Hamburger im Netz: Daniel Rehn

Bild: Daniel Rehn / M: Andreas Grieß
Netzleben

In dieser Reihe stellen wir Hamburger vor, die im Social Web zu Hause sind. Sie sind Experten, die uns sagen können, wie sich das Digitale in der Hansestadt entwickelt. Unser erster Gesprächspartner ist Daniel Rehn. Der gebürtige Hesse ist Junior Account Manager bei der Hamburger Agentur achtung!

Was meinst Du, ist Hamburg im digitalen Business auf den vorderen Plätzen? Tut sich hier viel in Sachen „Internet“?
Ich habe ja zwei Jahre in München gelebt, ehe ich im Sommer letzten Jahres nach Hamburg gezogen bin. Und so leid es mir für die Münchner Szene, deren Mitglieder und Community, die ich wirklich sehr gern habe, tut, aber Hamburg ist nochmals einen ganzen Schritt weiter, bunter, kreativer.
Das liegt zum einen an den vielen Agenturen und Unternehmen aus den kommunikativen Sparten, noch mehr aber an den Leuten, die hier einfach ein kleines Utopia finden, das ihnen alles bietet, um ihren Ideen und Projekten nachzugehen. Gefühlt gibt es in jedem Viertel und Kiez eine digitale „Zelle“, bestehend aus drei bis vier Onlinern und Kreativköpfen.
Kurzum: Ich bin immer wieder von der positiven Energie, die von dieser Stadt ausgeht, beeindruckt.

Gibt es für Dich einen Unterschied im Umgang mit Menschen zwischen dem „Real Life“ und dem im Netz?
Ehrlich gesagt unterscheide ich nicht mehr zwischen „real life“ und Netz, wenn es darum geht, wie ich mich Menschen gegenüber verhalte. Online wie offline gilt doch eine einfache Devise: Sei kein Arsch.
Sicher, man gibt sich online vielleicht überlegter, da einem im Sinne der größten Skeptiker und Pessimisten aus allem irgendwann ein Strick gedreht werden kann, da Google nichts vergisst und Facebook mit meinen Daten sonst etwas anstellt, aber im Grunde versuche ich immer ich zu bleiben.
Darum behandle ich in einer Zeit, in der das Netz wie ein feiner Film über allem liegt, jeden mit dem gleichen Anstand, Respekt und versuche empathisch und interessiert zu sein. Wenn es nicht klappt, dann liegt das an mir oder meinem Gegenüber. Nicht aber an on- oder offline.

Welche Hamburgischen Unternehmen haben Deiner Meinung nach das Internet „verstanden“ und bringen die positiven Eigenschaften weiter nach vorn?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich orientiere mich bei der Aussage „haben das Internet verstanden“ eher an den Menschen, die dafür verantwortlich sind und die ich teils auch kenne. Müsste ich ad hoc aber ein Hamburger Unternehmen nennen, dessen Aktivitäten ich sofort als tollen Job beurteilen müsste, dann käme ich wohl auf die OTTO Group zu sprechen.
Die Arbeit, die man da über alle Kanäle hinweg leistet, und das Verständnis, das man doch recht früh für die stattfindenden Entwicklungen und Veränderungen mitbrachte, haben dafür gesorgt, dass man im Web dort steht, wo man heute ist.
Da hat alles Hand und Fuß, wie zum Beispiel die Reaktion auf die Panne mit den Macbooks für EUR 50,- zeigt.

Welche Events, die sich um das Internet/Social Media etc. drehen, besuchst du regelmäßig in Hamburg? Und könntest du eines (in der nächsten Zeit) empfehlen?
Puh, wo soll ich da anfangen? Es gibt so viele Möglichkeiten. Da wären der Webmontag, der mit wechselnden Themen und Vorträgen aufwartet.
Der Social Media Club Hamburg bietet regelmäßig interessante Abende zu einem Kernthema, um drei Referenten dazu sprechen zu lassen.
Die Treffen der Digital Media Women sind jedes Mal aufs Neue großartige Gelegenheiten zum Austausch, Kennenlernen und Netzwerken.
Dann gibt es noch die mittlerweile gar nicht mehr so kleinen Runden des #tkhh, wenn sich Sport- und Kommunikationsbegeisterte verabreden und über aktuelle Entwicklungen in so ziemlich jeder vorstellbaren Sportart und Trends im Netz sprechen und ob und wie man diese zusammenbringen könnte.
Oben drauf gibt es im Spätherbst immer noch das Barcamp Hamburg, das ebenso als Institution zu verstehen ist. Im Grunde kann man jeden zweiten Abend woanders unterwegs sein. Und das waren nur die Events, die festen Zyklen stattfinden.

So unmittelbar vor dem eigentlichen Termin empfehle ich aber am ehesten die Social Media Week, die vom 18. bis 22. Februar mit Dutzenden Panels, Sessions und Workshops in Hamburg stattfinden wird. Hier dabei zu sein ist für mich ein Muss.

Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die bloggen wollen, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen?
Einsteiger sollten sich drei Dinge klar machen.
Erstens: Habe ich ein Thema, über das ich gerne schreibe und das mich nicht so schnell wieder loslassen wird? Ein Hobby, das man lange pflegt oder neu beginnt zum Beispiel? Ein Bereich des eigenen Jobs oder etwas aus dem persönlichen Bereich des Lebens, das man teilen möchte? Wenn man sich ansatzweise eine Orientierung sucht, fällt es leichter, darüber oder links und rechts davon zu schreiben.
Zweitens: Man schreibt in erster Linie immer für sich, nicht für die anderen? Ja, Leser zu haben ist toll und jeder Kommentar ist eine Bestätigung für das, was man tut, aber wer sich von der Meinung anderer abhängig macht, der verliert schnell die Lust, weil eine Angst vor Ablehnung entstehen kann. Wer sein eigenes Publikum ist und liefert, was einem selbst auch Spaß macht, der muss sich keine Gedanken über die eigene Blogger-Zukunft machen
Drittens: Mache dir am Anfang noch nicht so viele Gedanken über die Technik im Hintergrund und das Design. Wer Spaß am Schrieben hat, der merkt schnell, dass man sich tiefer in das Thema Bloggen einarbeiten will, und dann kümmert man sich um alles Weitere ganz automatisch, weil die Ansprüche an die eigenen vier Blog-Wände wachsen.
Alles weitere kommt dann allein.

Und wie würdest du Menschen vom twittern überzeugen?
Da wird es schon schwieriger. Ich persönlich liebe Twitter. Müsste ich alle Netzwerke bis auf eines abgeben, Twitter würde bleiben. Aber diese Begeisterung lässt sich nur schwer anschaubar vermitteln, da die meisten das absolut Triviale jener Inhalte sehen, die nicht auf sie ausgelegt sind. Meine Timeline kann für meine engsten Freunde, die auch Digitalos sind, komplett unbrauchbar sein, obwohl wir uns in ähnlichen Sphären bewegen.
Twitter ist Themenseismograph und Echtzeit-Zeitung in einem, voll mit den Autoren, die ich gerne lese und mit denen ich mich austauschen mag, weil mich ihre Meinungen, Themen und der Dialog mit ihnen interessieren. Und das ist immer noch das größte Problem von Twitter: Es ist ein exploratives Netzwerk, bei dem jeder einzelne User wissen muss, was er oder sie mag. Ansonsten ist es das Stochern im Informationsfluß, mit dem ich nichts anfangen kann.
Sollte es aber jemand dennoch wagen, was ich immer begrüße, dann würde ich empfehlen mit einer kleinen Dosis an Followings anzufangen. Man stellt sich Tag für Tag seine Timeline ein wenig genauer zusammen. Sucht nach Leuten, die man vielleicht sogar kennt, liest in der Regel aber erst einmal mit und findet seinen Rhythmus. Wenn man sich von dem Gedanken frei macht, dass man alles lesen müsste, was dort geschrieben wird, kriegt man das eigentlich ganz gut hin. Und wer dann noch durchhält und anfängt aktiv mitzuschreiben, der wird schnell merken, wie toll Twitter für Nachrichten, Dialog und das Kennenlernen neuer Menschen ist.

Über

Judyta Smykowski, 26, kommt aus Hamburg, lebt in Berlin und arbeitet für die taz und leidmedien.de. Judyta ist Gründungsmitglied von Elbmelancholie. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesellschaft, Kultur und Internet. Twitter: @jusmykkreativundgnadenlos.wordpress.com

2 Kommentare

  1. Pingback: Ich woanders: Im Interview mit elbmelancholie.de « daniel rehn – digitales & reales

  2. Pingback: „Noch zu viele Blogger außen vor“ » YOUdaz.com

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