Hamburg bekommt rollende Litfaßsäulen

Bild: Deutsche Post
Debatte

Das Taxi mit App-Werbung hier, der Schreiner mit seiner eigenen Anzeige auf den Autotüren dort und zwischendurch noch die vielen Carsharing-Wagen, die gleichzeitig stets auch ein fahrendes Werbeplakat für den jeweiligen Dienst sind. Auf Hamburgs Straßen fährt durchaus schon einiges an Werbung rum – doch bald soll es noch mehr werden.

Das jedenfalls plant die Post. Sie will jedoch nicht etwa auf ihren Wagen Reklame für Briefmarken platzieren, sondern eure und unsere Autos als Werbefläche nutzen – und das auch nicht für sich selbst, sondern für Dritte, die Kampagnen bei der Post bestellen können. „Autowerbung“ nennt die Post das Programm schlicht. Nach einem Pilotprojekt in Köln soll es ab März in weitere deutsche Städte gebracht werden, darunter auch Hamburg.

„Die Anmeldezahlen der ersten Tage sind bereits sehr vielversprechend. Über einen längeren Zeitraum erwarten wir zwischen 300 und 500 Anmeldungen von PKW-Inhabern“, teilt mir ein Unternehmenssprecher auf die Frage mit, wie viele Teilnehmer in Hamburg erwartet werden. Eine nötige Mindestanzahl gäbe es ebenso wenig wie eine Obergrenze.

Allerdings: Ob wirklich Leute ihr Auto mit Werbung bekleben lassen wollen? Gerade einmal bis zu 70 Euro gibt es dafür im Monat und die auch nicht in bar, sondern als Tankgutschein und den –die nächste Einschränkung – auch ausschließlich für Aral-Tankstellen. „Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre Mobilitätskosten zu senken. Daher ist es naheliegend, die Fahrer mit Tank- und Waschgutscheinen zu vergüten. Im Pilottest in Köln haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, versucht die Post diese Einschränkung zu begründen.

Noch etwas dürfte viele potentielle Interessenten abschrecken: Mittels GPS werden die Wagen der Teilnehmer für die gesamte Dauer der jeweiligen Werbekampagne getrackt, um den Werbetreibenden in Reportings mitteilen zu können, wie viele Personen mit ihrer Anzeige erreicht wurden. Auch hier sieht die Post keine Probleme, da die Daten anonymisiert würden. Auf meine Nachfrage, ob angesichts der jüngsten Snowden-Enthüllungen die Leute von solchen Dingen abgeschreckt werden könnten, antwortet der Post-Sprecher. „Wir glauben, dass die NSA-Affäre grundsätzlich zu einer größeren Sensibilität bei den Menschen in puncto Datenschutz geführt hat. Daher ist es umso wichtiger, dass sich private Nutzer darauf verlassen können, dass mit ihren Daten sorgsam und datenschutzkonform umgegangen wird. Dafür steht die Deutsche Post.“

Ob 70 Euro Guthaben bei Aral und ein Datenschutz-Versprechen den Hamburgern es wert sind, ihr Auto (das natürlich nicht zu alt, zu dreckig oder zu unbenutzt sein darf) mit Werbung bekleben zu lassen? Ich denke eher nein. Wenn wir demnächst dennoch verstärkt Werbung auf den Straßen sehen, habe ich mich wohl geirrt. Ich rechne in diesem Fall aber nicht damit. Ihr?

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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