auch ältere Generationen in dieser Stadt leben. Deutlich zeigte sich bereits nach einem Semester, dass jeder eigentlich jeden über mindestens ein-zwei Ecken zu kennen schien. Nicht von ohnehin kam die Aussage, dass das Leben in dieser Stadt der in einem Dorf gliche. Das Flair der Stadt mit der niedlichen Oberstadt lockte gerade die älteren Bekannten zu einem Besuch.

Skandinavisches Flair

Die Zahl meiner Besucher in Helsinki (Finnland) und Aarhus (Dänemark) nahm dahingegen ab. Die Entfernung spielte hier sicherlich eine große Rolle, insbesondere für meine Zeit in Helsinki. In beiden Städten gefiel mir das skandinavische Flair und der Lebensstil. In Finnland war es mehr die kühle Schönheit der Hauptstadt, das extremere Klima, die Sauna und auch die internationale Umgebung, in der ich mich die meiste Zeit aufhielt. In Dänemark war es mehr der Fakt, wie selbstverständlich Sport in den Alltag aller eingebunden ist, der typisch dänische Stil bzw. das dänische Design und das Essen. In beiden Ländern fiel mir die Trinkfreudigkeit auf und ich erinnere mich an große studentische Feste, die ein Gefühl der Gemeinsamkeit immens stärkten. Ein Merkmal prägte meine Studienerfahrung aber im Wesentlichen und hatte auch zu meiner Entscheidung, dort zu studieren, geführt: Das freundliche, anregende Klima innerhalb der universitären Veranstaltungen – die alle auf einem akademisch hohem Niveau waren – wie auch der flexible und entgegenkommende Service der Universitäten dort.

Studieren in Hamburg

Info: Wo kann man in Hamburg studieren?

Die Liste der Bildungseinrichtungen, die in Hamburg ein Studium ermöglichen ist lang. Diese beginnt bei den vier Universitäten: Universität Hamburg (Uni HH), Helmut-Schmidt-Universität (eine der zwei Bundeswehruniversitäten in Deutschland; HSU), Technische Hochschule Hamburg-Harburg (TUHH) und HafenCity Universität (HCU). Weitere Hochschulen sind die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), die Akademie der Polizei sowie die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht. Die zwei Kunsthochschulen der Stadt sind die Hochschule für bildende Künste (HFBK) und die Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HFMT).

Zusätzliche gibt es neben der kirchlichen Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie zahlreiche private Einrichtungen. Drei sind Universitäten gleichgestellt: Die Bucerius Law School, die Kühne Logistics University (KLU) und die Medical School Hamburg (MSH). Daneben gibt es noch elf weitere Einrichtungen, die zumindest laut der Werbung mir bekanntesten sind die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) und die Hochschule Fresenius

Es mag deutlich werden, wie sehr ich von meiner Zeit in den nördlichen Teilen Europas schwärme. Doch auch das Studieren in Hamburg hat einiges zu bieten. Ein Studium in Hamburg hat in vielen Fällen keinen herausragenden Ruf. Kriterien, die dazu beitragen, mögen die eher unteren Rankings in nationalen, europäischen und weltweiten Vergleichen und die verbesserungswürdige Qualität der Verwaltung und des akademischen Angebots sein. Eine Hauptursache sehe ich hier jedoch in dem so guten Ruf der Stadt an sich, die alleine für sich bereits – vollkommen losgebunden von jeglicher Identität als Universitäts- oder Bildungsstadt – mit dem Ruf der schönsten Stadt der Welt liebäugelt. Böse Zungen mögen behaupten, wer hier studiert, tue dies nur wegen der Stadt.

Letzteres stimmt in meinen Augen sicherlich für viele “Ur“-Hamburger. Es ist ein typisches Phänomen für viele, die in der Hansestadt oder in der Nähe geboren sind, hier auch ihr Studium zu absolvieren oder spätestens bei der Jobsuche zurückzukehren. Doch ehrlich gesagt, die Nähe des Studienortes zum Heimatort ist für schätzungsweise 30-50 Prozent aller Studierenden ausschlaggebend – nicht nur für Hamburger. Diese haben das Glück des großen Angebotes, welches sie nicht in die Ferne ziehen lässt.

Meine meisten Erfahrungen hier machte ich mit der Universität Hamburg. Da es sich um persönliche Erfahrungen handelt, sind sie natürlich ausschließlich subjektiv. Derzeit bin ich an der Universität Hamburg eingeschrieben, jedoch wird mein Studiengang von einem der Universität angegliederten Institut durchgeführt. Bislang erlebe ich mein Studium hier, typisch deutsch, sehr durch die Verwaltung getrieben. Es gibt einen überdurchschnittlich hohen Semesterbeitrag und glücklicherweise keine Studiengebühren mehr.

Der Campus ist recht zentral gelegen, am Grindelhof bzw. der Von-Melle-Park, kurz VMP, beherbergt viele der Fachbereiche, einige weitere sind unweit davon gelegen. Diese Nähe zum Zentrum Hamburgs – welches ich hier einmal als Binnenalster betrachte – ist angenehm, denn sie ist von allen Vierteln Hamburgs gut zu erreichen. Ebenso liegt das Schanzenviertel gleich um die Ecke; ein Feierabendbier oder –cocktail nach einem anstrengenden Studientag liegt natürlich des Öfteren nahe. Hamburg ist eine eher politisch linke Studienstadt, bietet aber durch seine zahlreichen privaten Universitäten für alle etwas – zumindest mit dem nötigen Kleingeld. Die Reeperbahn lässt den Studenten nie verzweifeln, wo er feiern könnte, wenn keine WG-Party am Wochenende (oder in der Woche…) statt findet.

Info: Zahlen und Fakten zur Universität Hamburg

Die Universität Hamburg ist mit etwa 42.100 eingeschriebenen Studenten Hamburgs größte Universität. Das Studienangebot umfasst 173 Studiengänge, darunter größtenenteils B.A.- und M.A.-Studiengänge, aber ebenso auch welche mit staatlicher oder theologischer Prüfung und Aufbaustudiengänge. Es gibt acht Fakultäten, 22 Fachbereiche und zahlreiche Untergruppen und angegliederte Institute. Die Universität beschäftigt 660 Professoren/innen sowie etwa 9880 weitere Angestellte und steht so als ein großer Arbeitgeber unserer Stadt da. Der Haushalt lag 2012 bei 431 Mio. Euro, die Drittmittel 164 Mio. Euro. Das Universitätsklinikum Eppendorf bzw. die medizinische Fakultät hat hierbei den größten Anteil. 

Studieren bedeutet Bildung und Vorbereitung auf die Zukunft. Studieren bedeutet für mich ebenso eine persönliche Erfahrung. Das ist in Hamburg in einer zeitgleich an vielem reichhaltigen Umgebung möglich. Nach dem Studium bietet es ebenso, je nach Schwerpunkt, auch die theoretische Möglichkeit, hier einen Job zu finden – der Arbeitsmarkt ist hier größer als in typischen Universitätsstädten.

Über

“Wenn Deutschland, dann Hamburg.” Am liebsten zumindest. Auch wenn es gerade nicht Deutschland ist, Hamburg ist das Zuhause im Herzen. Hier bei Elbmelancholie kann Inga über ihre Erlebnisse in der Hansestadt Hamburg und Gedanken zu den hiesigen Geschehnissen berichten. Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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