Gunther von Hagens „Körperwelten – Eine Herzenssache“

Bild: Paul Stevenson via Flickr / Lizenz: CC-by
Allgemein, Kunst und Kultur

Die weltweit gezeigte und einst umstrittene Ausstellung „Körperwelten“ von Mediziner Dr. Gunther von Hagen und Kuratorin Dr. Angelina Whalley kommt am 16. Mai für fünf Monate nach Hamburg. Unter dem Titel „Eine Herzenssache“ verdeutlichen ein Teil der rund 200 Exponate die Organfunktionen des Herzens und zeigt die häufigsten Herzerkrankungen auf.

Neben den rein körperlichen Aspekten greift die Ausstellung auch die emotionalen Assoziationen mit dem Organ Herz auf. So steht umgangsprachlich das klopfende Herz für Leidenschaft, Angst und Kummer. In der kulturellen und religiösen Symbolik ist das Herz bezeichnend für Liebe, Mut und Mitgefühl. Das Zusammenspiel der drei Aspekte (Anatomie, Emotion und Symbolik) soll die Besucher der Ausstellung  zu einer herzbewussten Lebensweise animieren, ohne dabei mahnend zu sein.

Die Plastinationstechnik

Rund 1500 Arbeitsstunden werden benötigt, um ein Präparat für die Ausstellung vorzubereiten. Die zur Erhaltung der menschlichen Körper verwendete Methode wird Silikonplastination genannt und verläuft im Wesentlichen in fünf Phasen:

Phase 1: Fixierung
Damit der Körper in seiner natürlichen Struktur erhalten bleibt, wird der Verwesungsprozess gestoppt. Dies geschieht durch die Injektion von Formalin in die Arterien. Die zersetzenden Bakterien werden getötet und der Verfall des Körpers durch einen chemischen Prozess Einhalt geboten. Anschließend werden Haut, Bindegewebe und Fett entfernt, um die anatomischen Strukturen offen zu legen.

Phase 2: Entwässerung und Entfettung
Im zweiten Schritt wird der Körper zur Entwässerung und Entfettung in ein Azeton-Bad eingelegt. Das Azeton löst die löslichen Fette und entfernt das Wasser, so dass es anstelle derer in jede einzelne Zelle eintreten kann.

Phase 3: Imprägnierung
In der dritten, zentrale Phase des Plastionationsprozesses wird das Azeton gegen Kunststoff ausgetauscht. Dafür wird der Körper in eine Kunststofflösung eingelegt und in eine Vakuumkammer gestellt. Das Vakuum sorgt dafür, dass das Azeton aus dem Gewebe herausgesaugt und in jeder Zelle durch Kunststoff ersetzt wird.

Phase 4: Positionierung
Gebückt, hockend oder nachdenklich sitzend: Der Körper wird nun in die gewünschte Position gebracht und mit Klammern, Draht und Nadeln befestigt. Dabei wird darauf geachtet, dass jeder einzelne Gewebestrang in der anatomisch richtigen Struktur verläuft.

Phase 5: Härtung
Je nach Art des verwendeten Kunststoffes erfolgt die Härtung durch Wärme, Gas oder Licht.

Körperwelten – der Welterfolg

Seit 1996 haben mehr als 37 Millionen Besucher die beeindruckende Wanderausstellungen des Plastinators besucht. Neben menschlichen Exponaten gibt es seit 2010 zusätzlich die Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ für die unter anderen verstorbene Elefanten und Gorillas plastiniert wurden. Neben der Ausstellung „Körperwelten“ gibt es auch vergleichbare Ausstellungen von anderen Veranstaltern. Zum Beispiel die anatomische Ausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“ vom Verein „Pro Organspende e.V.“.

Daten zur Ausstellung: Körperwelten – Eine Herzenssache

Dauer: Freitag, 16. Mai bis Mittwoch, 15. Oktober 2014
Ort: KulturCompagnie in der Hamburger HafenCity
Öffnungszeiten:
Montags bis Freitags: 9-19 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr)
Samstags: 10-21 Uhr (letzter Einlass 20 Uhr)
Sonntags: 10-19 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr)
Preise: Erwachsene 19 Euro, ermäßigt 15 Euro, Kinder & Jugendliche 13 Euro

Über

Rabea ist Ökotrophologin, freie Journalistin und Bloggerin. Sie lebt auf St. Pauli und schreibt über Hamburg, Food, Kultur und Ansichten.

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