Ein Herz für Stefanie Heinzmann in Hamburg

Bild: Nicole Zaddach
Musik und Konzerte

Ich mag ja Schweizer. Und ich mag die Musik von Stefanie Heinzmann. Und ehrlich gesagt, ich steh auch ein bisschen auf die Sängerin selbst. Deshalb wollte ich schon länger auf ein Konzert der schweizer Musikerin. Als ich vor einiger Zeit erfuhr, dass sie hier in Hamburg auf den Kirchentag singen würde, beschloss ich kurzerhand hinzugehen, auch wenn ich mit dem Kirchentag sonst eigentlich nichts am Hut habe. Aber 12 Euro (Abendkarte) für Steffi – das ist ein Deal.

Vor Ort waren am Freitagabend dann zwar erwartungsgemäß viele Kirchentags-Besucher, aber auch einige andere, die in erster Linie für die Sängerin gekommen sind. Vor allem ein junger Mann wirkte so. Bevor ich näher auf ihn eingehe, muss ich aber kurz noch erzählen, wie wir alle vom Strandkai wegkamen. Oder besser gesagt: Wie wir eben gerade nicht wegkamen. Denn wer hätte das gedacht: Ein Stefanie Heinzmann-Konzert und ein paar weitere Kirchentags-Veranstaltungen vollbringen tatsächlich Wunder. Im konkreten Fall das Wunder einer vollkommen überfüllten U-Bahn-Haltestelle Überseeboulevard inklusive einer im Anschluss überfüllten U4 und dem Wunsch, dass die Bahn doch bitte häufiger als alle 10 Minuten fährt. Tja: „Everybody’s gonna be talking ‚bout this for a hunderd years from now” (aus Fire).

Nun aber zurück zum Konzert und zum bereits erwähnten jungen Mann. Bereits bevor Stefanie Heinzmann auf die Bühne trat, zog der mit mehreren „Steffi!“-Rufen meine Aufmerksamkeit auf sich. Als es dann los ging, wiederholte er das, brüllte ein oder zwei Mal noch „Ich liebe dich“ hinterher. Außerdem formte er während der Lieder, bei denen immer wieder zum Arme Schwenken, Mitsingen und Klatschen aufgerufen wurde, seine Hände zu einem Herz.

Seine Botschaften wurden jedoch nicht explizit erwidert. Und nein, ich mache mich nicht über den großen Fan lustig. Wie eingangs erwähnt kann ich ihn durchaus verstehen, auch wenn ich nicht so weit gehen würde wie er. Das Konzert hat meine positive Meinung von Stefanie Heinzmann jedoch noch verstärkt. Auch live ist ihre Stimme eindrucksvoll und ihre Laune ansteckend. Zusammen mit ihrer Band vermochte sie es, die Gäste mit einigen Balladen (die ich übrigens mehr mag, besonders die Songs „Another Love Song“ und „Fire“) zu Beginn von der Kirchentags-geprägten Stimmung abzuholen. Vor ihr sang nämlich Mic Donet unter anderem das Kirchentagslied, zu dem viele ihre blauen Schals schwenkten. Da war ich noch etwas kritisch gestimmt, ob das wirklich ein gutes Konzert geben würde, bei dem alle mitgehen. Ich wurde eines besseren belehrt.

Über die ruhigeren Stücke ihres aktuellen Albums ging es hin zu den bekannten Single-Auskopplungen und rockigeren Stücken zum Schluss. Und siehe an: Irgendwann sangen fast alle mit, bewegten sich, klatschen und was sonst noch alles dazu gehört. „Steffi“ hat das Publikum voll im Griff. Auch, weil die Sängerin immer wieder den Dialog suchte. Zwischen den Liedern erzählte sie zum Beispiel von ihrer Autofahrt aus der Schweiz bis Hamburg (ich hätte ja ein Flugzeug genommen).

Eindrucksvoll war, als sie die Entstehungsgeschichte von „Coming Up For Air“ erläuterte: Als sie bekannt wurde, sei viel über sie geredet worden, gleichzeitig habe sie gesundheitliche Probleme gehabt. In dieser Zeit habe sie bemerkt, dass nicht wichtig sei, was andere reden oder einem raten. Wichtig sei, dass man selbst damit glücklich sein sollte, wer und wie man ist. Auf diese Weise schaffte es Stefanie Heinzmann auch ganz ohne einen direkten kirchlichen Bezug der Veranstaltung eine nachdenkliche und im weitesten Sinne spirituelle Note zu verleihen. Im Anschluss dankte sie allen, die ihretwegen gekommen waren und sagte, dass sie alle Besucher so liebe, wie sie seien. Das wird sicher auch ihrem Verehrer im Publikum sehr angesprochen haben.

Dessen Herz-Geste fand am Ende noch zahlreiche Nachahmer. Die Schweizerin wurde nämlich mit vielen dieser Herzen von der Bühne verabschiedet, was die Sängerin von der Bühne aus auf mehreren Fotos festhielt, wovon sie eines auch auf Facebook postete. Danach war aber Schluss. Um 22 Uhr musste es ruhig sein, so will es die Stadt. Die Konzertbesucher machten sich auf den Rückweg, wo es ob des U4-Wunders Stefanie Heinzmann gewesen sein dürfte, die mit ihrem Auto das bessere Verkehrsmittel wählte.

I had to travel, all 7 seas
Only to find out it was hidden near
Like so many others, I worked myself down
But I won’t be happy with no love around
Diamonds are cold, even the ones that I keep
So instead of gold, they choose the option to breathe
(aus „Coming Up For Air“)

Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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