Lieblingsplätze – ein Balkon in Hamm

Bild: Maria Sonnek
Stadtgefühl

Fernab vom großstädtischen Trubel, irgendwo zwischen der vielbefahrenen Hammer Land- und der Eiffestraße, gibt es diesen Ort. Der Ort völliger Ruhe, Entspannung und Entschleunigung. Vielleicht zeichnet sich für viele ein Fragezeichen überm Kopf.
In Hamm? Ja in Hamm. Ich möchte eine Lanze brechen für dieses überaus schöne Fleckchen Hamburg. Grün, nicht nur durch den schönen, kleinen, gemütlichen Hammer Park (der übrigens seit 2011 denkmalgeschützt ist) – ausgestattet mit einem Spielplatz, einem kleinen Teich mit Fontäne, einem kleinen Brunnen, in dem die Kinder spielen können. Außerdem gehört zum Hammer Park auch das Stadion und wem das zu anstrengend ist, der kann auf der Minigolfanlage oder bei den Tischtennisplatten verweilen. Dass es genug Liegeflächen- und Grillplatz gibt, brauche ich kaum zu erwähnen. Zum Joggen für den Nicht-Leistungs-Läufer (wie mich) reichen die Wege auch.

Zugegeben, in Hamm steppt nicht der Bär. Aber muss es das immer? Ich habe mich für diesen Stadtteil entschieden, weil Ruhe und Entschleunigung neben meinem Party- und Konzertherz einen größeren Platz einnehmen. Und wenn ein Abend „in der Stadt“ unter der Woche doch mal länger geworden ist, dann hält der Nachtbus nicht weit von der auch nicht weiten U-Bahnhaltestelle und bringt mich nach Hause, wo man bis spät in die Nacht Nachtvögel singen hören kann. Eigentlich ist in Hamm alles Hammer! Ich mag die Familien, die bei Nachmittagssonne vor der Tür sitzen und sich unterhalten, den alten Opa, der tagtäglich aus seinem Fenster schaut, die SupermarktverkäuferInnen, die einen immer freundlich grüßen und auch die „wilden“ Jugendlichen, die sich heimlich (?) rauchend vor der Tür umgarnen und necken.

Meine eigene Ruhe finde ich dann auf meinem Balkon. Der Blick ist weder durch umliegende Häuser gestört oder verbaut, die Bäume, Sträucher und die Wiese lassen mich manchmal vergessen, in der Großstadt zu leben. Und wenn dann auch noch von links nach rechts und von rechts nach links ein Eichhörnchen vorbeihuscht, die Vögel sich vor allem in den kälteren Jahreszeiten um die Kerne im Futterhäuschen streiten und die Nachbarskatze sich bespaßen lässt oder einfach neugierig schaut, was man so treibt, dann ist das ein bisschen wie im Urlaub. Wovon ich aber seit anfang an fasziniert war, waren die vielen Kaninchen, die hier zu jeder Tageszeit überall rumhoppeln. Dann kommt mir der Song „Warum sie lacht“ von Sebastian Hackel in den Sinn: „Ich habe Hasen gesehen, mitten in der Stadt und es war wunderschön“. Für die einen eine Plage, für mich zu Hause. Denn wenn die Kaninchen in den Abendstunden friedlich Gras oder von den Nachbarn gespendete Gemüseabfälle mümmeln, dann glaube ich manchmal, für einen klitzekleinen Augenblick, dass die Welt noch in Ordnung ist. Das ist sie in diesen Augenblicken auch…wenn einem die laue Sommernachtluft um die Haare weht, man das Rauschen des Windes in den Bäumen hört, von drinnen leise Musik ertönt. Dann nippe ich nochmal am Weinglas und denke „hier bist du richtig, hier darf ich’s sein“.

Über

Ende 2008 für ein Praktikum nach Hamburg gekommen, von 2009-2014 bei einem Musikvertrieb tätig gewesen und nun auf Island.

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