Gut und fair: Mittagstisch in Hamburg

Bild: Rabea Ganz
Stadtgefühl

Wenn man etwas in Hamburg nicht tun muss, dann schlecht zu Mittag essen. Natürlich hat nicht jeder täglich 15 bis 20 Euro, um kulinarisches High-End zu verzehren. Doch häufig sind Gäste in Hamburger Restaurants bereits mit vier bis acht Euro für einen guten Mittagstisch dabei. Das sollte, ein normales Einkommen vorausgesetzt, ein bis zweimal wöchentlich machbar sein und unterstützt zudem die ansässige Gastronomie.

Für alle, die noch nicht wissen, wo sie sich für den Mittag stärken können nachfolgend ein Querschnitt durch die Mittagstische Hamburgs oder: „Neun Möglichkeiten, um anschließend zufrieden weiter zu arbeiten“:

Hej Papa – Kitchen and Koffee (Neustadt)
Als Andreas und ich das Hej Papa für ein Mittagessen betreten, sind die großen Schaufenster von innen beschlagen. Es rutscht bereits der ein oder andere Tropfen die Scheiben hinunter. Draußen ist es richtig kalt, drinnen hingegen sind die Tische voll besetzt – das Ambiente lauschig. Zirka 30 Personen haben zu Höchstzeiten Platz. Das Klientel diesen Mittag sind überwiegend 40 bis 50 Jährige, die wirken, als würden Sie hier ihre Mittagspause mit Freunden verbringen. Die hölzernen Tische zieren getrocknete Pflanzen und Kerzen. Die Küche ist offen und zeigt das Routieren der heimischen Crew. Die Tafel an der Front des Tresen verrät uns die mittägliche Kulinarik: Tarte mit Salat, Spaghetti mit Pesto (je 6,90 Euro), Broccoli-Zucchini-Suppe (5,90 Euro), Wintereintopf mit Rindfleisch, Lammwurst und Gemüse (8,90 Euro) und gebackener Ziegenkäse mit Salat (7,90 Euro) stehen zur Wahl. Das Gewählte kommt zügig, die Portionen sind fair bis üppig. (Falls es hier voll ist, gibt es nebenan die Salatbar Feld`s).

Uni Mensa (Rotherbaum)
Eine der günstigsten Möglichkeiten mittags in Hamburg den Magen zu füllen ist die Mensa der Universität Hamburg. Hier werden täglich bis zu sieben Gerichte (mindestens ein vegetarisches), etliche Gemüsebeilagen und diverse Desserts zubereitet. Zudem ermöglicht eine Salatbar, sich eine eigene Variante zusammenzustellen, deren Preis anhand des Gewichts variiert. Weiterhin sorgen lose Kuchen und Süßkram für die mentale Lern- oder Arbeitsbasis. Nicht Studierende zahlen zirka 20 Prozent mehr – was den günstigen Preisen keinen Abbruch tut. Ähnlich preiswerte Etablissements zur Mittagszeit: Cafeteria 66 (Eimsbüttel) und die Kantine der Finanzbehörde (Gänsemarkt).

Café Johanna (Venusberg, nähe „Michel“)
Wenn die Gruner+Jahr-Angestellten mal keine Lust auf ihre sehr gute Kantine (nicht frei zugänglich) haben, ermöglicht das Café Johanna eine gelungene Abwechslung. Im länglichen Schlauch des Bistros sind Zweier-Tische die Regel. In der Mittagszeit besetzt mit Anzug- und KostümträgerInnen – doch davon braucht man sich nicht abschrecken zu lassen oder Rückschlüsse auf ein überteuertes Essen zu ziehen. Dieser Hamburger Mittagstisch liegt zwischen fünf und acht Euro und wechselt täglich. Ein paar Kostproben: Erbsensuppe mit Kürbiskernöl, Zucchini-Tarte mit Peperoni und Schafskäse, Hähnchencurry mit Kokosreis, Gnocchi an hausgemachter Salbeibutter, Landbrot überbacken mit Ziegenkäse, Honig und Rosmarin oder persisches Rindergulasch.

La Monella (Grindel)
Vegetarier werden diesen Mittagstisch lieben, denn das La Monella im Grindel serviert ausschließlich italienische, fleischlose Variationen. Der Mittagstisch kostet zwischen 5,90 Euro und 9,90 Euro. Die meisten Gerichte liegen bei 7,90 Euro. Häufig stehen Pasta-Variationen im Mittelpunkt, so locken gebutterte Steinpilz-Ravioli oder Tortelloni mit Kürbis und Pilzen. Doch auch Salat-Varianten wie Feigen mit Ricotta auf Salat oder Kartoffeliges wie Gnocchi in Salbeibutter stehen zur Wahl. Der Service ist ausgesprochen höflich und auf Zack.

Gasthof Möhrchen (Ottensen)
Direkt am Spritzenplatz in Ottensen befindet sich der Gasthof Möhrchen. Von Mo. – Fr. kommen hier mittags variierende, frische Speisen auf den Tisch. Vor allem Saisonales und Bodenständiges: Von der Bio-Frikadelle über Blumenkohl-Suppe mit gebratenem Kabeljau bis Pasta mit Rosenkohl, Zitrone und Parmesan. Für Abwechslung sorgen internationale Arrangements wie Kichererbsen Suppe mit Zitronen-Minz-Schmand, U.S. Nackensteak mit Pommes und Cole Slaw oder Tandoori Hähnchen mit Couscous. Dieser Mittagstisch beginnt bei sechs Euro.

Koch Kontor (Karoviertel)
Das liegt auf der Hand: Beim Koch Kontor im Karoviertel wird nach Rezept gekocht, denn dieser Laden bietet die größte Kochbuchsammlung Hamburgs mit rund 3.000 Kochbücher zum Stöbern und Kaufen an. So wird jeden Tag mit dem Kochen eines einzelnen Gerichts ein weiteres Kochbuch vorgestellt. Langeweile kommt bei diesen Tellern sicherlich nicht auf. Der Mittagstisch öffnet um 12 Uhr.

Café Leonar (Grindel)
Das jüdisch geprägte Bistro im Grindel bietet neben koscheren Speisen einen abwechslungsreichen Mittagstisch. Das Interieur: halb Café, halb Bibliothek. Eine schöne Atmosphäre für eine erholsame Pause – wenn man einen Tisch bekommt. Die Gerichte wechseln wöchentlich und pendeln zwischen 5,80 Euro und 8,80 Euro. Die Ausprägungen: Kohlrabicremesuppe mit Sesamhuhn, Penne á la putanesca, Sauerbraten mit Spitzkohl-Karotten-Gemüse oder Lachs auf Mango-Mangold-Gemüse.

Speisewagen (Berliner Tor)
Das Bistro „Speisewagen“ hat nur zur Mittagszeit von 12 bis 14 Uhr geöffnet und überrascht mit einer ungewöhnlichen Location sowie mit günstigen Preisen. Die Location: Der Speisewagen sitzt direkt unter den Bahnschienen des Berliner Tors, so dass ein regelmäßiges Rumpeln beim Mittagstisch zu vernehmen ist. Die Preise: Suppe 3,10 Euro, Pasta von 4,20 bis 4,90 Euro, Hauptgänge von 5,90 bis 7,20 Euro und vegetarischer Tagesauflauf von 5,20 bis 5,90 Euro. Außerdem bietet dieses Bistro Currywurst und vegetarische Salate.

Brooklyn Burger Bar (Fischmarkt)
Ganz frisch: Im Herbst 2013 bezog die Brooklyn Burger Bar ihre Räumlichkeiten am Fischmarkt. Seit Mitte Januar 2014 bietet die Burger Bar nun auch einen Mittagstisch an. Zum Lunch steht eine kleine Burgerauswahl mit Bio-Rindfleisch, Homefries mit Dip und Salat mit Steakstreifen parat. Ein wöchentlich wechselndes Gericht soll noch folgen. Geöffnet ist mittags von 12 bis 15 Uhr.

Weitere Restaurants und Bistros mit gutem Mittagstisch bzw. Tagesgerichten: Feldstern (Alter Schlachthof), Lieblings (St. Pauli), Mr. Kebap (Am Grünen Jäger), Ti Breizh (Altstadt), Café Absurd (St. Pauli), Polokantine (Schanze), Tarterie (St. Pauli), Mangold Lokal (Karoviertel),  Tawan Thai (Grindel), Backbord (St. Pauli), Souperia (Schanze), SO NA MU (Grindel), lütt’n grill (Schanze), Don’t tell Mama (Schanze)  und viele weitere. Habt ihr noch Tipps? In Den Kommentaren ist Platz dafür!

Über

Rabea ist Ökotrophologin, freie Journalistin und Bloggerin. Sie lebt auf St. Pauli und schreibt über Hamburg, Food, Kultur und Ansichten.

1 Kommentar

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