Lieblingsplätze – die Landungsbrücken

Bild: Inga Zimmermann
Stadtgefühl

Letztens fuhr ich mal wieder mit der U3 an den Landungsbrücken vorbei, der Regen prasselte auf die Scheiben des Zuges. Trotz des typischen Hamburger Schietwetters – ganz ehrlich, ich empfinde ein solches Wetter gar nicht als so typisch für Hamburg – verspürte ich den Drang, auszusteigen, um einmal die Landungsbrücken auf und ab zu schlendern. Gerade bei solch ungemütlichem, nassem Spätherbstwetter ist es an den Landungsbrücken nicht allzu voll. Im Sommer, vor allem tagsüber, wimmelt es dort allerdings nur so vor Touristen, welche die Landungsbrücken als eine der Hauptattraktionen unserer Stadt sehen oder eines der nun zwei Musicals auf der anderen Elbseite besuchen möchten.

Es ist schön, dass es in Hamburg solch einmalige Sehenswürdigkeiten wie die Landungsbrücken gibt, die viele der Hamburger tagtäglich besuchen. Dieser „Besuch“ mag zum einer aus Freizeitgründen sein, aber gerade auch praktisch haben die Landungsbrücken eine wichtige verkehrsinfrastrukturelle Funktion: Touristen werden per Fähre zu den Musicals „König der Löwen“ und „Das Wunder von Bern“ gebracht. Autofahrer, Fußgänger und viele Wilhelmsburger Radfahrer gelangen über den Alten Elbtunnel auf die südliche Elbseite und nicht wenige starten ihren Arbeitstag mit einer Fahrt auf der HVV-Fähre, oft Richtung Finkenwerder, wo unter anderem Airbus und zahlreiche Zulieferer sitzen. Möglich wäre es auch für die Beschäftigten in der bald fertig gestellten Elbphilharmonie, ihren Arbeitsweg mit einer Fährfahrt von den Landungsbrücken aus zu beginnen – zu Fuß mag man jedoch fast schon schneller sein.

Als ich erst kurz in Hamburg wohnte, liebte ich es, an den Landungsbrücken im maritimen Flair Fish und Chips zu essen und dabei dem Treiben der Fähren, Hafenrundfahrten und riesigen Schiffen zuzuschauen. Doch allzu oft kann ich nicht Fish und Chips essen und nicht immer lagen meine Wohnung, Arbeit, Uni oder Praktikumsstelle so, dass ich regelmäßig an den Landungsbrücken vorbei kam. Da war es umso besonderer, wenn ich mir die Zeit nehmen konnte, einen Zwischenstopp dort einzulegen. Später arbeitete ich ganz in der Nähe und konnte während meiner Mittagspause dort und vor allem nebenan auf den fast fertig gestellten Treppen des neuen Hochwasserschutzes in der Sonne sitzen, auf das Wasser schauen und ein Eis essen.

Was machen die Landungsbrücken denn nun zu einem Hamburger Lieblingsplatz? Nein, es ist nicht das Feuerschiff, welches fußläufig schnell zu erreichen ist und – abgesehen von den Fish und Chips – ist es sicher auch nicht das vorhandene kulinarische Angebot. Auch sind es nicht die Bars, die meist wohl nur auf Touristen attraktiv wirken wollen, denkt nur an das Hard-Rock-Café. Diese Möglichkeiten sind alle nett.

Die Landungsbrücken sind deshalb mein Lieblingsplatz, weil sie bei jedem Wetter eine Anziehungskraft auf mich haben: Bei Sonnenschein ist es einfach nur schön, bei Regen und Wind fühlt man sich wie ein Seebär und genießt die Leere. In lauen Sommernächten sitze ich gerne mit einem kühlen Getränk in der Hand im Schneidersitz auf dem Beton. Dabei schaue ich mir wunderschöne Sonnenuntergänge an und wie der Himmel über dem gegenüberliegenden Containerhafen und Blohm+Voss immer röter wird. Wie sangen kettcar so schön: „An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus.“ Das Beste daran: Wir Hamburger haben einen Ort, der Touristen wie auch uns anzieht, den wir doch alle irgendwie lieben und der zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten sowie jedem Wetter andere Besucher aufnimmt.

Aus dieser Reihe:

Über

“Wenn Deutschland, dann Hamburg.” Am liebsten zumindest. Auch wenn es gerade nicht Deutschland ist, Hamburg ist das Zuhause im Herzen. Hier bei Elbmelancholie kann Inga über ihre Erlebnisse in der Hansestadt Hamburg und Gedanken zu den hiesigen Geschehnissen berichten. Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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