Mit dem Board über die Alster – Stand Up Paddling

Bild: Inga Zimmermann
Sport

Die Wettervorhersage für den vergangenen Mittwoch, insbesondere den Abend, sah nicht gut aus: Es war von Regenschauern und Gewitter die Rede. Auch an den vergangenen Tagen war es eher dürftig und weniger sommerlich. Doch warum spielte das Wetter an diesem Abend so eine Rolle für mich? Ich war für einen Einsteigerkurs im Stand-Up-Paddling (kurz: SUP) beim Hochschulsport der Universität Hamburg angemeldet und bei Gewitter hätte ich mich sicherlich nicht aufs Wasser getraut. Am Mittwochabend aber schien die Sonne, es waren 20 Grad und es war nahezu windstill. Nur ein paar dunkle Wolken zogen über den Himmel, aber immer noch weit genug entfernt.

Ich denke, wir alle haben uns mittlerweile an das Bild von Stand-Up-Paddlern neben anderen Wassersportlern wie den Ruderern, Seglern und Kanufahrern, sowie dem Fährverkehr auf der Alster und den Kanälen gewöhnt. Doch interessiert schaue ich mir die Stand-Up-Paddler immer noch an. Ich bin immer gespannt, ob nicht doch einer ins Wasser fällt. Das muss ich zugeben. Doch die Meisten stehen sicher auf ihren Boards und scheinen ihre Tour über die Alster zu genießen.

Stand-Up-Paddling enstand auf Hawai. Die Surflehrer hatten festgestellt, dass sie einen besseren Überblick über die Wellen und ihre Surfschüler hatten, wenn sie stehend auf ihrem Surfbrett über die Wellen fuhren. In Hamburg gibt es seit einigen Jahren immer mehr Möglichkeiten, auch im ruhigen Gewässer die Trendsportart auszuprobieren.

Etwa fünf Prozent fallen ins Wasser

Diese Erklärungen zur Geschichte und zur örtlichen Begebenheit lieferte mir übrigens Nils, der die heutige, lernwillige sportliche Gruppe von sieben Teilnehmern anführte. Nach diesem kurzen Einstieg kam die eigentliche Einführung in die praktischen Dinge des Stand-Up-Paddlings. Man benötigt hierfür ein Board und ein Paddel, was uns aber weniger überraschte. Das Board unterscheidet sich von Surfboards darin, dass es wesentlich größer ist und man so einfacher über Wellen getragen wird sowie auch deutlich mehr Stabilität im Stand hat. Selbst Surf-Longboards sind noch kleiner als die, die man für das Stand-Up-Paddling verwendet.

Eine wichtige Frage war noch offen – wie hoch ist das Risiko, reinzufallen? Wir wurden beruhigt: Nur um die fünf Prozent fallen in den Einsteigerkursen vom Board. Doch wenn wir ins Wasser fallen, sollten wir unbedingt als erstes nach unserem Paddel greifen und erst danach zum Board schwimmen. Sollte das Paddel nämlich untergehen (was es natürlich schneller tut als das Board), könnte es kompliziert werden, weiter voran zu kommen. Ich stellte mir vor, wir unsere Gruppe bäuchlings liegend auf den Boards mit den Armen zurück an unseren Steg ruderte – das wäre sicherlich auch lustig und hätte alle anderen Wassersportler, Spaziergänger und vorbeifahrenden Radfahrer amüsiert.

Nils erklärte uns, wie wir die ideale Länge des Paddels einstellen und wie wir die Bretter am besten transportierten – und los ging es. Ich ging mit den zwei Freunden voran an den Steg. Es sah sicherlich sehr unbeholfen aus, wie wir versuchten, bestmöglich die Boards ins Wasser zu lassen, ohne das Ruder an der Unterseite zu beschädigen. Aber wir meisterten es und konnten so vergleichsweise mühelos auf die Boards steigen. Zunächst in kniender Position ging es weg vom Steg.

Es kostete einige mehr, andere weniger Überwindung, aufzustehen. Ich hatte mich recht schnell in die aufrechte Position gewagt, denn was außer reinfallen konnte schon passieren? Sobald ich stand, ließ mein Respekt vor dem Unbekannten jedoch nicht so schnell nach. Ich benötigte ein paar Minuten, um mich dran zu gewöhnen und herauszubekommen, wie ich das Board bestmöglichst unter mir stabilisiere. Letztendlich wackelten meine Knie jedoch nicht allzu lange und ich begann, es zu genießen, stehend über die Alster zu gleiten.

Schnell setzt Entspannung ein

Nachdem alle auf ihren Boards standen, ging es ans Herantasten, wie man bestmöglich vorwärts kommt. Hierfür sollten wir zunächst nach ein paar Tipps ein bisschen hin und her fahren. Schnell wurden Fotos gemacht und los ging es zu einer zweistündigen Fahrt durch die Kanäle. Ich merkte schnell, wie schwierig es war, geradeaus zu fahren. Stieß ich mich an der rechten Seite im Wasser ab, fuhr ich nach links. Tat ich das Umgekehrte, änderte sich meine Fahrtrichtung nach rechts. Doch glücklicherweise war ich hier nicht die Einzige, der es so ging und so versuchten wir uns alle an der bestmöglichen Taktik, voranzukommen. Dabei genossen wir bereits die Umgebung und wir unterhielten uns und lernten so die anderen Kursteilnehmer kennen. Doch mein Ehrgeiz, schnellstmöglich die beste Fahrtechnik zu beherrschen und die generelle Faulheit, durch Zickzackkurs unnötige Strecken hinter mir zu lassen, waren natürlich dennoch vorhanden.

Es war echt erstaunlich, wie gut das Fahren bei uns allen klappte und wie schon nach den ersten Metern Entspannung einsetzte. Die Standposition auf dem Board, das Vorangleiten durch das Wasser und der laue Sommerabend machten echt Spaß. Der recht rege Betrieb in den Kanälen zwang einen automatisch, seine Fahrtechnik stetig zu verbessern und so konnten wir alle recht schnell den Alsterdampfern oder Drachenbooten ausweichen. Wichtig ist natürlich, als doch langsamerer Stand-Up-Paddler rechtzeitig den Wasserweg für andere Wassersportler frei zu machen.

Wir fuhren zwei Stunden durch die Kanäle. Zwischendurch trafen wir uns immer wieder, um immer neue Techniken zu erlernen und Tipps umzusetzen, um schneller zu drehen oder um besser vorwärts zu fahren. Die Zeit verging sehr schnell, allzu anstrengend war das Stand-Up-Paddling nicht. Ich denke, je öfter man mit einem Board auf dem Wasser unterwegs ist, desto besser wird die Technik und so rückt dann auch mehr der sportliche Aspekt in den Vordergrund: Mein nächstes Ziel ist es (nach dem Geradeausfahren), schneller zu werden.

Fahrten schon ab 8 Euro

Wer gerne eine kurze Anleitung haben will, in einer Gruppe unterwegs sein und dabei nette Menschen kennen lernen möchte, für den sind die Einsteigerkurse des Unisports der Universität Hamburg eine gute kostengünstige Option (10-18 Euro für 2 Stunden), für die man kein eingeschriebener Student sein muss. Doch so ein Kurs ist sicherlich nicht zwingend notwendig, denn man lernt das meiste durch Ausprobieren. Überall an in den Kanälen und an der Außenalster gibt es Verleihe, die Segelboote, Ruderboote und Kanus verleihen. Stand-Up-Boards plus Paddel könnt ihr auch an dem Unisteg leihen (10 Stunden für 36- 75 Euro), aber auch unter anderem an folgenden Orten:

  • Der SUP Club bietet zahlreiche Kursvariationen (zum Beispiel 35 Euro für 1,5 Stunden oder SUP-Race-Kurse.) an und ermöglicht auch Touren auf der Elbe. Ein Verleih (ab 12 Euro pro Stunde) mit mehreren Stationen ist ebenfalls angeschlossen.
  • Im Stadtpark gibt es ebenso einen Verleih (11- 20 Euro für 1 Stunde) durch die SUPco GmbH – aber auch Kurse werden hier angeboten (28 Euro für 1 Stunde).
  • Paddel Meier in Kirchwerder ist eine sehr kostengünstige Alternative (8 Euro für 1 Stunde), um auf der Gose-Elbe zu fahren, welche sich vielleicht mit einem Fahrradausflug verbinden lässt.

Das Schlimmste, was beim Stand-Up-Paddling passieren kann – ins Wasser zu fallen – passiert wie bereits erwähnt nur fünf Prozent der Anfänger. Nunja, es ist etwas peinlich, als einzige einer Gruppe ins Wasser zu fallen, weil man sich zu dumm bei einer „schnellen Drehung“ angestellt hat. Aber es ist okay. Mir ist eben dies nach der Hälfte unserer Kanalrundfahrt passiert: Ganz plötzlich fiel ich, war unter Wasser, tauchte auf, erinnerte mich, sofort das Paddel zu greifen und stieg lachend und hustend wieder aufs Brett. Um mich herum sah ich nur besorgte Blicke, aber es war alles in Ordnung und Schadenfreude hätte mich bei meiner Tollpatschigkeit nicht gestört.

Zum Glück war es auch um etwa acht Uhr an diesem lauen Abend warm genug, sodass ich zurück im Stand nicht anfing zu frieren. Mein Sturz hatte im Nachhinein den Vorteil, dass ich nun vollkommen furchtlos weiterfahren konnte und mich vielfältig in Fahrvariationen ausprobierte – denn mehr als reinfallen konnte ich nicht und schlimm wäre dies ja nicht gewesen; nass war ich bereits.

Über

“Wenn Deutschland, dann Hamburg.” Am liebsten zumindest. Auch wenn es gerade nicht Deutschland ist, Hamburg ist das Zuhause im Herzen. Hier bei Elbmelancholie kann Inga über ihre Erlebnisse in der Hansestadt Hamburg und Gedanken zu den hiesigen Geschehnissen berichten. Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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