Made in Hamburg: Innovatives aus der Perle

Bild: Guido Ziegerahn
Stadtgefühl

Pop-up Stores liegen im Trend. Zahlreich sind sie in Hamburg vertreten und wechseln stetig ihr Erscheinungsbild: frisch gebraute Biere, ein Pflanzstudio und  hyperlokale Produkte standen beispielsweise im Pop-up Store beim Grünen Jäger schon hinter der Glasfassade. Sogar ein einschlägiger Schokoladenhersteller hat sich von den kleinen, kreativen Leuten  inspirieren lassen und springt (natürlich in größeren Dimensionen) auf den Trend des Pop-up Stores in Hamburg auf.

Was nach dem auf und wieder weg ploppen bleibt, sind die Ideen – geballte Kreativität. Meist zu schade, um einfach wieder zu verschwinden. Doch so ergeht es vielen tollen Projekten und guten Produkten. Dass dies so nicht weitergehen kann, sollte klar sein, deshalb zeige ich euch heute im dritten Teil unserer Serie „Made in Hamburg“ pfiffige Einfälle und nachhaltige Konzepte, die auf hanseatischen Boden produziert und umgesetzt werden – und die auf keinen Fall einfach wieder verschwinden sollten. Denn sie bereichern auf die eine oder andere Weise unser Leben.

Stop the water while using me

Wir leben in einer Stadt, in der Wasser als etwas Selbstverständliches angesehen wird. Es ist immer da, sobald wir den Hahn aufdrehen. Dabei ist es wichtig, dass auch wir mit dieser Ressource sorgsam und bedacht umgehen. Und es ist wirklich einfach, dabei Nachhaltigkeit zu üben: Einfach das Wasser stoppen, wenn man es gerade nicht aktiv nutzt. Zum Beispiel beim Haare einschäumen oder beim Zähneputzen. Uns kostet es zwei Sekunden unseres Lebens. Zeit, die uns, sind wir mal ehrlich, nicht fehlen wird, aber der Ressource Wasser zugute kommt. Die Produkte von „Stop the Water while using me“ erinnern uns tagtäglich daran, wie wertvoll Wasser ist – und das nur durch den simplen Aufdruck auf der schlicht gestalteten Packung von Zahnpasta, Zahnbürste, Shampoo und Seife. Bleibt nur noch die Frage: Siegt die Faulheit oder die Vernunft?
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Pechkeks

Der schwarze Anti-Keks zum hellen Kultgebäck: Dagegen sein liegt in meiner Generation im Trend, da kommt der Pechkeks gerade recht. Wieso also Glück haben, wenn man doch auch Pech haben könnte? Mit einem Knacks und einem Happs wird beim Pechkeks die negative Zukunft offenbart. Schwarzseherische Sprüche wie „Du wirst niemals das erhalten, was du dir erwünschst“ oder „Du kannst ruhig weiter reden, es hört Dir sowieso niemand zu“ lassen das Herz eines Pessimisten glatt höher schlagen. Bei so viel Kreativität kann ich nur noch wünschen: Viel Pech!

Grünanteil.net

Die Internetplattform Grünanteil.net befindet sich noch im Aufbau, doch die Idee ist bereits formuliert: Gleichgesinnte Menschen vernetzten, um die Stadt nachhaltig zu verschönern, Grünanteile zu nutzen und Wissen auszutauschen. Zum Beispiel kann ein Stadtimker interessierten Menschen das Imkern beibringen oder der Besitzer eines großen Garten diesen der Gemeinschaft zum Gärtnern zur Verfügung stellen. Die Möglichkeiten dieses urbanen Naturprojektes sind im großen Umfang ausbaubar. Die Plattform sorgt für die Vernetzung, zeigt auf Karten attraktive Grünflächen in Hamburg auf, die zur Umgestaltung geeignet wären, und trägt dadurch zu einem schöneren Stadtbild bei. Zudem führt sie einen Veranstaltungskalender mit Terminen, die für Hamburger Gartenfreunde interessant sein könnten.

Feine Billeterie – Wertmarken für’s Leben

Wertmarken für das Leben – kleine Papierfetzen, die uns daran erinnern, wie wertvoll ein „Danke“ sein kann oder wie schön eine Einladung ist. Bunte Bons mit unter anderem den Aufschriften „Kuss“, „Sorry“, „Idee“, „Party“, „Erfolg“, „Sex“ oder „kein Sex“ helfen dabei, klare Aussagen oder lieb gemeinte Wünsche charmant zu übermittelt. Angeboten werden die Marken in der Rolle oder als Einzelstücke. Die Erfinder schreiben zu Ihrem Produkt: „Eins steht fest: man muss schon ein wenig verrückt sein, oder besser noch verliebt, um sich diese Wertmarken auszudenken. PFAFF & PFAFF haben Glück: sie sind beides.“

Seed Bombs 

Mehr grün, Hamburg soll blühen! Die populärste Waffe des Guerilla Gardenings sorgt für die Lösung: Seed Bombs. Die kleinen Erdkugeln sind gespickt mit reichlich Samen und lösen mit nur einem Wurf das Grau der Großstadtfassaden gegen farbenfroh sprießende Straßeninseln ab. Die Idee zur handgerollten Produktion der kleinen Bälle hatten gleich Hanseaten. So gibt es Seed-Bombs von Ahoimeise und Samen-Bomben von Locals Supply. Zum Angriff!

Kinderkofferklänge

Perfekt für den bevorstehenden Sommer: Um an einem lauen Sommerabend in die richtige Stimmung zu kommen, brauchen viele Menschen ihre Lieblingsmusik. Mit den Kinderkofferklängen kann diese sogar der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. In den kleinen, tragbaren Kinderkoffern befindet sich Soundsysteme an die ein mp3-Player unkompliziert angeschlossen werden kann. So ist  für musikalische Untermalung im Park, im Garten oder auf der Dachterrasse gesorgt. Betrieben werden die handlichen Boxen mit Batterien, die mindestens für 13 Stunden Musik vorsorgen. Die Preise für die Koffer-Unikate beginnen bei 139 Euro.

Remida – das kreative Recyling Centro

Die Idee hinter dem Projekt „Remida“ ist die Wiederverwertung von ungiftigen Industrieabfällen wie Stanzblechen, Papprollen, Rohrabschnitten und Tauenden. Firmen können ihre Reste bei Remida vorbeibringen und Kitas, Schulen oder Kulturprojekte dürfen sich aus dem Material das aussuchen, was sie für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gebrauchen können. Durch diesen Austausch landen noch gute Materialien in den kreativen Händen der jungen Generation, die daraus wieder etwas Neues entstehen lassen. Der Ursprung dieser Idee stammt aus der italienischen Stadt Emilia, seitdem hat sich diese Art des Materialaustausches in vielen Zentren weltweit etabliert. Das Hamburger Remida ist jedoch das erste derartige Projekt in Deutschland und gehört zum Aktionsplan „Hamburg lernt Nachhaltigkeit“.

Stadtwild

Wiederverwertung ist auch bei „Stadtwild“ das zentrale Thema. Doch hier steht kein Industriemüll vor einem zweiten Leben, sondern ausgediente Fahrräder werden als Kunstobjekt wiedergeboren. Sattel und Lenker werden mit geübten Blick als Geweih arrangiert und ersetzen in der guten Stuben die tierischen Jagdtrophäen. Die Basis für das Fahrrad-Geweih bildet ein zerbrochenes Skateboard. Dadurch entsteht ein durch und durch urbaner Look, der immer mehr Fans für sich begeistern kann.

Stadtspieler – Das Trainingsspiel für Stadtentwicklung und Kreativität

Das Spiel „Stadtspieler“ ist ein strategisches Brettspiel, das Menschen aus unterschiedlichen Richtungen zusammenbringt. Ziel ist es, eine Stadt gemeinschaftlich zu planen. Symbolisch werden für die Ideen selbst geknetete Figuren aufs Brett gesetzt. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ob ein Haus der Ruhe oder ein öffentliches Gartenprojekt – die Spieler planen ihre Stadt nach ihren Wünschen, Erfahrungen und Wissen. Das Spiel in seiner jetzigen Fassung wurde bereits 2009 entwickelt und bringt seitdem unterschiedlichste Menschen zusammen. Die nächste Stadtspieler-Werkstatt, bei der das Spiel ausprobiert werden kann, findet in Hamburg am Dienstag, den 9. September 2014 statt. Der Kostenbeitrag beträgt 5 Euro.

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Diese Liste erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dient lediglich der Inspiration.

Weitere Teile aus unserer Serie „Made in Hamburg“

Über

Rabea ist Ökotrophologin, freie Journalistin und Bloggerin. Sie lebt auf St. Pauli und schreibt über Hamburg, Food, Kultur und Ansichten.

1 Kommentar

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