We are Traffic – Aktuelle Fotoausstellung von Radfahrern und ihren Bikes in Hamburg

Bild: Björn Lexius und Till Gläser
Kunst und Kultur

„We are not blocking traffic, WE ARE TRAFFIC!“

Am vergangenen Wochenende hat die Ausstellung von WE ARE TRAFFIC ihre Türen in der Galerie Affenfaust, St. Pauli geöffnet. Ich war dort, um die Fotografen persönlich kennen zu lernen und die Bilder auch außerhalb des Internets anzusehen. Ausgestellt in einer Galerie haben diese doch eine ganz andere Wirkung als online.

WE ARE TRAFFIC ist ein Fotoprojekt der beiden Hamburger Fotografen Till Gläser und Björn Lexius.

Ideengeber war unter anderem das New Yorker Projekt „BikeNYC„. Im Oktober 2012 haben Gläser und Lexius schließlich ihr eigenes Projekt ins Leben gerufen und seitdem jede Menge Hamburger und teilweise auch Berliner Radfahrer abgelichtet. Von Damenrad, über Rennrad bis hin zum Tandem ist alles dabei. Mit diesem Fotoprojekt bekommen die Fahrer auf den Rädern ein Gesicht. Sie sind nicht mehr bloß die Radfahrer, die auf den Straßen Hamburgs in der Masse der Autos untergehen.

Jeder Radfahrer hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Man fragt sich bei den Bildern direkt: Warum fährt derjenige genau dieses Rad? Welcher Ort in Hamburg ist zu sehen, an dem der Fahrer sich hat fotografieren lassen und warum wurde ausgerechnet dieser Platz ausgesucht? Welche Motivation hat er überhaupt, Rad zu fahren? Alles Fragen, die sicherlich nicht rein aus den Bildern beantwortet werden können, aber sie bieten einen Anhaltspunkt, eine Idee, eine Vorstellung. Und was man jedem einzelnen Radfahrer auf den Bildern ansieht: Radfahren ist ein Lebensgefühl. Nicht von A nach B kommen zählt, sondern die Einstellung zum Leben. Und das macht das Projekt so beachtenswert: Es zeigt individuelle Persönlichkeiten mit ihren einzigartigen Bikes und es zeigt die Liebe zur schönsten Stadt Deutschlands.

Aber das Projekt soll auch gegenüber Radfahren sensibilisieren, denn wer Hamburg mal mit dem Rad erkundet hat, weiß: Hamburgs Radwege sind alles andere als radfreundlich. Oft muss man Fußgänger mehr als nur bitten, den Radweg frei zu machen. Oft blockieren Autos die Wege, die Radwege sind zudem zu schmal, haben Schlaglöcher und enden oftmals im Nichts. Ein Zustand, der für Radfahrer alles andere als erfreulich ist.

Durch das Projekt WE ARE TRAFFIC wird einem das Rad näher gebracht. Das Rad ist nicht mehr bloß ein Rad, es ist ein Bezugsobjekt für den Fahrer. Persönlich ausgesucht, meist individuell gestaltet und zusammengestellt. Auch ich habe meine eigene Radgeschichte, wenn auch erst eine sehr kurze: Ich stand Radfahren lange sehr skeptisch gegenüber. Als Pendler und Vielfahrer fand ich sie immer lästig und nervig, rücksichtslos und störend. Das selbe empfand ich auch stets als Fußgänger. Mir selbst ein Rad zulegen und fahren?! NIE im Leben!

Aber seitdem ich in Hamburg lebe habe ich gemerkt, wie viel einfacher es ist, auf andere Art und Weise mobil zu sein als mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem lernt man Hamburg auf eine ganz andere Art und Weise kennen. So kam es, dass ich seit April selbst stolzer Besitzer eines alten Kondor Rennrades bin und nun versuche, bei gutem Wetter einfach Rad zu fahren, anstatt mit der U3 von A nach B zu kommen. Aber nach über 10 Jahren Radlosigkeit habe ich derzeit noch recht viel mit meiner Unsicherheit gegenüber des doch recht „wilden“ Stadtverkehrs zu kämpfen. Doch ich werde zumindest außerhalb meines beruflich bedingten Pendelns ab jetzt getreu nach dem Motto leben: „Fuck cars, ride bikes!“

Die Ausstellung könnt ihr nur noch an den zwei folgenden Tagen sehen: Di, 30.04. 15:00 – 21:00 Uhr und Sa, 04.05. 14:00 – 18:00 Uhr. Sie ist zwar nicht sehr groß, aber es lohnt sich. Einfach vorbeischauen und sich ein wenig Zeit nehmen für dieses Hamburger Fotoprojekt aus Leidenschaft zweier talentierter Fotografen. Neben der Ausstellung und der Bilder auf der Webseite wird es auch einen Bildband um die 200 Seiten geben, welcher via Crowdfunding erfolgreich finanziert wurde.

Und nun noch ein paar Bilder von der Vernissage am 27.04.2013 in der Affenfaust:

Zum Schluss ein großes Dankeschön an Björn und Till dafür, dass ich für meinen Beitrag Bilder von der Homepage nehmen durfte!

Über

Hat sich 2007 in Hamburg verliebt, als sie für das Filmfest Hamburg während ihres Medienökonomie-Studiums gearbeitet hat. Seit 2011 lebt Janka nun in Hamburg und arbeitet als IT Project Managerin Twitter: @JankaBeee - sterndesnordens.de Stellvertretende Redaktionsleiterin von Elbmelancholie

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