Abgesagtes Cro-Konzert: Irgendwo zwischen PR-Coup und PR-GAU

Bild: fox_kiyo via Flick.com. Lizenz: CC-by-sa
Debatte

Am vergangenen Dienstag erreichte uns eine Pressemitteilung einer Berliner PR-Agentur, in der ein Gratis-Konzert angekündigt wurde. Dieses Mal ging es nicht, wie sonst so oft, um eine unbekannte Nachwuchsband, sondern um den deutschlandweit bekannten Rapper Cro. Darüber berichtet haben wir aber dennoch nicht. Der Grund: Die Pressemitteilung war auf Benefiz-Konzert getrimmt, triefte aber nur zu von Werbung für eine Kosmetikmarke.

Andere Medien, darunter die Morgenpost und auch das Abendblatt, hinderte das nicht, die Meldung zu veröffentlichen, was noch verzeihlich wäre, wenn die Kollegen die Umstände ein wenig eingeordnet hätten und nicht unkritisch aus der Pressemitteilung übernommen hätten. Man könnte etwa sagen, dass die genannte „Friedenskampagne“ schlicht und ergreifend die aktuelle Werbekampagne inklusive Saison-Marke ist. Vielleicht, ja vielleicht, will sich die Firma damit auch ein bisschen „für eine friedlichere Welt [] engagieren“. Ganz sicher aber will sie Duschzeug und Deo verkaufen. Und auch die Frage, ob man neben der Brand-Marke auch noch den Mutterkonzern nennen muss, ist sehr fragwürdig. Ich jedenfalls hätte über den Text auf der Website des Abendblatts „Anzeige“ geschrieben.

Den Sponsor wird es gefreut haben, der Plan schien voll aufzugehen. Irgendwo wird sicher jemand viel Arbeit mit den Reportings gehabt haben, denn die Presseveröffentlichungen waren zahlreich. Vielleicht zu zahlreich. Am Freitag folgte nämlich Part zwei der Geschichte: Das Konzert wird abgesagt. Der Grund: Angeblich sei der absehbare Andrang so hoch, dass die Sicherheit nicht zu gewährleisten sei. Wieder gibt es Startseiten-Berichte, wieder wird auch der Deoherrsteller genannt. Angeblich soll es ein Ersatzkonzert geben. Fans dürfen also weiter regelmäßig auf den einschlägigen Seiten des Sponsors nachschauen, ob schon etwas angekündigt ist.

Da liegt der Verdacht nah, dass hier jemand einen PR-Coup gelandet hat. Großes Presse-Echo und das ganz ohne wirklich ein Konzert veranstalten zu müssen. Wie kann man dies erst planen und einen Tag vorher merken, dass viele Menschen zu erwarten sind? Geheim ist das alles sicher nicht, wenn man die Pressemitteilungen an alle Medien sendet. War dieses Vorgehen etwa von Beginn an geplant? Das wäre schon ziemlich dreist.

Die Alternative zum Medienhack ist, dass die Planungen tatsächlich nicht hinreichend waren. Man hat große Töne gepuckt, einen Star für lau versprochen und konnte nicht liefern. Das wirkt sich sicher nicht positiv auf das Marken-Image aus, wobei die Welt der PR manchmal verschlungen und unverständlich ist. Zugute halten müsste man in diesem Fall jedoch, dass man die Sicherheit vorgehen ließ – was passieren kann, wenn man dies nicht tut, konnte man damals bei der Loveparade in Duisburg miterleben.

Ich fragte bei der PR-Agentur per E-Mail nach: Ist wirklich ein Ersatzkonzert geplant? Wieso wurde die Lage innerhalb weniger Tage vollkommen anders eingeschätzt? Was entgegnen Sie dem Vorwurf, dies sei von vorne herein geplant gewesen? Eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten. Sollte diese eintreffen, liefere ich sie an dieser Stelle freilich nach!

Das Nicht-Cro-Konzert von Hamburg. Der Weltfrieden wird durch dieses Drama in zwei Akten nicht näher gerückt sein und auf die Entscheidung, welches Duschzeug ich beim nächsten Einkauf hole, hatte die PR-Aktion auch keinen Einfluss. Aber auf einen Song von Cro hätte ich jetzt Bock…

Bild: Hat zwar eine Panda-Maske, ist aber nicht der Cro. Fotograf fox_kiyo. Lizenz: CC-by-sa

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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