Zeise-Parkplatz: Anwohner starten Online-Petition gegen Bürobebauung

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Debatte, Netzleben

Seit vergangener Woche berichteten mehrere Hamburger Medien über einer Kehrtwende in Ottensen. Der Zeise-Parkplatz (Ecke Behringstraße / Friedensallee) soll bebaut werden. Nicht jedoch, wie noch zu Jahresbeginn verkündet, für Wohnungen. Stattdessen will sich das britische Werbeunternehmen WPP, zu dem auch die bereits in Hamburg angesiedelte Agentur Scholz & Friends gehört, dort niederlassen. Die Politik ist offenbar zum Umschwenken bereit. Einige Bürger wollen dies nicht auf sich sitzen lassen. Sie haben eine Online-Petition gestartet.

Für alle, die die Geschehnisse um den Zeise-Parkplatz bislang noch nicht verfolgt haben, sei zunächst kurz zusammen gefasst, was zuletzt berichtet wurde. Ursprünglich sollte auf dem Gelände das „Zeise II Quartier“ entstehen. Die Rede war von insgesamt 86 Wohnungen, wovon die Hälfte geförderter Wohnraum werden sollte. Doch jetzt kommt offenbar alles anders – in Form eines Bürogebäudes. Das Abendblatt schreibt: „Hinter den Kulissen sprach man zwischen Politik und Investoren schon seit Monaten über die neuen Pläne für das Gelände.“ Und weiter „Bis zu den Wahlen sollte nichts durchsickern. Zu brisant sei die Abkehr vom sozialen Wohnungsbau, so die Befürchtung.“ Ähnliches berichtet die Mopo. Sie schreibt: „Nach Mopo-Informationen sind neben dem zuständigen Bezirksamt Altona auch der Senat und Bürgermeister Olaf Scholz involviert.“

Eine entscheidende Rolle spielt laut taz zudem das Hamburger Unternehmen Procom. Nach der ursprünglichen Planung habe die Stadt dem Unternehmen einen günstigen Kaufpreis in Aussicht gestellt. „Doch Procom überlegte es sich anders und zog zusammen mit der Firma Quantum Projektentwicklung den „Kommunikationsdienstleister“ WPP an Land“, so die taz. Nun wollen Procom und Quantum gemeinsam dort, wo derzeit der Zeise-Parkplatz ist, ein sechsstöckiges Bürohaus mit 13.000 Quadratmetern Mietfläche errichten. Es gebe sogar bereits einen Vorschlag eines Architektenbüros. Bezirkspolitiker von SPD, Grünen und CDU zeigen sich in den Berichten nicht abgeneigt.

Gibt es also keine Hoffnung, das Projekt noch zu kippen? Zumindest versuchen wollen es die Initiatoren einer Online-Petition mit dem Titel: „Wohnungen statt Werber – keine Bürobebauung für „Zeise II“ an der Friedensallee. Gerichtet ist sie an die Bezirksversammlung Altona. In der Petition heißt es: „Wir fordern hiermit den Bezirk Altona auf, eine solche Bürobebauung zu verhindern. Nein, nicht weil wir „Wutbürger“ sind und dem baulichen Fortschritt im Weg stehen wollen. Es geht vielmehr darum, das Wenige, das vom „ursprünglichen“ Ottensen geblieben ist, zu erhalten.“ Weiter ist zu lesen, dass ein Werbe-Büro für 850 Mitarbeiter auf einen Schlag die Bevölkerungs-Struktur in Ottensen verändern würde. Abschließend heißt es: „Büroflächen gibt es in Hamburg mehr als ausreichend. Was fehlt sind Räume, in denen die Menschen, die diese Stadt ausmachen, wohnen und (sich aus-)leben können.“

Ob der Bürgerprotest die Politik überzeugen kann? Derzeit hat die Petition zum Zeise-Parkplatz noch nur eine zweistellige Zahl an Unterzeichnern. Wir behalten das Thema im Auge.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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