Auf die Räder, in die Gänge – aber bitte mit Lärmschutz

Wochenrückblicke

Es ist Samstag, später Nachmittag in Hamburg. Das Wetter ist gut. Ich laufe über die Mönckebergstraße und habe Platz, viel Platz. Keiner der Busse oder Taxen, deren Fahrer offenbar GTA zu ihren Lieblingsspielen zählen, wegen der vielen Passanten aber auch zu bemitleiden sind, kommt mir nahe. Ich kann mich in aller Ruhe einmal drehen und eine Panoramaaufnahme machen.

Moncke_Pano

Der Grund für diese unübliche Freiheit waren freilich die Cyclassics, die heute in Hamburg stattfanden. Bereits am Samstag wurde für das Radrennen kräftig aufgebaut: Tribünen, Absperrungen und Infostände. Die Werbeplakate prangten ja ohnehin schon seit Wochen in der Stadt und einige behaupten, dass der Namenssponsor dies auch im Hinblick auf den Volksentscheid zum Netzrückkauf gerne gesehen hat. Dafür gab es heute am Rand des Radrennens einen Protest gegen Vattenfall und Pro Netzrückkauf. Eine Aktivistin harrte mit einigen Transparenten in einem Baum über der Zielgerade aus.

Das Rennen blieb davon unbeeindruckt. Auch wenn es nicht ganz so voll war, wie vielleicht erwartet, waren trotzdem viele Zuschauer entlang der Strecke anzutreffen und auf der Mönckebergstraße stand man besser auch nicht rum – sonst wäre man im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Räder“ gekommen. Im Schlusssprint wurde es sehr eng, letztlich gab es einen deutschen Doppelsieg durch John Degenkolb und André Greipel.

Während die einen die Gänge schalteten, kamen die anderen in die Gänge, sprich ins Gängeviertel. Denn das feierte diese Woche Geburtstag. Dem Logo zufolge den 4. Millionsten – nun, ohne die Nullen stimmt’s. Dafür wurde extra damit geworben, dass auch Fleisch(!) gegrillt werde. Es ist halt eine andere Welt. Schön war’s dennoch – oder deshalb. Donnerstag bis Sonntag gab es Live-Musik und Musik vom Datenträger, Getränke und natürlich eine Menge Kunst und auch etwas Politik.

Kunst ist auch das, was in Wilhelmsburg gelandet ist: Ein Öko-UFO. Der Name des französischen Kunstwerks, das auf der IGS diese Woche ausgestellt wurde: Aeroflorale. Die Leihgabe kommt aus Nantes, der Umwelthauptstadt Europas. Die Künstler wollen mit ihrem Werk die Erforschung von Pflanzen vorantreiben, die für die Energiegewinnung hilfreich sind. Aber nein: Dieses Luftschiff kann nicht wirklich fliegen, wie es in einigen Meldungen wirkte.

Zum Abschluss noch eine Bericht aus der Reihe „Hallo, geht’s noch?“. Darin heute: Ein Musterbeispiel über die „Sportförderung“ in Deutschland. Die Mopo berichtete diese Woche über einen Fußballplatz in Hamburg, auf dem kaum gespielt werden darf – weil es den Nachbarn, die dort hingezogen sind, als es den Sportplatz schon gab, sonst zu laut ist. Aber mit Fußball hat es unsere Stadt ja gerade eh nicht so…

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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