Als die Helden im Stadtpark weggeschwemmt wurden

Bild: Guido Ziegerahn
Musik und Konzerte

Manchmal fallen Pläne so richtig ins Wasser. Von einem solchen Fall möchte ich euch berichten. Wie sicherlich bekannt ist, finden derzeit im Stadtpark, wie in den vergangenen Jahren auch, die Stadtpark-Konzerte statt. Vor zwei Jahren, als ich noch nicht in Hamburg wohnte, war dies auch schon so. Mit drei Freunden machte ich damals hier im Norden eine Woche Urlaub. Und weil zu einem guten Hamburg-Urlaub auch der Besuch eines Konzerts gehört, machten wir uns schlau, welche Bands in besagter Zeit auftraten. Wir hatten Glück: Wir sind Helden hatten sich angesagt. Es sollte ein Konzert werden, das alle Besucher nicht so schnell vergessen würden.

Am 26. August 2011 war es soweit. Bereits früh fanden wir uns im Stadtpark ein. Die Wettervorhersagen waren nicht gut, aber bisher hatten wir Glück. Während wir auf dem Grün des Stadtparks auf den Abend warteten, schien kräftig die Sonne. Pünktlich zum Einlass drohte jedoch Unheil. Einige sehr dunkle Wolken zogen auf. Meine Wetter-App warnte vor Unwetter. Dennoch trat Pohlmann als 1-Mann-Vorband auf die Bühne. Mit geteilter Aufmerksamkeit folgten wir ihn. Ein Auge auf die Bühne, eines gebannt gen Himmel. Die Wolken wurden dunkler und kamen näher… …und zogen wieder weg. Yeah! Wir hatten Glück!

Bühne frei für die Helden. Die Aufmerksamkeit nun nur noch gen Bühne gerichtet. Doch es dauerte nicht lange, da kam Wasser von oben. Die erste Ladung Wolken war zwar an uns vorbeigezogen, doch es folgte eine zweite und die machte ernst. Nach nur wenigen Minuten waren wir klatschnass. Dennoch ging das Konzert weiter. „Gekommen um zu bleiben, wir gehen nicht mehr weg!“

Nach etwa einer Stunde jedoch gingen wir dann doch alle weg. Sängerin Judith sagte, dass sie das Konzert abbrechen müssten. Es gäbe eine Unwetterwarnung und man habe es probiert, der Veranstalter wolle die Gefahr jedoch zu Recht nicht tragen. Wenige Wochen zuvor war es in Belgien zu einem Unglück auf einem Festival gekommen. Durchnässt ging es mit alle Mann als große Horde Richtung S-Bahn (mit Gesang: „Ich weiß nicht weiter, ich weiß nicht wo wir sind, ich weiß nicht weiter, von hier an blind!“), die wir desorientiert zunächst in die falsche Richtung nahmen.

Immer noch nass an der Sternschanze angekommen, konnten wir den Fußweg zum Hostel bereits ohne weiteren Regen beschreiten. Kurz darauf gingen wir etwas essen. Weiterer Regen folgte nicht mehr. Aber das kann man im Vorfeld ja nicht wissen, von daher kein Vorwurf an die Veranstalter. Blöd war es trotzdem.

Dumm gelaufen hieß es für uns auch einige Tage später. Die Band kündigte ein Nachholkonzert an, für das die Tickets ihre Gültigkeit behielten. Zum angesagten Termin war aber leider keiner mehr von uns in Hamburg. Und rund 600 Kilometer Fahrt nur für ein Nachholkonzert, sind für den Studenten-Geldbeutel dann doch zu viel. Da die Helden zumindest derzeit nicht mehr als Band auftreten, kann ich ein vollständiges Konzert mit ihnen nicht von der to-do-List streichen. Dafür habe ich ein unverwechselbares „Unter-Wasser-Konzert“ erlebt, zu dem man bei Musikbegeisterten auch zwei Jahre später noch die Reaktion erntet: „Ach, du warst auf DEM Konzert?!“

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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