Warum Hamburg den Bach runter geht

Bild: Andreas Grieß
Wochenrückblicke

Liebe Leser, geht euch das auch so: Wenn man derzeit die Boulevard-Zeitungen dieser Stadt durchblättert, entsteht der Eindruck: Hamburg geht den Bach runter. Die Mopo berichtete in dieser Woche etwa “Jungfernstieg verkommt zum Siff-Boulevard”. Für den gerade einmal rund 1.800 Zeichen langen Beitrag, in dem einige Besucher sich über Flecken am “Pracht-Boulevard” empören dürfen, setzte das Blatt sogar drei Autoren ein. Da werden keine Kosten und Mühen gescheut. Und Samstag lesen wir auf Mopo.de bereits die nächste – Zitat – “Hiobsbotschaft”:

“Erst schließt der Gemüseladen an der Ecke Schulterblatt/Susannenstraße, dann wird bekannt, dass die Traditionskneipe „Dschungel“ dichtmacht. Auch der „Express Markt“ steht vor dem Aus. Und jetzt das: Eines der ältesten Restaurants der Schanze, das „La Sepia“ am Schulterblatt, muss weichen.”

Zur passenden Untermalung darf ein Mitarbeiter noch vorwurfsvoll einen Schwertfisch ins Foto halten. Die Bild ruft derweil den “Straßen-Kampf in Rissen” aus und zeigt in den insgesamt vier Argumenten (darunter “der stark gefährdete Kiebitz”): Ob die Umgehungsstraße gebaut wird oder nicht: Eigentlich wäre beides furchtbar. Und das Blatt weiß zudem noch: “Die irische Billig-Kette Primark” will in den “Saturn-Tempel ziehen”.

Einige Flecken dieser Stadt sind so beliebt oder so hipp, dass sie teuer und verschmutzt oder bebaut werden. Das kann zwar jeder, insbesondere im Sommerloch, mit Fug und Recht als schlecht und beklagenswert bezeichnen, aber nicht wirklich als überraschend. Wie gut liebe Leser, dass Elbmelancholie auch in dieser für Hamburg schweren Zeit konsequent positiv bleibt. Wir berichten weiter von Lieblingsplätzen, finden sogar Olympia toll (wenngleich einige Leser mit nachvollziehbaren Gründen dagegen argumentieren) und freuen uns auf die Bundesliga-Saison, gleichwohl wir wissen, dass das mit dem HSV wieder schwierig wird, aber das 3:3 in Gelsenkirchen war ja schon mal ein Anfang.

Und deshalb machen wir an dieser Stelle auch konsequent positiv weiter – sogar mit der U4, wer hätte das gedacht. Die fährt seit Gestern nämlich auch regulär im Fahrgastbetrieb bis zur HafenCity Universität. Außerdem gibt es in der HafenCity eine neue Brücke, die Baakenhafenbrücke im gleichnamigen Quartier.

Und wer den Dreck am Jungfernstieg nicht so sehr ins Auge fassen will, der wurde am Wochenende ebenfalls bestens bedient, denn in der Binnenalster kämpften Drachen miteinander. Okay, keine echten, die sind ja bekanntlich schon lange ausgestorben, oder? Gemeint sind Drachenboote, die beim “Enter the dragon”-Festival über 250 Meter und über 1.200 Meter gegeneinander antraten.

Etwas einfach gut fand auch HSV-Spieler Marcel Jansen. In diesem Fall die Fußball-App der Bild. Als er das auf Facebook postete gab es jedoch direkt Stress, er mache “Schleichwerbung”. Das ging den Fußballer offenbar ordentlich gegen den Strich. Wenig später postete er einen weiteren Eintrag auf seine Facebook-Seite, denn er glaubte, “kurz mal was klarstellen” zu müssen. Wenn er etwas gut finde, dann sei das eben so. Und weiter: “Ihr folgt mir doch, um zu wissen was ich so mache… und ja ich zahle 7.99€ im Monat für eine Sache die ich gut finde … Wenn ihr damit ein Problem habt verstehe ich das nicht .. Dann „Disliked“ doch meine Seite.”

In diesem Sinne versprechen wir euch einfach: Die Welt wird auch ab Montag nicht untergehen. Also geht mit uns durch die neue Woche – und zwar mit einer positiven Grundhaltung.

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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