Freundlich, kompetent und obdachlos

Bild: Andreas Grieß
Debatte

What we call the beginning is often the end. And to make an end is to make a beginning. The end is where we start from.
(T. S. Eliot)

In letzter Zeit habe ich des öfteren gehört: „Genieß es, solange du noch kannst“. Da kommt man schon ins Grübeln… Gemeint war aber nicht mein Alter, sondern wohl einer der beliebtesten Kneipen in Winterhude: das Freundlich + Kompetent. Die Gerüchte, dass diese kleine (Musik)-Kneipe schließen muss, häuften sich in den letzten Wochen. Deshalb hakte ich nach.

Insgeheim hoffte ich folgende Antwort zu bekommen: „Was für ein Unsinn! Wir schließen doch nicht!“ Leider fiel die Antwort gegenteilig aus. Kurz und knapp: Das Freundlich + Kompetent muss im September 2014 aus dem Haus in der Gertigstraße 57 ausziehen. Der Mietvertrag wird nicht verlängert. „BUHHHHHHHHHHH“, rief es laut in meinem Kopf. Julius und Julian (die Inhaber des f+k) denken zum Glück positiv – an Aufhören ist nicht zu denken. Sie suchen jetzt schon nach geeigneten neuen Objekten und würden am liebsten in Winterhude bleiben. Aber wie die beiden Inhaber schon richtig anmerken: „Im ganzen ist es natürlich sowieso schwer als Live-Musik Location was passendes zu finden. Deshalb sind wir auf jeden Fall offen für alles.“

Als ich fragte, welche Gründe für die Nichtverlängerung des Mietvertrages vorliegen würden, kam eine Antwort, die ich eigentlich schon vorher kannte. Schicke Mietwohnungen oder noch ein Bäcker mehr sind eben interessanter, passender und vor allem leiser als eine alternative Musikkneipe im schicken Winterhude mit den tollen neuen Hanse Suites nebenan. Da bleibt kein Platz mehr für kleine Kneipen, in der die Leute feiern, laut sind und Spaß haben. Julian und Julius blicken trotz der Umstände positiv in die Zukunft: „Wir werden auf jeden Fall weiter machen mit dem freundlich+kompetent!! […] Das Freundlich wird nach dem Umzug einfach schöner und lauter.“

Ich drücke den beiden auf jeden Fall die Daumen und hoffe natürlich (auch ein wenig eigennützig), dass das f+k auch 2014 in Winterhude bleiben kann. Aber bis dahin heißt es für mich so oft wie möglich das eine Jahr noch nutzen und zu dem Livemusiksessions direkt um die Ecke zu gehen.

Über

Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg während ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als IT Project Managerin Twitter: @JankaBeee - sterndesnordens.de Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

6 Kommentare

  1. „Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg neben ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als Product Managerin im eCommerce Bereich.“

    Ich bin mir nicht sicher, ob Janka sich im klaren darüber ist, wie viel sie selbst zur Gentrifizierung beiträgt. Mit einem abgeschlossenen Medienökonomie-Studium („Ich mach was mit Medien“) bei einem Onlinebusiness verdient man sicher nicht all zu schlecht. Jüngeres Semester, verliebt in Hamburg, das duftet nach DINK: double income, no kids. Dafür umso höhere Kaufkraft. Vielleicht Gentrifiierung auch mal bei sich selbst entdecken – wie wär’s?

    • Hier würde ich nicht zu schnell urteilen, denn du kennst mein Einkommen nicht und auch nicht, wie ich lebe. Abgeschlossenes Studium in den Medien (ach ja und ich mache nicht „irgendwas mit Medien“, sondern „irgendwas mit IT“) haben heißt nicht gleich fett verdienen und sich eine Wohnung suchen bzw. leisten können, bei der man eine Miete von 1.000 Euro zahlt. Aber grundsätzlich hast du natürlich Recht, dass jeder immer bei sich selbst anfangen sollte, wenn er Kritik übt. Und ja die meisten der vielen Zugezogenen in HH heben die Mieten an. Mit der Aussage hast du natürlich auch Recht….

  2. Hallo Janka,

    nachdem ich meinen ersten Kommentar abgeschickt hatte, fand ich ihn schon etwas doof und forsch – editieren war dann aber nicht mehr möglich 😀

    Generell sehe ich die Welt relativ. Ich bin weder ein großer Freund noch Gegner einer städtischen Wandlung und beobachte nur.
    Natürlich ist es korrekt, dass ich Dein Einkommen nicht kenne – doch wirst Du mir zustimmen, dass Du ein höheres Einkommen als der Bundesschnitt hast. Ich kann mir vorstellen, dass Du in St. Pauli wohnst, Schanze, Altona Altstadt – kein Vorwurf! Aber Fakt auch, dass Du damit zur Gentrifizierung beiträgst. Am Ende des Tages macht das im übrigen jede StudentenWG heute, die unter dem Strich eine größere Kaufkraft hat als eine Kleinfamilie, die den gleichen Raum benötigt. Das wissen auch die Vermieter.
    Und ganz ehrlich? Wäre ich Vermieter, mir nichts so lieb wie die Gentrifizierung. Mein Eigentum wird aufgewertet, ich hab am Ende des Monats mehr Kohle auf Täsch und im Zweifel hab ich weniger Ärger mit den Mietern. Das Schicksal des Einzelnen ist da mir in dem Moment nicht so zwingend wichtig.
    Es amüsiert mich sogar etwas, wenn ich die aktuell heftige Debatte über Gentrifizierung lese. Als ob das etwas wäre, was es seit gestern gäbe: Schon als Ende der 80er das 1000 Töpfe aus der Flora auszog, hatten die Leute in der Schanze exakt die gleichen Sorgen. Im direkten Vergleich zu der heutigen Zeit bin ich mir nicht sicher, ob die heutigen Kämpfer gegen die Gentrifizierung die Zeit zurückdrehen wollen würden. Ich glaube außerdem nicht, dass eine solche Entwicklung komplett aufgehalten werden kann, wenn keine Radikalen ansätze wie in Kopenhagen gefahren werden. Und ob das mehrheitsfähig ist, darf durchaus bezweifelt werden. Denn die Entwicklung beschränkt sich ja nicht nur auf den Wohnungsmarkt, sondern auf das gesamte Leben: es wird aufgewertet, mehr konsumiert und mehr gelebt. Ein Student von heute mit iPhone, iPad, Macbook (pro) und Auto ist heute üblicher als Ende der 80er. Und so ändert sich eben auch die Umgebung, in der er lebt.

    Schönen Abend 🙂

  3. Ich wohne in Winterhude, Grenze zu Barmbek. Daher ja auch der Artikel, dass ich es schade finde, dass das f+k keine Verlängerung bekommt in 2014. Und natürlich ist diese Entwicklung schon lange im Gange – die Welt wandelt sich und mit ihr auch jede Stadt. Das alles ändert jedoch nichts an meiner ganz persönlichen Meinung, dass ich es schade finde, dass das f+k aller Voraussicht nach Winterhude verlassen wird. Dir auch einen schönen Abend :-).

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