Wir und die Pressemitteilungen

Foto: Shane Pope via Flick.com / Lizenz: CC by
blog

Als Journalisten befinden wir uns in einer Beziehung mit Pressestellen, die nur mit dem Status „es ist kompliziert“ umschreiben werden kann. Die Sache ist die: Häufig brauche ich als Journalist die andere Seite. Wenn ich eine Stellungnahme wünsche, wenn ich eine Nachfrage habe, aber auch, wenn ich ohne mein Zutun über Neues informiert werden will, das für meine Berichterstattung relevant ist. Aber dennoch ist es keine Liebe, denn Pressestellen geben nicht, weil sie mich so sehr mögen, sondern weil sie eigene Interessen haben. Sie wollen, dass über ihr Unternehmen (positiv) berichtet wird.

Sorry, darling – das kann ich nicht garantieren. Für mich ist dies hier nur eine On-Off-Zweckbeziehung. Mein Herz gehört einer anderen: meinem Publikum. Don’t cry for me.

Sind diese Spielregeln abgesteckt, könnte alles gut sein, müsste man als Journalist nicht regelmäßig an der Kompetenz der Gegenseite zweifeln, wie auch wir bei Elbmelancholie regelmäßig feststellen müssen. Dass, wer eine Pressestelle für ein Statement anmailt, damit rechnen muss, automatisch mit seiner E-Mail-Adresse im Presseverteiler zu landen – nervig genug. Oft sind dann die Nachrichten wenigstens noch thematisch relevant. Regelmäßig trudeln aber auch „Presseinformationen“ ein, die inhaltlich überhaupt nicht passen.

  • Warum sollte Elbmelancholie über das neue Album von Andrea Bocelli schreiben?
  • Warum sollten die Leser eines Hamburger Online-Magazins eine Shoperöffnung in München interessieren?
  • Und warum sollten wir sie auf eine Veranstaltung in Berlin hinweisen?

Weil die Mehrzahl der Pressemitteilungen keine redaktionelle Verwendung findet (was vollkommen in Ordnung ist), haben wir eine E-Mail-Adresse für Pressemitteilungen eingerichtet, auf die alle unsere Autoren zugreifen können. Diese Adresse steht in der Rubrik „über uns“ und auch auf unseren Visitenkarten, jeweils mit dem Hinweis, Pressemitteilungen ausschließlich (unterstrichen) an diese zu senden. Dennoch trudeln die Meldungen oft an die Redaktions-E-Mail. Gerne wird auch an beide Adressen gemailt.

Mit unserer Redaktionsadresse wollen wir aber zum Beispiel für unsere Leser erreichbar sein. Es wäre traurig, wenn wir dies nicht leisten könnten, weil unsere Postfächer mit PR vollgespammt werden.

Pressestellen, die offenbar keine fünf Sekunden aufbringen, um zu sehen, wohin ihr Material gesendet werden soll und ob es überhaupt für die Publikation relevant ist, können wir nicht ernst nehmen. Dass ihre Botschaft Beachtung findet, ist dadurch zwar nicht ausgeschlossen, aber deutlich unwahrscheinlicher. Also liebe Pressestellen, haltet euch doch einfach im gegenseitigen Interesse an drei einfache Regeln:

  1. Meldet euch nur, wenn es wirklich etwas Interessantes gibt.
  2. Meldet euch nur bei uns, wenn das entsprechende Thema zu unserer Publikation passt.
  3. Meldet euch dort, wo wir erreicht werden wollen.

Dazu kann man doch wirklich nicht sagen „es ist kompliziert„.

PS: Ein Dank an alle Pressestellen, die sich ganz selbstverständlich daran halten und professionelle Arbeit leisten.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

Schreibe einen Kommentar


Captcha: Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.