Warum man fast nie mit den neuen Zügen der Hochbahn fährt

Bild: Andreas Grieß
Debatte

„Also ich sehe die neuen Züge eigentlich immer nur an der Saarlandstraße rumstehen“, sagen mir die einen im Gespräch. Andere berichten, wiederholt den DT5 als Geisterzug zu erleben, wenn er an der Station leer vorbei fährt und es heißt, „bitte nicht einsteigen“. Wenn man sich in Hamburg umhört: So richtig mit den neuen Zügen der Hochbahn gefahren ist kaum jemand. Ein, vielleicht zwei Mal – das ist in der Regel die Bilanz sogar bei den Leuten, die regelmäßig mit der Bahn zur Arbeit fahren. Auch wenn sie auf der U3 fahren, wo der DT5 eigentlich zum Einsatz kommen und die alten Wagen aus den Sechzigern ersetzen soll. Umso erstaunter schauen die Fahrgäste dann, wenn sie die Neuanschaffung der Hochbahn auf der U1 oder U2 erblicken. Auf Nachfrage gesteht die Hochbahn ein: „Die Entwicklung des DT5 war keine Leichte.“

Rückblick: Im November gab die Hochbahn offiziell den Start des Fahrgastverkehrs mit den neuen Zügen bekannt. In der Pressemitteilung hieß es: „Ab dem 8. November 2012 werden die ersten fünf Fahrzeuge auf der U3-Ringlinie fahren. Die Hochbahn erwartet bis zum April 2013 weitere sieben Fahrzeuge.“ Das hätte bedeutet: zwölf Fahrzeuge. Wir befinden uns im Juli 2013 und auf Nachfrage gibt die Hochbahn an: Aktuell sind nur acht DT5 in Hamburg. Und weiter: Von den acht Zügen sind nur die Hälfte, also vier, im Fahrgasteinsatz. Die fahren zudem im kompletten Netz. Man wolle die Züge „ausgiebig testen“.

Die neue Planung lautet wie folgt: In Kürze sollen die ersten Fahrzeuge tatsächlich wie stets angekündigt fest auf der U3 eingesetzt werden. Und es sollen auch endlich mehr neue Züge unterwegs sein:„Bis zum Ende des Jahres werden wir insgesamt 10 Fahrzeuge im Fahrgasteinsatz haben.“

Ob das dieses Mal eingehalten wird? Wie häufig bei solchen Projekten konnten auch beim Start des DT5 mehrfach ursprünglich angekündigte Termine nicht eingehalten werden. Im Dezember 2011 kam der erste DT5 für Tests nach Hamburg. In der Pressemitteilung der Hochbahn wurde bereits auf die „anfänglichen Zeitverzögerungen durch Konstruktions- und Fertigungsprobleme beim Herstellerkonsortium Alstom und Bombardier“ hingewiesen. Doch auch in der Folge kam es zu Verzögerung, kündigte man gleichzeitig doch an: „In den Fahrgastbetrieb geht der DT5 im Sommer 2012.“ Auch noch im April des vergangenen Jahres, als die Tests auf das gesamte Schienennetz ausgedehnt wurden, hieß es weiter: „Die ersten Fahrgäste können nach derzeitiger Planung noch im Sommer 2012 einsteigen.“ Wirklich los ging es dann jedoch, wie erwähnt, erst im November, mit Ankündigungen, die ebenfalls nicht ganz eingehalten werden konnten.

Warum also die Verzögerung, muss länger getestet werden? Antwort: „Die Tests dauern nicht unbedingt länger. Wir testen nur jedes einzelne neue Fahrzeug aktuell noch auf Herz und Nieren, um direkt am Anfang, also bevor weitere Fahrzeuge ausgeliefert werden, Kinderkrankheiten auszumerzen. Bei einer kompletten Neuentwicklung, wie der DT5 ja eine ist, halten wir das – gerade im ÖPNV – für sinnvoll.“ Mit anderen Worten, die Hochbahn fährt nach der Devise: Lass den DT5 lieber als Kind Windpocken (Verspätung) haben, als später, wenn er erwachsen ist. Klingt sinnvoll, aber wenn Hamburg auf eines keine Lust hat, dann auf eine Elbphilharmonie auf Schienen. In diesem Sinne: Hinter dem Zeitplan nicht zu sehr „zurückblieben, bitte!“

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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