Evangelischer Kirchentag: „Soviel du brauchst“

Bild: Ingo Henning
Stadtgefühl

„Soviel du brauchst“ – der 34. Evangelische Kirchentag stand gestern ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos. Unter strahlendem Sonnenschein sorgten vier Eröffnungsgottesdienste für die Einstimmung auf die kommenden Tage, an denen alleine über 100.000 Dauerkarteninhaber an über 2500 Veranstaltungen teilnehmen werden.

Die große Anzahl der Veranstaltung führt auch zu einer großen Vielfalt. So gibt es natürlich viele Gottesdienste und Bibelarbeiten, aber auch Vorträge und Podien zu wirtschafts-, sozial-, und umweltpolitischen Themen, Workshops, Straßenveranstaltungen und Konzerte. Ich werde hauptsächlich Veranstaltungen besuchen, die in Kooperation mit der gleichzeitig stattfindenden Europawoche angeboten werden.

Gestern machte ich mich auf zum Rathausmarkt, wo der größte Gottesdienst gefeiert wurde. Schon in der U-Bahn sind mir die vielen blauen Kirchentagstücher aufgefallen, die entweder als Schal oder auch als Kopftuch getragen werden können. Das erinnerte mich ein bisschen an die Heimspieltage vom HSV oder St.Pauli, nur dass die Stimmung gestern deutlich gelassener und entspannter war. Beim Gottesdienst am Rathaus spielte mit dem Jesuitenpater Martin Löwenstein übrigens ein katholischer Pfarrer eine tragende Rolle.

Der gestrige Abend stand im Zeichen der Begegnung. Vom Jungfernstieg bis in die Speicherstadt und die Hafencity präsentierten sich die einzelnen Regionen der neugegründeten Nordkirche mit den unterschiedlichsten Ideen und Produkten. Ich interessierte mich hauptsächlich für die vielen Bühnen, auf denen Musik von Singer-Songwriter über Pop und Jazz bis hin zur Big Band der Bundeswehr alle Stilrichtungen vertreten waren. Die musikalische Abwechslung hat wesentlich dazu beigetragen, dass die lockere Stimmung bis zur Abschlusskundgebung an der Binnenalster erhalten blieb, auch wenn die Wartezeit durch die stark fallenden Temperaturen erschwert wurde.

Um 22 Uhr versammelten sich knapp 150.000 Menschen, ausgestattet mit einer Kerze, um die Binnenalster und feierten gemeinsam den Tagesabschluss mit dem Hamburger Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“. Neben den vielen Kerzenlichtern leuchteten immer wieder auch Smartphones auf, die den aktuellen Spielstand aus Barcelona überbrachten.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Für einige Hamburger ist der Kirchentag zu viel Kirche und zu viel Glaube. Klar: Das Event macht in gewisser Weise „Werbung“ für den Glauben. Ob man das mag, wird jeder anders bewerten. Der diesjährige Kirchentag wird jedenfalls am Sonntag mit einem Abschlussgottesdienst im Stadtpark beendet. Bis dahin kann jeder für sich selbst beantworten: „Wie viel brauche ich?“

Über

Ingo kam erstmals 2010 zum Studium in unsere Stadt und antwortet mittlerweile auf die Frage, woher er komme, mit “Hamburg”. Durch seinen Job ist er momentan allerdings selten in Hamburg, wodurch er aber einen Blick “von außen” auf die Ereignisse bekommt. Seine Interessen an Politik und Sport finden sich auch in seinen Artikeln auf Elbmelancholie wieder.

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