Eine Nummer kleiner- Das Blankeneser Treppenviertel

Bild: Judyta Smykowski
Stadtgefühl

An manchen Orten in Hamburg kommt es einem vor, als wäre die schönste Stadt der Welt ein Dorf. Wenn ihr jetzt überhaupt noch weiter lest, dann erkläre ich euch, wie ich das meine. Wenn man Alt-Rahlstedt mit seinen schmucken Villen erkundet, hat man das Gefühl, dieser Teil der Hansestadt hat nichts mit der geschäftigen Mönckebergstraße zu tun. Ein geschlossener Kreis, geprägt von seiner Tradition und den alteingesessenen Bewohnern.

Das gleiche Gefühl beschleicht einen, wenn man das Blankeneser Treppenviertel besucht. Auf dem Weg in das Gebiet rund um den Süllberg passiert man vielleicht die Elbchaussee. Geprägt von dem Anblick der riesigen Residenzen auf dieser prächtigen Straße, blickt man auf das Treppenviertel wie auf eine Miniatursiedlung.

Kleine Fischerhäusschen aus vorherigen Jahrhunderten sowie kleine Reetdachhäuser stehen dicht an dicht an zahlreichen Hängen. Bis nach unten sind es um die 5000 Treppenstufen. Spaziert man die „Grube“, so heißt eine Straße, entlang, geht es steil nach unten. Das Schönste dabei: man hat stets einen Blick auf das „Tal“, bestehend aus dem Elbwanderweg und der breiten Elbe. Wenn man mag, spaziert man diesen Weg bis nach Teufelsbrück und kann dort eine Hafenfähre Richtung Finkenwerder nehmen.

Die Gehwege im Treppenviertel sind durch parkende Autos der Anwohner schmal, die Treppen an manchen Stellen auch. Da nur wenige Autos fahren und auch nur ab und zu eine HVV-Bergziege (so nennt man hier die kleinen Busse) vorbeirauscht, kann auch die Straße auf dem Weg nach unten genutzt werden. Dabei beschleicht einen das Gefühl, kleine Serpentinen entlang zu laufen. Auf diese Weise kann das Treppenviertel auch von Familien mit Kinderwagen oder Rollstuhl besichtigt werden. Wer jetzt sagt, ich stifte irgendjemanden zum Brechen von Verkehrsregeln an, der soll aufpassen, den Porsches auf dem Bürgersteig keine Kratzer zu verpassen.

Jetzt wo der Schnee geschmolzen ist und die Sonne sich langsam wieder zeigt, ist das Blankeneser Treppenviertel und der Elbwanderweg ein schönes Ausflugziel für das kommende Wochenende.

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Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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