Hamburgs Nahverkehrs-Wunschkonzert: Teil 1: U-Bahn-Ausbau

Bild: Andreas Grieß
Debatte

Pläne schmieden hat etwas Tolles: Man kann träumen, sich visionär geben und Probleme außen vor lassen. Und das Beste: Man muss sie in den meisten Fällen gar nicht umsetzen. Das gilt im besonderen Maße in der Politik. Und so lehnt man sich vermutlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass keines der derzeit kursierenden Konzepte zum Ausbau des Hamburger Nahverkehrs in der vorgestellten Form verwirklicht werden wird. Da bald aber zumindest Bezirkswahlen anstehen, lohnt dennoch ein Blick auf die munteren Konzepte.

Einig sind sich fast alle darin: Neue Linien sollen her. Doch dann beginnt bereits die Uneinigkeit. Wohin sollen diese neuen Linien führen? Welcher Verkehrsträger soll genutzt werden? Wir werfen in einer dreiteiligen Serie einen Blick auf die derzeit kursierenden Überlegungen. Im ersten Part: Die Überlegungen des Bürgermeisters Olaf Scholz.

Der Scholz-Plan

Bereits Ende letzten Jahres sagte Bürgermeister Scholz, er wolle weitere U-Bahn-Strecken. „Wir sollten von der kleinlichen Haltung der letzten Jahrzehnte Abstand nehmen, dass man in Hamburg keine S-Bahnen und keine U-Bahnen mehr bauen kann“, so Scholz damals in einem Interview. Eine Stadtbahn hält der SPD-Mann für nicht effizient genug: „Man muss sich überlegen, was in den 20er- und 30er-Jahren wichtig sein wird. Dann kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass man besonders leistungsfähige Verkehrsträger für eine weit ausgedehnte Stadt braucht. Und zu denen gehört eine Straßenbahn nicht“, sagte der Bürgermeister im gleichen Interview.

Doch wo sollen neue Strecken entstehen? Scholz blieb dabei eher vage, sprach von Wilhelmsburg, Lurup, Osdorfer Born, Steilshoop, Bergedorf und dem „Südosten der Stadt“, die langfristig besser oder überhaupt erst an das Bahn-Netz angeschlossen werden sollen. Die Hochbahn prüft Ausbau-Varianten.

Vor- und Nachteile

In einer Sache hat Scholz sicher recht: Eine U-Bahn ist leistungsfähiger als eine Straßenbahn. Als Mensch, der lange Zeit in einer Straßenbahn-Stadt gelebt hat, kann ich bezeugen, dass eine auf den Straßen oder auch neben den Straßen fahrende Bahn definitiv langsamer ist, als die Hochbahn in Hamburg. Wenn die Stadt weiter wächst, wäre eine U-Bahn vermutlich die Option, die den schnellsten Transfer ermöglichen würde. Noch dazu, wenn tatsächlich selbststeuernde Züge eingesetzt werden, die einen 90 Sekunden-Takt ermöglichen.

Der Haken am U-Bahn-Ausbau: Er ist teuer und auch der Betrieb ist kostenintensiver als eine Stadtbahn. Außerdem würde er lange dauern. Man erinnere sich allein daran, wie lang die wenigen Kilometer der U4 bisher gebraucht haben. Der formale Beschluss zum Bau der Linie in die Hafencity erfolgte Anfang 2003. Für gewöhnlich findet man beim Bau zudem immer noch ungeplant archäologische Funde oder – ganz sicher – Weltkriegsbomben, die den Bau verzögern. Nicht umsonst verwendet Scholz das Wort „langfristig“. Eine U-Bahn kann zudem die stark frequentierten Bus-Linien nur bedingt entlasten, da die Stationen weiter auseinander liegen.

Fazit

Groß gedacht, aber bislang weder konkret noch bezahlbar. Es fehlt zudem an einem „Übergangskonzept“, das bereits mittelfristig für Entlastung sorgt, denn Wohnraum entsteht zunehmend außerhalb des U- und S-Bahn-Netzes. Mein Tipp: Der große Aufguss, wie ihn Scholz gerne darstellt, kommt nur, wenn es auch einen großen Anlass gäbe. Ich werfe dahingehend mal wieder Olympia in den Ring. In Beijing war das der Anlass, den Nahverkehr mit U- und Hochbahnen schlagartig auszubauen. Allerdings: Dort wohnen auch fast zehnmal so viele Menschen und Geld spielt eine andere Rolle. Daher ist ein schleppender und phasenweiser Ausbau wahrscheinlicher. Oder anders gesagt: Auf absehbare Zeit wird sich bei diesem Konzept wenig verändern.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

1 Kommentar

  1. Wer die Straßenbahn noch miterlebt hat weiß,keiner braucht die Stadtbahn, weil er mit dem Fahrrad schneller ist.

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