„Mord mit Alsterblick“: Unerlaubte Gefühle

Bild: Judyta Smykowski
Kunst und Kultur

Der Kriminalroman „Mord mit Alsterblick“ spielt zu großen Teilen in Hamburg. Neben der eigentlichen Kriminalhandlung bietet Autorin Elisabeth Bacher Einblicke in die schwierige Situation der Kurden in Syrien – und ist damit aktueller denn je.

Ein Mann stürzt im Hauptbahnhof auf die Gleise und überlebt schwer verletzt. In seinem Hotelzimmer wird eine junge amerikanische Archäologie-Studentin tot aufgefunden. Der Anblick ihrer ausgeweideten Leiche lässt auf einen bestialischen Mord schließen. Sie und der Mann lernten sich bei Ausgrabungen in Syrien kennen. Der schwer traumatisierte Bano trifft in der Klinik auf Carla, eine junge Psychologin, die mit ihm eine Therapie zur Bewältigung des Traumas beginnt. Doch Carla hat selbst eine Menge traumatischen Ballast mit sich zu tragen.

Die Handlung spielt abwechselnd in Hamburg und in Rückblenden auf der Grabung in Syrien. Ein sehr spannender Aspekt der Geschichte ist die der Kurden. Es wird beschrieben, wie sie vergeblich um gesellschaftliche Anerkennung kämpfen und wie sie weiterhin die tiefe Sehnsucht nach einem eigenen Staat verspüren.

Carlas Interesse am schwer traumatisierten Bano ist geweckt. Er vegetiert vor sich hin und redet mit niemandem. Seine Angst, abgeschoben zu werden, ist zu groß. Die Psychologin bewegt sich auf einem schmalen Grad der Professionalität. Gefühle für einen Patienten, einen potentiellen Mörder, darf sie sich eigentlich nicht erlauben. Und doch kommen sich beide näher, was ihnen zum Verhängnis wird.

„Mord mit Alsterblick“ ist ein schöner Kriminalroman. Nicht unbedingt ist er jedoch ein Hamburg-Krimi, da die Informationen, die Schauplätze der Stadt, manchmal einfach nur in die Handlung gezwängt erscheinen. Der Hamburgaspekt ist für uns Leser, die die Stadt kennen, ein schönes Zusatzfeature. Aber das eigentlich zentrale Thema ist neben der Mordaufklärung die Geschichte der archäologischen Schätze Syriens und die schwierige Lage der Kurden, die anhand von Bano erzählt wird.

Die Autorin Elisabeth Bacher ist Journalistin. Im Rahmen von Ferienjobs war sie auf Ausgrabungen in Syrien. Die Schauplätze gibt es also wirklich. Die Sprache Bachers ist allerdings eine sehr einfache, gespickt mit vielen Floskeln. Die Beschreibungen der Figuren und Schauplätze bleiben simpel und eindimensional. Hamburg werde unter einer sengenden Hitze erdrückt. Carla habe eine Schildkröte, damit überhaupt ein wenig Leben in ihrer Wohnung sei.

Trotzdem ist es eine interessante Geschichte mit aktueller politischer Brisanz. Im Nachwort erklärt die Autorin, dass sie die Schauplätze auch wegen des aktuellen Bürgerkriegs in Syrien gewählt habe.

Elisabeth Bacher
Mord mit Alsterblick
Verlag Salonlöwe
12 Euro

Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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