Hamburgs nervigste Bahnhöfe

Bild: Andreas Grieß
Stadtgefühl

Sich über den öffentlichen Nahverkehr aufregen – das gehört in Großstädten dazu. Verspätungen, zu laute oder nach Alkohol riechende Mitfahrer lassen trotz gut ausgebautem Verkehrsnetz gelegentlich das eigene Auto verlockend erscheinen. Und seien wir ehrlich: Es gibt auch eine Hand voll Bahnhöfen, die einem einfach nur auf den Sack gehen. Wir präsentieren: Hamburgs nervigste Bahnhöfe.

Platz 5: U/S Barmbek
Gerüchten zufolge kann man hier den Passierschein A38 bekommen. Im HVV-Verkaufststand gibt es den Samstags aber nur „wenn der Sonnabend auf die beiden ersten oder letzten Tage im Monat fällt“, wie es in der Info zur Ticket-Verkaufsstelle heißt. Ohnehin steht Verwirrung hier fest im Programm, was in erster Linie mit der U3 zu tun hat. Die fährt von hier in drei Richtungen und nicht nur Touristen sind regelmäßig überfordert, in welchen Zug sie müssen. Und außerdem: Ständig muss man umsteigen, auch wenn man in die gleiche Richtung weiter will. Für alle anderen Umsteige-Varianten, sowohl innerhalb der U3 als auch zur S-Bahn bedingen: Treppe hoch, Treppe runter und das meist zusammen mit einer ganzen Bahnladung über die zu engen Treppen. Jeden Morgen kann man zudem Sprinter beobachten, die von der U-Bahn zur S-Bahn rennen. Umstiegszeit: etwa eine Minute. Laut HVV-App nicht einmal möglich. Ach ja: Busse fahren in Barmbek auch. Auch hier heißt das Motto: Verwirrung. Einige Busse fahren auf der Vorder- andere auf der Hinterseite des Bahnhofs. Neulich wurden die Abfahrtsorte geändert.

Platz 4: U Uhlandstraße
Vergleicht man die Probleme, die wir mit der Uhlandstraße haben, mit denen der Station Barmbek, muss man eigentlich fragen: Warum einen Platz weiter vorne? Die Sache ist die: U Uhlandstraße steht stellvertretend für viele Stationen im Netz, von denen man einfach nur denk: Wofür gibt es euch? Da will man schnell von Berliner Tor zur Hamburger Straße oder zur Mundsburg und dann: „Einsteigen bitte!“, „Zurückbleiben bitte!“, „tut-tut-tut“. Der Zug hat kaum beschleunigt, schon steht man wieder, kann die Station davor und danach sehen und umsteigen kann man auch nicht. „Aber ich muss da immer aussteigen!“, die ständige Antwort von irgendwem von irgendwo, kritisiert man die Haltestelle Uhlandstraße oder ihre Brüder im Geiste Dehnheide, Eppendorfer Baum, Hudtwalckerstraße, Rauhes Haus, oder oder oder. Ja, ihr liebt eure Station. Alle andere Fahrgäste nervt sie nur.

Platz 3: U Überseeboulevard
Muss man das wirklich erklären? Ist man erst einmal die drei(!) endlosen Treppen aus der ebenfalls endlosen Tiefe der Hafencity herausgeklettert, hat man den Zeitgewinn der U4 gegenüber dem Bus oder einem Ausstieg am Baumwall schon wieder verloren. Und dann ist dieser ganze Bahnhof auch noch so prollig. Kommt man jedoch aus dem Loch ist man mitten zwischen Kraftwerk und Großbaustelle. Ja, wenn alles mal fertig ist, mag das schön sein. Die U4 soll ja sogar doch Richtung Elbbrücken ausgebaut werden. Aber momentan: Nervplatz 3.

Platz 2: U/S Landungsbrücken
Landungsbrücken – damit kann man in der ganzen Republik etwas anfangen. Das kennt man, da will man als Tourist hin und auch als Hamburger verbringt man hier gerne freie Minuten. Umso erschreckender, dass gerade diese Station in Sachen Barrierefreiheit ein Totalausfall ist. Aufzüge? Wohin denkst du! Treppen gibt es dafür zu genüge. Und noch trauriger: Das wird sich so schnell nicht ändern. Die Hochbahn betreibt zwar gerade ihr großes „Lift-Programm“, das Stationen Barrierefrei machen soll – Landungsbrücken steht jedoch nicht auf der Liste.

Platz 1: U/S Jungfernstieg/ U Rathaus
Diese Station spielt in einer anderen Liga, was Nervigkeit angeht. Dieser Schweizer Käse unterhalb der Innenstadt beherbergt unseren Prognosen zufolge derzeit noch Fahrgäste aus dem Jahr 1997, die vergeblich versuchen, den richtigen Ausgang zu finden. Die einzelnen Exits dieser Kombi-Station liegen zum Teil über 400 Meter auseinander. Und sie folgen komplexen Wenn-Dann-Schemen. Einmal den falschen Abzweig genommen, hat man einfach verloren. Es ist auch eine Lüge, behauptet man, U/S Jungfernstieg sei eine Station. Eigentlich sind es vier Stationen, die nur zufällig nah bei einander liegen (in etwa so wie die Stationen von Platz 4). Die U1 hat einen Bahnstieg, die U2 ebenfalls und sogar die U4 hat hier einen eigenen Abgang. Dann wäre da noch die S-Bahn und vor allem die U3, deren Station wenigstens anders heißt: Rathaus. Aber um verwirrend genug zu bleiben kann man auch sehr eng am Rathaus aussteigen und ist noch in der Station Jungfernstieg, Diese Station ist einfach nur Nerv-Weltmeister. Ganz besonders dann, wenn man von Touristen gefragt wird: „Wo geht es denn hier zur U1/2/3/4/S-Bahn?“, und man selbst keine Ahnung hat.

Das war unsere Top 5. Sicher gibt es noch viele weitere Kandidaten. Welche Station nervt euch am meisten? Uns fielen noch weitere Bahnhöfe ein. Knapp an den Top 5 vorbei sind diese geschrammt:

  • U/S Berliner Tor (Umstieg U zu S ist fast unmöglich, wenn man nicht sehr mobil ist. Defekte Rolltreppen haben zudem hier ihr Hauptquartier)
  • U Habichtstraße (liegt nur wenige Meter von Barmbek entfernt, die Bahn fährt aber eine lange Schleife dorthin)
  • U Hammer Kirche (alles andere als Hammer. Hat man einen Kinderwagen oder ähnliches dabei, muss man Umwege in Kauf nehmen)
  • S Hasselbrock (wer wissen will, wie Bahnhöfe auf dem Land aussehen, sollte hierher fahren. Es hält sogar die Regionalbahn. Noch Fragen?)
  • U/S Sternschanze (beim Umstieg von U- in S-Bahn muss man Treppen hoch und wieder runter laufen. Was ist denn bitte das? Im Winter holt man sich ohne Windschutz am S-Bahnsteig zudem schnell eine Erkältung. Und dann fahren noch ständig ICEs vorbei)
  • Hauptbahnhof (eigentlich außer Konkurrenz. Hier wird alles, das anderswo nervt, nochmal geremixt. Und wie es sich für einen Hauptbahnhof gehört, gibt es einige Stellen mit strengem Urin-Geruch)
Über

Andreas kam 2010 zwei Monate für ein Praktikum nach Hamburg. Im Sommer 2012 kehrte er nach abgeschlossenem Studium zurück, um hier als Journalist zu arbeiten. Twitter: @youdazandreasgriess.de Redaktionsleiter von Elbmelancholie

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