Ein neuer Flora-Besitzer und das Wiedersehen mit Calhanoglu

Bild: Inga Zimmermann
Wochenrückblicke

Wenn in dieser Stadt jemand 820.000 Euro für etwas ausgibt, um sicherzustellen, dass gewisse Personen nicht weiter den Volkszorn auf sich ziehen, dann hat im Normalfall der HSV mal wieder eine Trainer-Abfindung gezahlt. Diese Woche bekam aber nicht Herr Zinnbauer einen Scheck überreicht, sondern indirekt Herr Kretschmer. Die Stadt, beziehungsweise genau genommen die Lawaetz-Stiftung kaufte für den genannten Betrag die Rote Flora zurück. So solle nun verhindert werden, „dass die Immobilie von privaten Eigentümern für renditeorientierte, immobilienwirtschaftliche Interessen genutzt wird“, so Finanzsenator Peter Tschentscher. Das Datum des Rückkaufs hätte symbolischer kaum sein können: 25 Jahre nach der Besetzung.

Vergangenes Jahr hatten die Proteste um die Flora noch für Ausschreitungen gesorgt. Die hochgeschaukelte Stimmung endete letztlich in den Gefahrengebieten. Ob nun Ruhe einkehrt? Dauerhaft wohl eher nicht. Zumal sich bereits weiteres Konfliktpotential andeutet. Nach der Hooligen-„Demonstration“ in Köln wurden auch „Hogesa“-Veranstaltungen für Mitte November in Berlin und Hamburg angekündigt. Die wurde für Hamburg mittlerweile offiziell zurückgezogen, mobilisiert wird jedoch weiter kräftig, ebenso wie für eine angemeldete Gegendemonstration – letztere an der Flora.

Satt Protesten gab es in der zurückliegenden Woche jedoch zunächst einmal Momente des Innehaltens. Am Dienstag hingen in Hamburg die Flaggen auf Halbmast. Die Stadt nahm Abschied von Siegfried Lenz. Die Trauerfeier für den Schriftsteller fand im Michel statt. Reden hielten Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, Tomasz Andrukiewicz, Stadtpräsident der polnischen Stadt Ełk, Helmut Schmidt, Schriftsteller Karl-Heinz Ott und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz. Der sagte in seiner Trauerrede: „Lenz hat bewiesen, dass präzise Beobachtung und Benennung eine normative Wucht entfalten können, zu der moralische Anklagen allein niemals fähig wären.“ Die Erzählungen des Verstorbenen hätten die Kraft, uns vor allzu einfachen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu schützen.

Kommen wir nun doch noch zum HSV. Der durfte sich am Samstag über ein Wiedersehen mit Hakan Calhanoglu freuen. Das verlief alles andere als friedlich, wenngleich trotz zwischenzeitlicher Rudelbildung, vieler Fouls, Karten und Emotionen alles noch im sportlichen Rahmen blieb. Und in diesem konnte überraschend der HSV einen 1:0 Heimsieg gegen harmlose Leverkusener feiern. Das Tor schoss nach langer Durststrecke Kapitän Rafael van der Vaart per Elfmeter.

Eine Heimniederlage mussten dagegen am Freitag die Basketballer der Hamburg Towers in ihrem zweiten Spiel in der eigenen Halle einstecken. Das Match ging dabei denkbar knapp aus. Nach einer erfolgreichen Aufholjagd konnten die Gäste aus Paderborn ihrerseits das Spiel noch einmal drehen und zehn Sekunden vor Spielende per Freiwurf das Spiel entscheiden. Towers-Trainer Hamed Attarbashi meinte nach dem Spiel, dass sein Team „mental nicht auf der Höhe“ gewesen sei. Doch zum Wunden lecken blieb kaum Zeit. Am Sonntag folgte in Essen bereits das zweite Spiel des Doppelspieltags. Hier setze es jedoch eine weitere Niederlage. Die Paarung endete 76:69 für die ETB Wohnbau Baskets Essen

Wer nicht nach Essen fuhr, konnte sich in Hamburgs Innenstadt in den Tubel werfen, denn der letzte verkaufsoffene Sonntag des Jahres stand an. Das Motto: „Kunst und Kultur“. Um Geld ging es wahrscheinlich aber auch. Wer lieber ein wenig Bewegung genießen mag, kann seit Samstag wieder auf der Eisbahn des Planten und Blomen seine Kreise ziehen. Am Samstag fand in den Schaugewächshäusern des Botanischen Gartens zudem der Aktionstag unter dem Motto “Tropenträume unter Glas” statt. Und Konzerte bietet der November freilich auch eine ganze Menge.

Wir wünschen eine schöne neue Woche, in der im Übrigen der Winterdom losgeht.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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