Hamburger im Netz: Claudia Taubenrauch

Bild: Claudia Taubenrauch
Netzleben

Nach Daniel Rehn und Romy Mlinzk kommt im dritten Teil der Serie „Hamburger im Netz“ nun Claudia Taubenrauch alias @neverevertown zu Wort. Die 25-Jährige arbeit als Social Media Managerin in Hamburg und ist zudem Mitglied der Digital Media Women Hamburg (dmwhh).

Du bist Mitglied bei den Digital Media Women Hamburg. Wie kam es dazu? Kann jede(r) Mitglied werden?

Ja, jeder kann Mitglied werden, dazu muss einfach nur ein Fragebogen ausgefüllt werden. Neben der Community-Mitgliedschaft kann man auch Fördermitglied werden, da die DMW mittlerweile ein gemeinnütziger Verein sind. Übrigens werden Männer keineswegs ausgeschlossen, sondern sind auch herzlich willkommen.

Meine DMWHH-Geschichte begann, als ich erst seit ganz kurzer Zeit in Hamburg wohnte. Meine Teamleiterin in meiner damaligen Agentur (und mittlerweile eine gute Freundin) berichtete mir von einem Themenabend und nahm mich dann einfach mal mit. Mit dem Ziel, Frauen in digitalen Berufen sichtbarer zu machen, konnte ich mich sofort identifizieren. Vom ersten Abend an haben mich die großartige Atmosphäre fasziniert und die vielen tollen Frauen und die DMW supportenden Männer begeistert. Das DMW-Event war damals der erste Abend, an dem ich mich in Hamburg zu Hause fühlte und den Eindruck hatte, hier angekommen zu sein.

Warum nennt Ihr euch Digital Media Women? Ist die digitale Branche zu sehr von Männern dominiert?

Ziel der Digital Media Women ist es, Frauen in digitalen Berufen sichtbarer zu machen. Der digitale Rahmen ist recht groß und umfasst die unterschiedlichsten Jobs und Berufsbezeichnungen, bietet aber trotzdem einen relevanten Bezugspunkt, das war wichtig. Es gibt unglaublich viele kompetente und großartige Frauen in der digitalen Szenerie, die allgemeine Wahrnehmung ist aber doch oft männlich geprägt. Es geht nicht darum, Männer zu untergraben, sondern einfach darum, dafür zu sorgen, dass auch die Frauen mit all ihrem (digitalen) Wissen und Können wahrgenommen werden, sich auf den Bühnen zeigen und hervortreten aus dem vermeintlichen Schatten, in dem sie keineswegs stehen müssen.

Welche Events rund um das Internet, Social und Digital Media könntest du in der nächsten Zeit in Hamburg empfehlen?

Puh, nach der re:publica musste ich den Fokus erst einmal wieder auf das liebe Hamburg lenken. 😉 Den Open Coffee Club kann ich sehr empfehlen – tolle Gespräche, interessante Teilnehmer, sehr entspannte und nette Atmosphäre. Leider passt er zeitlich bei mir oft nicht in die Planung, aber sofern es irgendwie möglich ist, lohnt es sich definitiv hinzugehen. Am 12. und 19. Juni wird es zwei DMW-Events geben, die es sich auch schon mal vorzumerken lohnt. Zudem steht endlich wieder die Gadgetnight auf dem Hamburger Programm, ein ebenfalls sehr entspanntes Event, bei dem man immer die schönsten und verschiedensten Geek-Spielgeräte zu sehen bekommt. Und worauf ich mich schon jetzt sehr freue, auch wenn es noch eine ganze Weile Zeit zur Vorfreude lässt: das Reeperbahn-Festival und das Hamburger BarCamp.

Ist es nicht manchmal bisschen seltsam, wenn man zu einem Event kommt, bei dem man alle nur aus dem Internet kennt? Wie bricht man in dieser Situation das Eis?

Tatsächlich kannte ich bisher fast bei jeder Veranstaltung vorher zumindest einige Menschen auch aus dem Offline-Leben. Was mich aber gerade bei Digital-Events so begeistert, ist die Tatsache, dass man eigentlich immer alle sehr locker einfach ansprechen kann – zum Beispiel aufgrund eines Tweets, weil man der Person schon lange folgt und sie interessant findet oder auch einfach um an der Bar Getränketipps zu erhalten. Da war ich anfangs unbegründeterweise zurückhaltender. Grundsätzlich ist die Atmosphäre immer sehr offen und man findet schnell gemeinsame Themen – auch abseits des Digitalen.

Gibt es für dich einen Unterschied im Umgang mit Menschen im Real Life und dem Internet?

Nein, den mache ich nicht. Ich möchte da auch nicht trennen, denn das Digitale ist für mich ein Teil des realen Lebens, und noch dazu ein wichtiger. Die Ansprüche, die ich an den Offline-Umgang miteinander habe, wende ich auch online an: Respekt, Freundlichkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, keine Gedankenlosigkeit und Reflektion dessen, was man so macht und schreibt, auch wenn man die Reaktion nicht in Echtzeit und face to face vor sich sieht. Nur, weil technische Geräte dazwischen geschaltet sind, ist das für mich kein Grund, mit Menschen anders umzugehen. Ich versuche immer online so zu kommunizieren, wie ich es auch offline machen würde. Klar, da können durch Kürze und fehlende weitere Indikatoren vielleicht eher mal Missverständnisse entstehen – aber die versuche ich dann schnell, offen und ehrlich zu klären. Und auch online kommunizieren heißt oft in erster Linie: Zuhören, nicht nur die eigenen Dinge hinaus schreien.

Was meinst du: Spielt Hamburg in der ersten Liga in Deutschland, wenn es um das digitale Zeitalter und das Web geht?

Ich bin überzeugt, dass Hamburg sehr weit vorn dabei ist. Es gibt tolle Netzwerke wie die Digital Media Women, es gibt vielfältige und mehr digitale Events als man besuchen kann und in Hamburg finden sich viele Menschen mit großer Digital-Kompetenz. Im Vergleich zu dem, was mir manche Freunde aus anderen Städten berichten, stelle ich immer wieder fest, wie viel Hamburg digital doch zu bieten hat.

Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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