Hamburger im Netz: Romy Mlinzk

Bild: Foto Romy Mlinzk / Screenshot, Collage: Elbmelancholie
Netzleben

In dieser Reihe stellen wir Hamburger vor, die im Social Web zu Hause sind. Sie sind Experten, die uns sagen können, wie sich das Digitale in der Hansestadt entwickelt. Nach Daniel Rehn beim letzten Mal kommt in dieser Ausgabe Romy Mlinzk zu Wort. Neben vielen anderen Tätigkeiten in diesem Internet ist sie Social Media Specalist bei der Generali Deutschland Informatik Services GmbH in Hamburg.

Gibt es für Dich einen Unterschied im Umgang mit Menschen zwischen dem „Real Life“ und dem im Netz?
Ja, den gibt es durchaus. Im realen Leben lerne ich Menschen anders kennen, online duze ich leichter und schneller. Da fühlt es sich eher seltsam an, nicht geduzt zu werden. Online erreicht man dann schnell eine andere Ebene des zwischenmenschlichen Daseins als offline. Soziale Barrieren wie Schüchternheit oder Ängste können durch den schriftlichen Austausch auf den diversen Plattformen schnell überwunden werden. Doch kenne ich jemanden schon länger online, dann ist offline, das reale Leben nur noch ein Add-on. 😉

Du hast den Twitter-Account @wearehh ins Leben gerufen. Was hat Dich dazu bewogen, den Account einzurichten?
Rotation Curation fasziniert mich seit dem Beginn des Accounts @sweden. Beim BarCamp in München im Januar 2012 hoben dann einige Bekannte und Freunde von mir @MunichLovesU aus der Taufe. Später entdeckte ich @I_amGermany und bewarb mich. Als Woche 3 durfte ich im Juli dann selbst Kuratorin sein. Was soll ich sagen? Ich war angefixt und bin es bis heute! Als ich den Account am 15.07.2012 abgab, hatte ich Entzugserscheinungen und @blickwechsel gab den entscheidenden Anstoß mit einem Tweet.
In einer Nacht- und Nebelaktion setzte ich mich 2-3 Stunden an den Rechner, legte eine Mailadresse, Twitter, Facebook und ein Blog an – @WeareHH war geboren und ging eine Woche später, am 22.07. mit dem ersten Kurator an den Start.

Könntest Du ein paar Sätze zu Deinem Engagement beim Social Media Club Hamburg sagen?

Ach, der Social Media Club… „mein“ Eventbaby. 😉
Das Thema Events mitorganisieren, verfolgt mich seit meinem Praktikum und dem Einstieg in die berufliche Social Media Welt. Seit nun knapp drei Jahren bin ich Teil des Orgateams, übernahm letztes Jahr gemeinsam mit Lars Wehmeyer die Leitung und bin dieses Jahr alleine für den Club verantwortlich und versuche ihn gerade mit meinem Team etwas umzustrukturieren. Leider verläuft das eher sinusförmig – immer Auf und Ab, aber bei ehrenamtlichen Engagement neben Vollzeitjobs aller Teammitglieder bleibt das einfach nicht aus. Social Media Clubs gibt es übrigens weltweit und sind eigentlich eine amerikanische Idee. Seit Januar 2009 gibt es den Social Media Club auch in Deutschland und Hamburg startete als erster deutscher Club.

…und über supportlocalmusic.de?
Meine Musikbegeisterung schlägt sich auch in Blogform nieder. Da ich gerne auf kleine Gigs in Hamburg gehe, sei es von unbekannteren Künstlern aus Hamburg oder unterschätzten internationalen Künstlern – immer versuche ich, den Musikstandort Hamburg, die kleinen Locations und die Künstler zu unterstützen. Genau das findet man auf supportlocalmusic.de und via #supportlocalmusic.
Nebenbei gibt es auch immer noch officemusic.de, was Daniel Rehn mal ins Leben gerufen hat, ich okkupierte, wir noch andere ins Boot holten, aber leider auch von mir in letzter Zeit etwas sträflich vernachlässigt wurde. Da muss sich wieder etwas tun!
Ach, sowieso könnte man immer noch mehr bloggen und tun – doch leider hat der Tag zu wenig Stunden.

Was bedeutet „bloggen“ für Dich?
Bloggen bedeutet für mich, meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. In erster Linie schreibe ich dabei für mich selbst – mal als Memo/Erinnerungsstütze für den Job, dann sehr persönlich, um Dinge von der Seele zu bekommen; enthusiastisch nach Konzerten oder über das Reisen, was den Nomaden in mir befriedigt.

Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die gerne bloggen wollen, sich aber noch nicht trauen?
Ignoriere Kritik, sauge das Lob auf und schreibe immer zuerst für Dich und dann erst für andere.

Was meinst Du, ist Hamburg im digitalen Business auf den vorderen Plätzen? Tut sich hier viel in Sachen „Internet“?
Die Szene ist groß, es tut sich viel, aber spannende Start-ups entdecke ich in keiner der gehypten Hochburgen – weder Berlin noch Hamburg haben für mich erfolgversprechende Start-ups hervorgebracht. Es waren kleinere Städte wie Wiesbaden und Darmstadt-Dieburg, die mit tollen und auch re-finanzierbaren Ideen auf meinem Radar aufploppten.

Welche Hamburgischen Unternehmen haben Deiner Meinung nach das Internet „verstanden“ und bringen die positiven Eigenschaften weiter nach vorn?

OTTO hat sich gut gemacht und bringt viele gute Ideen voran, lernt aber auch aus Fehlern und hatte nie Angst, Fehler zu begehen. Aber auch Unternehmen, von denen man eher einen konservativen Eindruck hat, machen sich gut mit „diesem Internetz“, z.B. die Techniker Krankenkasse.

Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

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