Olaf legt die U5 unter dem Baum

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

Die vierte Adventswoche: Von Schnee ist Hamburg weit entfernt, von „Stille Nacht, heilige Nacht“ aber ebenso. In der Stadt bekämpfen sich die einen, die anderen stehen sich auf der Jagd nach den letzten Geschenken gegenseitig auf den Füßen. Und sonst?

Driving home for christmas

Nicht wenige Hamburger, die nur Wahl-Hamburger sind, haben die Stadt verlassen. Ja, kommende Woche liegt eigentlich noch ein Arbeitstag vor Heiligabend, aber ihr könnt ja mal versuchen da irgendwo irgendjemanden zu erreichen. Geistig sind die meisten schon länger im Urlaub, spätestens aber seit Freitagnachmittag ist das Jahr gelaufen. Da stört es irgendwie auch gar nicht, dass die U1 zwischen Kellinghusenstraße und Stephansplatz nicht fährt. „Die Verfüllung des Dükers und des vermuteten Hohlraums durch das Einpressen einer Feinzementsuspension hat noch nicht das erhoffte Ergebnis erbracht“, teilt Hamburg Wasser mit. Bevor wir jetzt fragen was Düker oder Feinzementsuspension sind und was ein Hohlraum an der U-Bahn-Strecke macht und ob wir uns darüber Sorgen machen sollten, zumal die Sperrung einmal mehr deutlich länger dauert als angekündigt, denken wir lieber weiter an den Weihnachtsbaumschmuck. Es sind schließlich Ferien.

All I want for Christmas is you

Der FC St. Pauli hat sich bereits etwas unter den Baum gelegt. Nein, nicht drei Punkte im letzten Spiel des Jahres, die gingen nach Karlsruhe, ebenso wie dadurch auch der Relegationsplatz. Dennoch bekam der frühere Co-Trainer Roland Vrabec nun endgültig einen festen Vertrag als Cheftrainer. Zunächst einmal bis Ende der kommenden Saison soll er die Kiezkicker trainieren. Das wichtigste Kriterium für einen Pauli-Trainer erfüllt er ja bekanntlich: Wir reden hier von der Frisur.

Rudolph the Red Nosed Reindeer

Dahingehend könnte auch Olaf Scholz eines Tages am Millerntor einen Job bekommen. Seine derzeitige Politik in Sachen Flüchtlinge dürfte das jedoch unwahrscheinlich werden lassen. Die linke Szene in der Stadt hält von Scholz ohnehin schon länger nicht sehr viel. Nach den gestrigen Ausschreitungen dürfte sich dies auch kaum geändert haben. In dieser Woche gab Scholz den großen Medien der Stadt Interviews, in denen er zu Lampedusa in Hamburg, Esso-Häusern und Flora Stellung bezog, aber nicht wirklich zur Lösung der Konflikte beitrug. Stattdessen griff der Bürgermeister eher unerwartet ein anderes Thema auf und machte große Versprechungen: „Wir sollten von der kleinlichen Haltung der letzten Jahrzehnte Abstand nehmen, dass man in Hamburg keine S-Bahnen und keine U-Bahnen mehr bauen kann“, so Scholz. Wilhelmsburg, Lurup, Osdorfer Born, Steilshoop, Bergedorf und der nicht näher definierte Südosten der Stadt sollen langfristig besser oder überhaupt erst an das Bahn-Netz angeschlossen werden. Straßenbahnen seien übrigens nicht genug.

Last Christmas

Wow, da hat der Bürgermeister kurz vor Weihnachten ja noch ein dickes Paket aufgemacht. Fragt sich nur, warum so unkonkret und warum erst jetzt? Wer weiß, wie solche Politiker-Interviews in der Regel entstehen, kann sich denken, dass hier alles gut durch inszeniert ist, die Fragen und Antworten bis ins Detail autorisiert wurden und vor der Veröffentlichung durch mehrere Hände gingen. Das bestärkt den Eindruck, dass die großspurigen Nahverkehrs-Ankündigungen der Versuch sind, ein neues politisches Thema in der Stadt zu setzen. Im Zweifel bauen Politiker nun mal lieber neue Dinge, als sich mit schwierigen sozialen Themen zu beschäftigen, wenngleich ein Nahverkehrs-Ausbau tatsächlich noch eine der bessere Neubau-Idee ist.

In diesem Sinne: Einen guten Start in die Weihnachts-Woche. Tut allen, die morgen (zum Beispiel in Geschäften) noch arbeiten müssen, den Gefallen und seid nett zu ihnen!

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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