Was macht denn die Blaualge im Umzugskarton?

Bild: Inga Zimmermann
Wochenrückblicke

Vergangene Woche hat Inga über die vielen Farben berichtet, die Hamburg durch die Woche begleiteten. Eine kam dabei nicht vor: grün. Dabei verwandelt sich unsere Stadt gerade in eine sehr grüne Stadt. Klingt gut? Naja, gemeint sind aber nicht Wiesen und Parks, sondern Hamburgs Gewässer. Ob Alster oder Stadtpark: Algen machen sich breit. Merkwürdiger Weise heißen die grünfärbenden Dinger Blaualgen. Vom Schwimmen wird, ob grün oder blau, jedenfalls abgeraten.

Vielleicht muss jemand demnächst die Alster aber auch Nachts abschließen. Mit Basketballkörben geschieht dies in Hamburg ja bereits, zumindest in der HafenCity. Über die groteske Story berichtete diese Woche die taz. Auf dem Vasco-da-Gama-Platz ist das Basketball-Spielen aus Lärmschutzgründen ab 20 Uhr verboten. Da ein Schild allein nicht ausreichte muss ein Mann nun täglich den Korb verriegeln.

Allgemein ist diese HafenCity ja ein seltsamer Ort. Auch wenn die Kollegin sie mittlerweile zu ihren Lieblingsorten zählt. In ihrem Text schrieb Inga schon sehr treffend: „Die Hafencity als solche ist den Hamburgern an sich suspekt.“ Das merkten wir auch Anfang der Woche. Bevor ich bei einem Termin bei Greenpeace zu Gast war, stieg ich einmal mehr aus der U4 aus. Angekommen an einem futuristischen Bahnhof geht man unzählige Treppen hinauf und landet inmitten einer Baustelle. Kein Wunder, das dort kaum jemand hinwill. Den Waggon meiner Bahn hatte ich zuvor jedenfalls für mich. Das launisch gepostete Bild der leeren U-Bahn mit dem Kommentar “Rushhour in der U4 (Hafencity)” bekam viel mehr Likes, als ich es erwartet habe. Kleiner stiller Protest, was?

Während in der HafenCity jedenfalls tendenziell eher die Leute mit zu viel Geld zuhause sind, gab das Statistikamt Nord diese Woche bekannt, wie viel die Stadt Hamburg für diejenigen aufwenden musste, die nicht genug Geld haben. 2013 wurden fast 900 Millionen Euro für Sozialhilfeleistungen gezahlt. Das sind etwa vier Prozent mehr als 2012 und satte 27 Prozent mehr als noch 2008. Verteilt haben sich die Ausgaben wie folgt:

Kommen wir zum Thema Umzüge: Ende September muss das freundlich + kompetent umziehen oder genauer gesagt: erst einmal ausziehen. Wir hatten bereits vor etwa einem Jahr darüber berichtet, dass die Musikkneipe für ein neues Gebäude weichen muss. Nun ist es bald soweit. Zum Abschluss soll es noch einmal eine Party geben. Ob das jedoch klappt, wenn am nächsten Tag schon alles ausgeräumt sein muss, ist fraglich. Aber: Man hoffe auf ein kleines Entgegenkommen des Vermieters diesbezüglich, sagte man meiner Kollegin Janka. Nach dem Auszug soll jedenfalls der Umzug in eine neue Location folgen. Die Rede ist von einem Standort in Barmbek-Süd. Da ist aber noch nichts in trockenen Tüchern.

Umziehen will auch das US-Konsulat. Das berichtete der NDR Mitte der Woche. Gesucht würden laut Generalkonsulin Nancy Corbett zweckmäßigere Räumlichkeiten. Zu welchem Zweck sagte sie jedoch nicht. US-Vertretungen in Deutschland erfüllen den Medienberichten der vergangenen Monate zufolge ja so einige. Als neuer Standort ist das Brahmskontor im Gespräch. Das liegt Luftlinie ähnlich weit vom Rathaus entfernt, wie der aktuelle Standort. Wie es aussehen kann, wenn im Kontor die USA walten, kann man bald im Film „Marionetten“ mit dem mittlerweile verstorbenen Philip Seymour Hoffman sehen. Der Film rund um CIA-Agenten wurde 2012 im Brahms-Kontor gedreht. Real arbeiten dort täglich viele Angestellte anderer Firmen (so auch ich mehrfach die Woche). Angesichts der Ankündigung, dass für einen ausreichenden Schutz des Konsulats “strenge Zugangskontrollen und Panzerglas” nötig seien, werden die meisten Mieter wohl keine Freudensprünge gemacht haben, als sie von den Plänen hörten. Vorschlag an die Amerikaner: Zieht doch statt dem Bezirksamt Mitte zu Springer: Das sind nur 200 Meter weiter und Sicherheitkontrollen zum Einlass gibt es da schon.

Vielleicht wird der Umzug aber auch noch ganz abgesagt, so wie – oh Wunder – das Konzert der Beginner vor de Roten Flora. Auch hier sind Sicherheitsbedenken das Problem. Vollkommen überraschender Weise würden zum Gratis-Konzert wohl eine Menge Menschen kommen. Aber das konnten ja bereits der rappende Panda Cro und sein Deo vor einigen Monaten nicht ahnen.

Fassen wir zusamen: Falls ihr die Woche auf WG-Gesucht eine Anzeige für eine 3er-WG aus US-Konsulat, Musikkneipe und Blaualge findet – nicht wundern. Wir wünschen jedenfalls eine sichere und im Anbetracht der politischen Weltlage gerne auch etwas friedlichere, neue Woche.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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