Olympia-Kampf der Eitelkeiten: Fischköppe gegen Latte-Macchiato-Preußen

Bild: Andreas Grieß
Debatte, Olympia in Hamburg

Nur noch wenige Wochen, dann steht fest, welche deutsche Stadt sich für die Olympischen Spiele bewerben darf: Hamburg oder Berlin? Während man in Hamburg hofft, mit echter oder erzeugter Begeisterung die „logische Wahl“ Berlin zu übertrumpfen und international zur Hauptstadt aufzuschließen, sind die Vorzeichen in Berlin andere. Die Berliner sind womöglich mehrheitlich gegen die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in ihrer Stadt. Der Senat und die Wirtschaft sind hingegen, wie auch in Hamburg, dafür. Verschiedene Vertreter der Interessenverbände teilen deshalb auch mal ganz schön gegen Mitbewerber Hamburg aus.

„Es den Fischköppen zeigen“

Banner am Brandenburger Tor, Beleuchtung des Fernsehturms. Die Berliner Wirtschaft, Politik und die Sportverbände tun so einiges an Marketinggedöns, um die negative Meinung der Bevölkerung zu überspielen. Auch Mitbewerber Hamburg bekommt sein Fett weg. So sagte der Präsident des Berliner Hockey-Clubs, dass man es den „Fischköppen“ zeigen werde. Im gleichen Atemzug meint er, dass Hamburg die bessere Einstellung habe, denn es gehe den Hanseaten auch darum, erst einmal Berlin zu schlagen. Berlin sei da viel zu eingebildet und denke nicht an den regionalen Wettbewerb. Für Hamburg oder Berlin geht es um die Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2024 oder 2028. Der Gewinner des deutschen Wettbewerbs müsste sich allerdings noch gegen internationale Konkurrenten wie Boston oder Paris durchsetzen.

Christian Amsinck, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburgs bescheinigte Hamburg eine „respektable Bewerbung“. Er sehe die Chancen für Berlin als hoch an, da in der Stadt die Sportstätten weitestgehend vorhanden sind. Für ihn sind die mit 2 Milliarden an Kosten angesetzten Spiele einfach die beste Werbung für die Stadt. Eine ziemlich kostspielige Reklame.

„Berlin hätte die Spiele
nötiger als Hamburg“

Der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, Stefan Pichler, sagte bei der Vorstellung eines Flugzeugs mit Werbebanner drauf: „Wir tragen die Bewerbung Berlins mit vollem Herzen mit“. Gegenüber der Hansestadt als Mitbewerber stellte er klar: „Wir heißen ja Air Berlin und nicht Air Hamburg.“ Und Journalist Friedhard Teuffel kommentiert im Tagesspiegel: „Berlin hätte die Spiele nötiger als Hamburg, weil seine Wirtschaftskraft nicht mit der Hamburgs mithalten kann.“

Eine Forsa-Umfrage unter der Bevölkerung beider Städte soll am 10. März veröffentlicht werden und Aufschluss über das Meinungsbild geben. Die Umfrage ist aber nicht alles entscheidend, sagt der Vorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Michael Vesper. Eine Empfehlung des DOSB soll am 16. März ausgesprochen werden, eine endgültige Entscheidung des Sportbundes wird dann für den 21. März erwartet. Und das übrigens weder auf Hamburger noch auf Berliner Boden, sondern am 21. März in Frankfurt am Main.

Aus einem DOSB-Papier, das dem NDR vorliegt, geht hervor, dass Hamburg in Sachen ÖPNV die Nase vorne habe, aber über zu wenig Hotelzimmer für Besucher verfügt. Der Senat sieht dahingehend jedoch weiter kein Problem. So könne man etwa Kreuzfahrtschiffe dafür einsetzen.

Übrigens, wenn es nach dem englischsprachigem Wikipedia-Artikel zur Olympia-Bewerbung ginge, wäre Hamburg national schon längst der Gewinner…

Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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