Anke Harnack – die neue Stimme in Hamburgs U-Bahn

Bild: Christine Lutz
Stadtgefühl

Schluss mit Promistimmen: Die neuen Ansagen der Hochbahn sind da und sollen bis Ende Juli in jedem Zug im Einsatz sein. Anke Harnack ist es, die uns künftig den nächsten Halt ankündigt und „zurückblieben bitte“ sagt. Wir haben sie getroffen.

Eine Mitte 30-Jährige sitzt in der U-Bahn und beobachtet die Menschen. Ganz genau achtet sie dabei darauf, wie sie auf die Lautsprecherdurchsagen in den Zügen reagieren. Hören sie zu oder beachten sie diese nicht? Ein seltsames Szenario? Nur bedingt, denn bei besagter Frau handelt es sich um eine Frau, die sich auf ihren neusten Job vorbereiten will: Anke Harnack. Die Moderatorin und Journalistin ist die neue Stimme der Hamburger Hochbahn, die künftig bis mindestens 2018 die Haltestellen durchsagen wird.

„Wenn ich im TV oder Radio moderiere, stelle ich mir immer die Leute vor, zu denen ich rede.“, verrät Harnack. Für ihr Engagement bei der Hochbahn habe sie deshalb zuvor extra ein paar Fahrten in der Rush Hour unternommen. „Ich dachte erst, da haben alle nur die Stöpsel im Ohr und hören nicht zu. Aber im Gegenteil: Die Leute beachten die Durchsagen häufig sehr genau.“

Abseits der Hauptverkehrszeiten gebe es dann viele Touristen, die den Nahverkehr noch einmal ganz anders nutzen und noch deutlich stärker auf die Stationsdurchsagen angewiesen sind. „Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Bild davon, wer mir künftig in der Bahn so zuhört“, meint die Moderatorin nun.

Das verwundert nicht, denn Harnack kennt die Stadt – und die Stadt kennt Harnack. Im wöchentlichen Wechsel moderiert sie das Frühprogramm von NDR 90,3 und ist als quirlige Reporterin für das Hamburg Journal des NDR-Fernsehens unterwegs. Bekannt ist sie zudem als Moderatorin der NDR Sommerfeste, Bereits um 5 Uhr morgens geht sie bei NDR 90,3 auf Sendung, ist für viele Hamburger die erste Stimme, die sie nach dem Aufwachen hören. Das dazu nötige, frühe Aufstehen um etwa 3 Uhr Nachts sei zu Beginn hart gewesen, aber man gewöhne sich daran. Nach einer Woche Früharbeit geht es dann in einen „normalen Rhythmus“, wie Harnack es nennt, als Reporterin zum Hamburg Journal.

Größte Angst: Langeweile

Beides habe seinen Reiz, die Kombination sei ideal. Zwei Sendungen „in und aus der Stadt“, wie Harnack sagt, stets am Puls der Metropole. Dadurch genießt die Moderatorin auch selbst eine gewisse Bekanntheit, auch wenn sie das nie geplant habe, wie sie betont. Nun könne es durchaus vorkommen, dass sie von zwei Menschen angesprochen werde. Der eine sagt ihr: „Ach, sie sehe ich so gerne am Abend“. Der andere meint: „Ich höre sie jeden Morgen!“. Überrascht und verwirrt schauen sich beide dann mitunter an, und Harnack muss aufklären, dass es sie morgens und abends zu hören beziehungsweise zu sehen gebe.

Ursprünglich jedoch kommt sie gar nicht aus Hamburg und schon gar nicht aus der Großstadt. 1979 wurde sie auf Rügen geboren. In der Schule wollte sie erst Lehrerin werden, doch bald kam der Wunsch auf, im Journalismus Fuß zu fassen. Zunächst hieß das Ziel noch Zeitung: Harnack engagierte sich in der Schülerzeitung, und sammelte erste Erfahrungen in der lokalen Presse.

Nach dem Schulabschluss ging es jedoch in den Rundfunk, zu Antenne Mecklenburg-Vorpommern, für ein Volontariat. Über das Radio folgte auch der erste Kontakt zum TV. Einer ihrer ersten Chefs habe sie kurzerhand aufgefordert, auch TV-Beiträge zu produzieren. Mittlerweile scheint Harnack sehr glücklich, damals so ins kalte Wasser geworfen zu sein. Denn dies ermöglichte ihr, so vielseitig aufgestellt zu sein, wie sie es jetzt ist. „So wird es nie langweilig“, verrät Harnack.

Überhaupt scheint das etwas zu sein, dass die Moderatorin antreibt. Furcht vor Menschen zu sprechen habe sie nicht. Allerdings sagt sie: „Meine größte Angst ist, dass mir langweilig wird“. Um dem entgegenzuwirken hat sie noch eine weitere, kleine Beschäftigung als Dozentin an der FH Lübeck. Den ersten Berufswunsch Lehrerin hat sie also doch noch ein wenig verwirklicht.

„Ich schrie sofort ja!“

So ein klein bisschen Angst habe sie jedoch auch vor etwas anderem gehabt, verrät Harnack: Vor der Metropole, bevor sie vor etwa fünf Jahren nach Hamburg kam. Dies habe sich jedoch schnell verflüchtigt. Durch ihre Arbeit beim Hamburg-Journal habe sie sofort viele Leute getroffen und sich so zügig zurechtgefunden. Das übrige taten die Elemente: „Wasser und Wind sind das Erfolgsgeheimnis“. Hamburg sei halt doch typisch für den rauen Norden, den sie bereits gewohnt war. Mittlerweile sagt sie: „Ich möchte gar nicht mehr woanders hin“, und ist so hamburgergisch, dass der NDR und die Hochbahn sie als Stimme für die Ansagen auswählten.

Zunächst sei sie vorsichtig gefragt worden, ob sie sich diese Aufgabe vorstellen könne. Ihre Reaktion? „Ich schrie sofort ja!“ Mit einer gehörigen Portion Begeisterung gerät Harnack in ein Schwärmen, das für Außenstehende zunächst schwer nachzuvollziehen ist. Nacherzählt klingt es so, als sei es ironisch gemeint. Doch das ist es nicht.

Harnack betont, Sprecher fänden es toll, Dinge mit dem immer gleichen Duktus zu sagen und einfachen Ansagen einen schönen Klang zu geben. Es sei toll und zugleich anspruchsvoll, Dinge wie Stationsnamen kurz, gut verständlich und zugleich freundlich zu sagen. Die Studioarbeit für die Hochbahn sei sehr intensiv gewesen. Mitunter habe sie sogar einen Ohrwurm davon getragen.

„Fast ein bisschen gestraft!“

Die meisten Stationen seien ihr leicht von den Lippen gegangen. Aber eine Ausnahme habe es doch gegeben: die U1-Haltestelle Kiekut. Für diese Aufnahme habe sie länger gebraucht. Auch, weil alles perfekt sein soll, immerhin sind die Hochbahn-Fahrgäste Harnacks bislang vermutlich größtes Publikum. In einer Stadt wie Hamburg hören ihr künftig Millionen zu.

Und kann sie selbst in Zukunft noch U-Bahn fahren? „Ich kann meine Stimme gut hören“, sagt die Moderatorin. Seit mehreren Jahren sei sie es mittlerweile gewohnt, ihre eigenen Worte wahrzunehmen. Allerdings: Ein bisschen Respekt vor der ersten Fahrt habe sie dann schon, gibt sie zu. Für weitere Städte die Ansagen machen, wie es die bisherige Ansagerin Ingrid Metz-Neun tut, möchte Harnack jedoch nicht. Einzig auch die Busstationen aufzunehmen, damit könnte sie sich anfreunden, verrät sie und scheint dabei fast ein bisschen auf diesen Auftrag zu hoffen.

Doch wäre dass dann irgendwann nicht zu viel Anke Harnack für die Ohren der Hamburger? Was das angeht, scheint sich die neue Hochbahn-Stimme keine Sorgen zu machen, gibt jedoch zu: „Wer mich nicht leiden kann, ist fast ein bisschen gestraft!“

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Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

1 Kommentar

  1. Nichts gegen Frau Harnack in Person, aber ich finde die neuen Ansagen grässlich.
    Die vorherigen waren nett und neutral, angenehm, nicht aufdringlich.
    Jetzt klingen die Ansagen aufgesetzt freundlich, übermotiviert, ja, beinahe penetrant. Da kriegt man schlechte Laune morgens.

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