Auch Hamburgs Schüler gespalten in Sachen G8

Foto: Clemens v. Vogelsang via Flickr.com / Lizenz: CC-by
Debatte

Laut einer Umfrage der Jungen Union (JU) Hamburg unter 431 Gymnasialschülern, gibt es bei den kommenden Abiturienten dieser Stadt kein eindeutiges Stimmungsbild hinsichtlich der bevorzugten Gymnasialzeit. Nach der gewünschten Schuldauer befragt – 12 oder 13 Jahre – habe jeweils die Hälfte der Schüler zu einer neunjährigen, die andere Hälfte zu einer achtjährigen Zeit an der weiterführenden Schule tendiert, gab die Nachwuchsorganisation der CDU heute in Wilhelmsburg bekannt. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ.

Das G8-System, das acht Jahre Gymnasium und somit insgesamt zwölf Schuljahre vorsieht, wurde in Hamburg 2002 unter der CDU-Regierung in Koalition mit FDP und Schill-Partei beschlossen. Viele andere Bundesländer taten das gleiche, ruderten zum Teil aber wieder zurück. Die Argumente: Die Schüler müssten zu viel Stoff in zu kurzer Zeit lernen, es bleibe keine Zeit für Vertiefungen oder außersportliche Aktivitäten wie Musikschule oder Sportverein. Zudem müsse zum Teil der Lehrstoff reduziert werden. Niedersachsen will unter der neuen Regierung ganz wieder zur 13-Jährigen Schulzeit zurückkehren, andere Bundesländer schafften Wahloptionen.

Und Hamburg? In Hamburg fordert die Volksinitiative “G9 jetzt! Hamburg” ebenfalls eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für alle Hamburger Gymnasien. Ein Volksentscheid zu diesem Thema ist nicht unwahrscheinlich. Wie machtvoll dieses Instrument sein kann, erlebte die Politik bereits, als es um den Netzrückkauf ging. Auch in der Bildungspolitik gab es hier bereits einen bedeutenden Volksentscheid, der die geplante Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre verhinderte.

Die Parteien reagieren deshalb bereits. Die SPD sucht das Gespräch mit der Bürgerinitiative. Die CDU rückt in Teilen von ihrer bisherigen Position ab. Sie könne sich vorstellen, zumindest an einigen der Gymnasien in Hamburg auch wieder Abitur nach 13-Regeljahren anzubieten, war zuletzt zu lesen. Das ist der Bürgervereinigung freilich nicht genug.

Das sind die Rahmenbedingungen, unter deren Eindruck die nun von der JU vorgestellte Umfrage steht. Im Detail sehen die Ergebnisse folgendermaßen aus: G8 oder G9? Eigentlich egal, so der Tenor. Zwar sei die Hälfte für Abitur nach 13 Jahren, nach einer “objektiven Bewertung” befragt hätten jedoch zwei Drittel der Schüler angegeben, dass das Abitur nach acht Jahren Gymnasium “gut zu schaffen” sei.

Nur 21,6 Prozent geben nach den dringendsten Problemen an Hamburgs Gymnasien befragt einer erneuten Diskussion zum Thema G8/G9 eine Relevanz – deutlich mehr nannten der JU-Umfrage zufolge die Qualität des Unterrichts bzw. des Lehrpersonals (50,6 %), die Inhalte der Lehrpläne (33,2 %) und die Raum- und Kantinensituation an ihrer Schule (30,4 %). Nur diese vier Punkte wurden erfragt, Mehrfachnennungen waren möglich.

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Befragt wurden Schüler folgender Gymnasien

  • Gymnasium Eppendorf
  • Gymnasium Corveystraße
  • Christianeum
  • Kurt-Körber-Gymnasium
  • Immanuel-Kant-Gymnasium
  • Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
  • Lise-Meitner-Gymnasium
  • Albrecht-Thaer-Gymnasium

Befragungszeitraum: 31. März – 10. April.
Teilnehmer: 431 Schüler

Angaben: JU Hamburg

Auf die Frage, ob sie ihren Schulalltag als „zu stressig“ empfinden würden, antworteten die befragten Gymnasiasten je zur Hälfte mit ja oder nein, so die JU. Wie groß jedoch die Schnittmenge zwischen denen ist, die den Schulalltag als zu stressig empfinden und denen, die lieber G9 anstelle von G8 hätten, hat die JU laut eigenen Angaben nicht untersucht. Auch wurde in der Befragung nicht näher auf die Auswirkungen von G8 auf außerschulische Belange eingegangen.

Carsten Ovens, der Landesvorsitzende der JU, sagte gegenüber Elbmelancholie: „Wir haben vermisst, dass der Schulsenator mit den direkt Betroffenen das Gespräch sucht.“ Das habe seine Organisation mit der Befragung nun getan. Es überrascht wohl keinen, dass die JU die Ergebnisse der eigenen Befragung als Bestätigung ihrer Position deutet. „Die schulpolitische Situation und das krasse Auftreten der Initiative G9 jetzt hat nichts mit der Lebenswirklichkeit der Schüler zu tun“, kommentiert der stellvertretende JU-Landesvorsitzende Thomas Mühlenkamp uns gegenüber. Die Antworten zeigten deutlich, dass die aktuelle G8/G9-Debatte bislang an den tatsächlichen Bedürfnissen der Schüler vorbei gehe, so die Folgerung der Partei-Jugendorganisation. Die Debatte um das Schulsystem in Hamburg geht in die nächste Runde. Kein Wunder: Es ist Wahlkampf.

Foto: Clemens v. Vogelsang via Flickr.com / Lizenz: CC-by

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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